Zum Schutz der Igel: Jochen Surel fordert ein Nachtfahrverbot für Mähroboter im Kreis Cham

Abgetrennte Ohren und Gliedmaßen, zerschnittene Augen, tiefe Fleischwunden, in die sich Parasiten einnisten, Enthauptungen – was sich anhört wie ein übler Horrorfilm, bekommen viele Igel am eigenen Leib zu spüren. Dass es so nicht weitergehen kann, ist für Jochen Surel klar. Er möchte ein Nachtfahrverbot für Mähroboter im Landkreis Cham durchsetzen.
Jüngst haben die CSU, die Freien Wähler und die AfD im Landtag einen Gesetzesentwurf der Grünen abgelehnt, die ein Nachtfahrverbot von Mährobotern gefordert hatten. Dass es so nicht weitergehen kann, ist für Jochen Surel (58) klar. Er nimmt die Sache selbst in die Hand, und einen Erfolg kann er bereits für sich verbuchen: Zum Schutz der Igel hat er das Nachtfahrverbot für Mähroboter in seinem Landkreis Schwandorf durchgesetzt. Nun möchte er selbiges auch im Landkreis Cham erreichen – selbst wenn er weiß, dass es ihn viel kosten wird.
Durch seine Einblicke, die Surel als selbstständiger Landschaftsgärtner bekomme, könne er ein Lied davon singen, wie wenig naturnah die Anlagen heute noch sind. Hat es der Igel dadurch schon schwer genug, noch ausreichend Nahrung und Wohnraum zu finden, steigt nun auch die Gefahr durch die Gartengeräte.

Sofortiger Tod oder ein „stilles Sterben“
„Ab der Dämmerung sind Mähroboter Schredder-Maschinen“, sagt Surel, der erklärt, dass der Igel kein Fluchttier ist. Stattdessen rollt sich das Tier zusammen und wird so leicht Opfer des Gartengeräts. Wenn die Tiere durch die Messer nicht sofort getöten werden, folgt laut Surel ein „stilles Sterben“ durch sämtliche Verletzungen. „Die Tiere verrecken an einem grausamen Tod. Das ist echt schlimm“, sagt der 58-Jährige. Er verweist zudem auf eine Studie aus Dänemark, in der ersichtlich wird, dass Mähroboter Igel – nicht wie häufig behauptet - erkennen würden. Eine kurze Internetrecherche bestätigt das.
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Betroffen seien vor allem junge Igel. „Viele der Geräte erkennen die kleinen Tiere nicht“, weiß Catrin Röhricht von der Tierhilfe Weiding. Vor allem im Frühling und im Herbst habe die Tierhilfe allerhand Arbeit mit verletzten Igeln. „Wir sehen dann häufig Schnittverletzungen. Ob es immer Mähroboter sind, ist schwer zu sagen. Es könnten auch beispielsweise Motorsensen sein“, sagt Röhricht, die darauf hinweist, dass auch Feldhasenbabys häufig Opfer von Mährobotern werden. Wenn Gärten an Wiesen angrenzen, könne es vorkommen, dass die Hasenmutter ihren Nachwuchs im Garten absetzt. „Feldhasenbabys ducken sich und bleiben sitzen – und werden dann oft vom Mähroboter zerschreddert“, so Röhricht.
Um den Tieren das Leid künftig zu ersparen, hat es sich Jochen Surel zur Aufgabe gemacht, sich für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter in seinem Heimatlandkreis Schwandorf einzusetzen. Dafür habe er sich unter anderem Zahlen von Tierarztpraxen geholt, um Fakten vorweisen zu können, Paragrafen durchforstet und mit Experten gesprochen.
Im Frühjahr 2024 habe er begonnen, öffentliche Vorträge zu halten und Bürger an Infoständen auf das Thema aufmerksam zu machen. Es folgten ein Antrag bei der Stadt Schwandorf und Anfragen bei der Unteren Naturschutzbehörde des Schwandorfer Landratsamtes – ohne die gewünschten Erfolge, so Surel. „Von da weg habe ich Unterschriften gesammelt – und es sind immer mehr geworden“, sagt Surel. Als ÖDP-Vorsitzender im Kreisverband Schwandorf betont er, dass er die Aktion als Privatperson durchgeführt habe.
Zwar habe Surel bei seinen Aktionen auch zahlreiche Beleidigungen wie „blöde Ökokröte“ oder „Öko-Terrorist“ abbekommen, doch davon habe er sich nicht beirren lassen, erzählt er. Im Gegenteil: „Es hat mich mehr angespornt.“
Und sein Einsatz hat sich gelohnt: Nach monatelanger Arbeit konnte Surel im November 2025 etwa 2200 Unterschriften an Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU) übergeben. Wie Surel sagt, komme der Großteil der Unterstützer aus dem Landkreis Schwandorf. Jedoch hätten beispielsweise auch einige Reichenbacher unterschrieben.
Zeiten für die fahrenden Geräte klar geregelt
Am 23. Januar trat das Nachtfahrverbot von Mährobotern in Kraft, nachdem der Landkreis Schwandorf eine Allgemeinverfügung erlassen hatte. Seither sind im Nachbarlandkreis die Zeiten, in denen die Gartengeräte fahren dürfen, klar geregelt. Nach diesem Erfolg wünscht sich Jochen Surel einen weiteren im Landkreis Cham.
Dort wolle er sich als Nächstes für ein Nachtfahrverbot von Mährobotern einsetzen. Um Bürger zu informieren, seien auch hier Infostände und Vortragsveranstaltungen geplant. Auch wenn das bedeutet, dass Surel erneut viel Zeit und Geld aufwenden müsse, um die Aktion voranzutreiben. Doch jeder gerettete Igel trage zur Biodiversität bei und somit zu einem gesunden Ökosystem für die Menschen.
Aktion von Jochen Surel im Landkreis Cham unterstützen
■ Kontakt: Wenn sich Privatpersonen oder Organisationen der Aktion von Jochen Surel im Kreis Cham anschließen wollen, können sie sich unter Tel. (0 94 31) 4 28 55 oder 01 71 / 2 81 40 83 an ihn wenden.
■ Gesetz: Surel führt das Bundesnaturschutzgesetz mit den Paragrafen 39 und 44 an, in denen der Schutz von Wildtieren geregelt ist. Verstöße können mit Geldbußen bis zu 50 000 Euro geahndet werden.
Kommentar von Sabrina Kauer: „Längst überfällig!“
Der Igel gehört in heimische Gärten wie die Biene oder der Regenwurm. Eigentlich ist er fester Bewohner in Gärten, Parks oder auf Wiesen. Eigentlich. Denn das stachelige Säugetier taucht laut LBV mittlerweile als „potenziell gefährdet“ auf der internationalen Roten Liste für gefährdete Tier- und Pflanzenarten auf.
Reicht es doch schon, dass regelmäßig Igel und andere Tiere plattgefahren auf der Straße kleben. Nun wird auch noch der eigentlich sichere Garten zur Todesfalle.
Dort wird immer häufiger jeder sprießende Grashalm raspelkurz geschnitten – mit Hilfe eines fleißigen Helfers, dem Mähroboter. Im Grunde sind diese Geräte nicht schlecht, weil man sich das aufwendige Rasenmähen nach der Arbeit oder am Wochenende sparen und die Zeit stattdessen für Aktivitäten nutzen kann. Zudem bieten sie für Personen mit Bewegungseinschränkungen und Ältere eine Alternative.
Doch sollte man sich fragen, ob es wirklich sein muss, dass der Mähroboter auch noch nachts seinen Dienst verrichtet, genau dann, wenn Igel auf Nahrungssuche gehen. Ein Nachtfahrverbot für Mähroboter hätte es meiner Meinung nach schon ab dem Zeitpunkt der ersten Inbetriebnahme eines solchen Gartengeräts geben sollen. So wäre vielen Igeln bereits einiges an Leid erspart geblieben.
Bleibt nur zu hoffen, dass die verantwortlichen Entscheidungsträger und die Gartenbesitzer im Landkreis Cham das auch so sehen – und einen allzeit glatt rasierten Rasen nicht über ein Lebewesen stellen.