Alle Mann auf Windkraft: Sechs Chamer Landratskandidaten und ihre Meinung zu einem brisanten Thema

Von Johannes Schiedermeier · 6. Februar 2026 um 17:35

Bei der Podiumsdiskussion des Bayerwald-Echos in der Rodinger Stadthalle haben sechs Kandidaten für das Amt des Chamer Landrats auch heiße Eisen angefasst. So diskutierten sie auch Standpunkte bei Windkraft und Naturschutz.

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Wie stehen Sie zu den Windkraftplänen des Kreises und was sagen Sie betroffenen Anwohnern?, fragt Moderator Martin Hennings die Kandidaten.

Woher der Wind bei den Kandidaten wehen wird

Sascha Kretz von den Grünen sagt: „Ich bin für Windkraft. Die Ausgestaltung der Regionalwerke hat viele positive Ansätze. Das wird den Bürgern und Gemeinden zugutekommen.“ Allerdings sagt er auch, dass es in der Anfangsphase etwas mehr Transparenz gebraucht hätte. Eine Alternative sieht er nicht: „Sonst baut auf diesen Fächen ein Privatinvestor.“

Sascha Kretz (Grüne) - Foto: Simon Tschannerl

Steve Brachwitz (SPD) pflichtet ihm bei: „Wir brauchen im Winter Windkraft.“ Allerdings ist er der Meinung, das man früher anfangen hätte müssen, transparent Informationen zu vermitteln. Seine Bedenken: „Die ausgewiesenen Flächen sind schon etwas sehr konzentriert auf einzelne Gemeinden.“

Steve Brachwitz (SPD) - Foto: Simon Tschannerl

Christian Schindler (FW) fordert: „Der Windkraft-Umschwung muss kommen. Wir kommen jetzt nicht mehr aus: Es gibt einen Einspeisepunkt und wir sind dazu verdammt, diese Flächen dort auszuweisen. Wir müssen die Menschen mitnehmen und ihnen klarmachen, dass wir diesen Strom brauchen.“

Christian Schindler (FW) - Foto: Simon Tschannerl

Michael Multerer (CSU) stellt fest: „Bevölkerung und Wirtschaft brauchen diesen Strom. Ich bin dafür und versuche, die Bürgermeisterreihen geschlossen zu halten.“ Es geht auch um Speicherung und Umspannwerke, sagt der CSU-Kandidat. „Das wird uns Jahre beschäftigen, und die Betroffenheit der Bürger ist unbestritten. Aber wenn wir nicht bauen, bauen Private. Wir müssen die Wertschöpfung regional nutzen.“

Michael Multerer (CSU) - Foto: Simon Tschannerl

Alfred Stuiber (FDP) wäre das Regionalwerke-Thema langsamer angegangen: „Es ist ein kompliziertes Konstrukt und man muss den Menschen, die neben Windkraftwerken wohnen, klarmachen, welchen Vorteil sie haben von diesem Bauwerk.“ Außerdem kritisiert Stuiber: Man hätte das Bayernwerk nicht versilbern dürfen.

Alfred Stuiber (FDP) - Foto: Simon Tschannerl

Christian Oberthür (Linke) sagt: „Ich bin für Windkraft, aber grundsätzlich fehlen mir die konkreten Bürgerbeteiligungen. Es ist attraktiver, zu wissen, wenn das Windrad sich dreht, dass auch Euros in der Tasche landen. Das Thema Regionalwerke sehe ich positiv, weil die Energie in der Region bleibt.“ Der Landkreis ist nach Ansicht des Linken bei der erneuerbaren Energie schon sehr weit gekommen. Aber mit der Windenergie schließt er eine wichtige Lücke.

Christian Oberthür (Linke) - Foto: Simon Tschannerl

Alfred Stuiber (FDP) ist der Ansicht, dass man mit der Natur arbeiten muss : „Dann ist es ganz einfach. Es würde viel bringen, wenn man weniger gegängelt wird. Es gibt einfach zu viele Vorschriften. Wer schon einmal mit der Unteren Naturschutzbehörde zu tun gehabt hat, der weiß das.“

Der Naturschutz und sein Stellenwert

Und welchen Stellenwert hat der Naturschutz für die Kandidaten?

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Christian Schindler (FW) verknüpft den Naturschutz mit einer umweltverträglichen Energiewende: „Viele Betroffene wollen die Windkraft nicht, wir brauchen die aber. Und wir brauchen Photovoltaik, wo immer sie hinpasst.“ Er verweist auf den Carport auf dem Parkplatz des Landratsamtes Regensburg. Er deckt mit seiner Photovoltaik 17 Prozent des dortigen Strombedarfs. Mehr Steueranreize sind dem Kandidaten der Freien Wähler wichtig.

Michael Multerer (CSU) ist anderer Ansicht: „Der Landkreis hat bereits für drei Millionen Euro Photovoltaik auf die Dächer des Landkreises gebracht.“ Es wird insgesamt zu viel Fläche verbraucht, sagt der CSUler und deswegen ist ihm Nachverdichtung wichtig. „Aber auch Naturschutz braucht Fläche.“ Auf einem Hektar Land könne man zwei Windräder unterbringen, Flächenphotovoltaik verbrauche für die gleiche Leistung ein Vielfaches an Land.

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Christian Oberthür (Linke) verweist auf Umweltschutz-Erfolge: „In Roding haben sich viele Bürger engagiert, damit nicht noch mehr Wald für Gewerbe abgeholzt wird. Man muss da wirklich hinterfragen, wie viel Fläche tatsächlich gebraucht wird. Wir brauchen Natur, wenn wir überleben wollen.“

Sascha Kretz von den Grünen fordert: „Man muss Flächen zu Biotopen aufwerten. Dazu gibt es genug Regelwerk. Es muss nur gemacht und vernünftig kontrolliert werden.“ Grundsätzlich gilt für ihn: Vermeidung von Flächenverbrauch ist besser.

Steve Brachwitz (SPD) findet: „Windkraft und Photovoltaik sind gelebter Naturschutz. Leerstandsnutzung und Nachverdichtung auch. Je schlechter der ÖPNV, desto mehr Autos, desto mehr Verdichtung durch Parkplätze. Die Themen sind bekannt, sie müssen nur konsequent umgesetzt werden.“

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Kommentar

Von Johannes Schiedermeier

Glücklich der Landkreis...

Glücklich der Landkreis, der sechs solche Kandidaten in dieser Qualität seinen Bürgern zur Wahl stellen kann. So muss Kommunalpolitik sein. Mit offenem Visier, aber fair und aufgeschlossen gegenüber anderen Ansichten. Im Vergleich zu manchen Beiträgen im Netz mag sich das für manche vielleicht anhören, als sei das weniger unterhaltsam.

Der Abend in der Rodinger Stadthalle hat bewiesen, dass das nicht wahr ist. Im Gegenteil. Er war nicht nur unterhaltsam. Er hat auch gezeigt, dass man in zwei Stunden rund 400 Bürgern seine Standpunkte geradlinig nahebringen kann, ohne dabei irgendjemandem zu nahe zu treten. Man hat überhaupt das Gefühl, dass sich dieser Landkreis nicht vom bundes- und landespolitischen Gezänke aus der Ruhe bringen lässt. Der Wahlkampf in den Gemeinden und im Kreis verläuft wohltuend unaufgeregt und ist geprägt vom Respekt gegenüber anderen politischen Ansätzen.

Die AfD hat ihre Teilnahme an Podiumsdiskussion und anderen Debatten abgesagt. Die schrille Kandidatin der in Teilen rechtsextremen Partei reiht sich mit ihrer Begründung in das inzwischen gewohnte Gejammer aus der AfD-Akademimimi von der ständigen Schlechtbehandlung ein.

Die sechs Mitbewerber haben gezeigt, wie es auch geht. Und so ist dieser Abend zu einer Werbung für Politik nahe am Menschen geworden. Und – was noch wichtiger ist – er hat eine wichtige Begründung dafür gegeben, zur Wahl zu gehen: Es ist für jeden einer dabei.