Witz und Haltung: Chamer Landratskandidaten zeigen sich bei MZ-Podiumsdiskussion geeint

Es geht zur Sache – aber im besten Sinne des Wortes. Zwei Stunden lang zeigen sich sechs Kandidaten um das Amt des Chamer Landrates in der Rodinger Stadthalle von ihrer besten Seite. Schließlich geht es um etwas. Moderiert von der Redaktionsleitung des Bayerwald-Echos (Anna Maria Ascherl und Martin Hennings ) und schön erklärt von einem, der es wissen muss. Landrat Franz Löffler stößt vor Beginn zur Kandidatenrunde und macht es kurz: „Ich möchte Ihnen nur sagen: Das ist ein sehr schönes Amt.“
Falls es dem Landrat etwas seltsam vorkommt, in der ersten Reihe zu sitzen, während andere die demokratische Säge an seinen Stuhl legen, dann lässt er sich das nicht anmerken. Auf die Frage, wie er sich jetzt so fühle, angesichts eines halben Dutzends Kronprinzen im Scheinwerferlicht, sagt er grinsend und kurz angebunden: „Gut, danke!“
Die Themen sind heiß, die Stimmung ist freundlich
Rund 400 Gäste sind gekommen. Manche sitzen schon seit einer Stunde im Saal und haben sich die besten Plätze gesichert. Sie erleben, wie sich die Kandidaten Michael Multerer (CSU), Christian Schindler (FW), Sascha Kretz (Grüne), Steve Brachwitz (SPD), Alfred Stuiber (FDP) und Christian Oberthür (Linke) auch an heiße Themen wie Windkraft wagen. Hier sind sich erstmals alle in der Sache einig: Der Landkreis braucht die Windkraft. Es folgt aber eine interessante Debatte über die Umstände, unter denen das passieren soll. Die Stimmung ist von Beginn an freundlich. Die Kandidaten können miteinander und zeigen keinerlei Berührungsängste. Das spiegelt sich auch in den Antworten wider. Wenn es Kritik gibt, dann nicht an den Mitbewerbern, sondern tatsächlich an den Umständen.
Das zeigt sich zum Beispiel bei den Themen Wohnungsnot und Gastronomie. Es gibt teils harsche Kritik an überzogenen Vorgaben, die eine Übernahme von Gaststätten durch die Nachfolger verhindern und dem preiswerten Bau von Wohnungen entgegensteht.
Die Lacher des Abends und Einigkeit gegenüber der AfD
Dazwischen gibt es auch Zeit für Humor. Die Lacher des Abends liefern Michael Multerer (CSU) und Alfred Stuiber (FDP) und Sascha Kretz (Grüne). Multerer stutzt kurz bei der Frage, ob der Landrat ein E-Auto fahren sollte. Er schaut auf seinen Landrat in der ersten Reihe, der einen eindeutigen Nicht-E-BMW fährt, und hält die rote Karte hoch: Nein – als Einziger. Das Publikum hat’s gemerkt und investiert einen Lacher.

Dass der FDPler Stuiber die Lacher auf seiner Seite hat, ist für Kenner der Szene nichts Neues. Auch an diesem Abend legt er vor: Die Frage nach seinen Birkenstock-Sandalen kontert er mit einer Hochrechnung: Er spart sich zwei Wochen Lebenszeit dadurch, dass er keine Schuhe auf- und zubinden muss. Einen Lacher erntet auch Sascha Kretz (Grüne), der auf die Frage nach seinen Chancen bei der Wahl – als Einziger – die Höchstnote Zehn hochhält. Begründung: „Ich war auf einem Rhetorik-Seminar mit dem Titel ,Mut zur Arroganz‘“
Ich möchte Ihnen nur sagen: Das ist ein sehr schönes Amt.Landrat Franz Löffler im Kreise seiner Nachfolge-Kandidaten vor der Podiumsdiskussion
Ansonsten ist viel Fairness zu beobachten. Man applaudiert sich für manche Antworten gegenseitig auf dem Podium. Auch das Publikum, das sich bei näherem Hinsehen an manchen Tischen ganz offen den Kandidaten zuordnet, klatscht auch mal für andere.
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Deutlich wird Einigkeit aber ganz besonders in einem Punkt: In sechs deutlichen Statements lehnen die Kandidaten eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Die habe in sechs Jahren Kreistag nichts gearbeitet. Und in der ersten Reihe sitzt Landrat Franz Löffler und applaudiert jedem einzelnen der sechs Statements.
Vervollständigen Sie den Satz...
■ Christian Oberthür (Linke): Links sein im Bayerwald ist... einfach ein wenig vielfältig, jung und frisch zu sein, das Soziale im Blick zu behalten, damit sich jeder im Ladkreis wohlfühlen kann.
■ Sascha Kretz (Grüne): Typisch IT-ler an mir ist... alles.
■ Alfred Stuiber (FDP): Ich trage gerne Birkenstock, weil... ich es mir mal ausgerechnet habe: Ich spare zwei Wochen Lebenszeit durch das An- und Ausziehen von Schuhen.
■ Steve Brachwitz (SPD): Der Unterschied zwischen Politik und Wettkampfschwimmen ist..., dass man in der Politik einen deutlich längeren Atem braucht.
■ Michael Multerer (CSU): Als nächste europäische Hauptstadt bereise ich... wenn ich wieder Zeit habe (Nikosia).
■ Christian Schindler (FW): Um Dänemark im Handball zu schlagen, muss Deutschland beim nächsten Mal... ein bisserl mehr trainieren.
Eine weitere Berichterstattung zu den einzelnen Themenblöcken folgt in den kommenden Tagen.