Mythos um den Laubhaufen: Brauchen Igel und Vögel im Winter Unterstützung? – Chamer Experte klärt auf

Von Sabrina Kauer · 15. Oktober 2024 um 05:00

Wenn die kalte Jahreszeit anbricht, wollen viele Menschen den Tieren draußen etwas Gutes tun. Maiskolben und Laubhaufen sollen Vögeln und Igeln dabei helfen, den Winter gut zu überstehen. Doch braucht es das überhaupt? Und gibt es einige Dinge, die dabei beachtet werden müssen? Ein Chamer Experte klärt auf.

Die heimischen Vögel kommen mit dem Winter gut zurecht, weiß Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) Cham. Typische Gartenvögel, zum Beispiel Blau-, Kohl- oder Tannenmeise, Buch-, Grün- oder Bergfink, Feld- und Haussperling, Erlenzeisig, die Amsel sowie der Buntspecht, „sind darauf geeicht, zu überleben“, sagt Schmidberger.

Füttern macht den Leuten Freude

Dennoch habe das Füttern der gefiederten Tiere einen anderen, für Schmidberger sehr wichtigen Aspekt: „Die Leute tun das, weil sie unglaublich viel Freude daran haben. Es macht ihnen Freude, die heimischen Vögel zu beobachten und kennenzulernen“, sagt er.

Natürlich werde das Leben für die kleinen Flieger leichter, wenn der Menschen sie mit Futter versorgt – mehr Energie für weniger Aufwand. Denn die Energie, die sie tagsüber zu sich nehmen, wird in den langen Winternächten gleich wieder verbraucht, sagt Schmidberger.

Doch würden eben nicht nur die Vögel davon profitieren, sondern auch unsereiner. „Ich hoffe immer, dass die Leute die Tiere ins Herz schließen“, sagt Schmidberger. Dann gehe man wiederum respektvoll mit der Natur um – Jackpot für Umweltschützer.

Dennoch sollten Gartenbesitzer und Vogelfreunde einiges beachten: Eine Futterstelle ist ein Treffpunkt, wo viele Piepmatze zusammenkommen. „Wenn zum Beispiel eine Futterschale nicht regelmäßig gereinigt wird, wird sie zur Krankheitsschleuder“, sagt Schmidberger. Grund sei der Kot, den die Vögel an ihren Treffpunkten verteilen. Wie der LBV-Geschäftsstellenleiter sagt, würden die Leute die Futterstellen oft nicht warten und die gefiederten Tiere regelrecht in eine Bakterienfalle mit Salmonellen und mehr reinfliegen lassen. Er empfiehlt daher sogenannte Silofutterstellen beziehungsweise Futterspender, bei denen die Piepmatze nicht über die Körner laufen können und nur durch Schnabelpicken an ihre Stärkung rankommen.

Zudem sollten die Vogelfütterer darauf achten, qualitativ hochwertiges Futter zu verwenden. Dabei sei unter anderem das Herstellungsland entscheidend. Beim Futter-Kauf werfe man deshalb besser einen Blick darauf, woher es kommt. Beispielsweise seien Samen und Körner, die aus Rumänien stammen, gespritzt.

Bio-Produkte seien daher besser, damit keine Gifte in die Natur gelangen. „Das ist gut für die heimischen Arten und Pflanzen“, sagt Schmidberger. Außerdem verursache die lange Lieferkette vom Ausland bis zu uns einen großen ökologischen Fußabdruck.

Jedes Jahr aufs neue gebe es Fälle von Vögeln, die sich in den grünen oder gelben Plastiksäckchen der Meisenknödel verheddern. Um dies zu vermeiden, empfiehlt Schmidberger Knödel in Metallkästchen, die es unter anderem im LBV-Zentrum in Nößwartling zu kaufen gibt. Die Futterstellen sollen an übersichtlichen Plätzen platziert werden, damit Vögel Bedrohungen wie sich anschleichende Katzen schnell erkennen können.

Ein Mythos, der rund um die Igel-Hilfe herrscht, sind Laubhaufen, die man für die kleinen Vierbeiner zusammenrechen soll, damit sie sich darunter verkriechen können. Wie Schmidberger sagt, sollen herabgefallene Blätter auf dem Boden liegen bleiben, weil sich darunter Regenwürmer, Spinnen und Co. sammeln, die der Igel gerne frisst.

Kein Igel-Winterquartier

„Ein Laubhaufen wird warm und fault, das ist kein Igel-Winterquartier“, sagt Schmidberger. Besser sei es, eine Stein-Höhle zu bauen. Am besten so, dass das „Schlafzimmer“ des Igels nicht direkt bei der Öffnung liegt, wo es zieht. Die Höhle solle man mit trockenem Laub oder Rindenmulch abdecken. „Das hat einen isolierenden Faktor“, weiß der Experte. Dabei müsse aber unbedingt auf Luftlöcher geachtet werden. „Der Dampf muss abziehen können“, so Schmidberger.

In der Regel können Igel aber ganz ohne Hilfe des Menschen überwintern. Dafür verkriechen sich die Tierchen beispielsweise unter einer Veranda oder einem Holzstoß und bauen sich Nester aus trockenem Laub und Gräsern.

Warme Futterstelle für kleine Igel

Wenn man das Gefühl habe, dass es ein kleiner Igel nicht durch den Winter schaffen könnte, empfiehlt Schmidberger, ihm eine kleine warme Futterstelle in Form eines Kartons und einer kleinen Öffnung zu bauen. Geeignet sei dafür hochwertiges Katzenfutter mit einem hohen Fleischanteil, denn „der Igel ist ein Fleischfresser“, sagt Schmidberger, der darauf hinweist, dass das Füttern von Wildtieren im Allgemeinen nicht davor schützt, dass einige Arten trotzdem bedroht sind. Mit Futterstellen könne und solle man die Tiere lediglich unterstützen.

Solche Futterspender helfen dabei, dass die Vögel keinen Kot auf den Körnern und Samen hinterlassen. Symbolbild: Annette Riedl/dpa
Unter herabgefallenen Blättern sammeln sich Regenwürmer und Co., die der Igel gerne frisst. Foto: Sabrina Kauer