Vom alpinen Fels in Chamer Gärten: Vogelexperte gibt Tipps zum Schutz des Hausrotschwanzes

Über 140 000 Menschen haben deutschlandweit an der Online-Abstimmung zum Vogel des Jahres 2025 teilgenommen. Die Wahl wird seit 1971 vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) veranstaltet. Markus Schmidberger ist seit 35 Jahren Mitglied des LBV und mittlerweile Geschäftsführer der Ortsgruppe Cham. Der 55-Jährige erzählt, wie man den Vogel schützen kann, für wen er gestimmt hat und wo man den Sieger im Landkreis Cham findet.
Herr Schmidberger, bis Donnerstagmorgen lief die Wahl zum Vogel des Jahres 2025. Haben Sie selbst abgestimmt?
Schmidberger: Ja. Ich habe die Waldohreule gewählt. Die ist auf Platz zwei geraten.
Sind Sie enttäuscht?
Schmidberger: Ich finde den Hausrotschwanz auch nicht schlecht. Er hat den Vorteil – deswegen werden ihn wahrscheinlich auch so viele Menschen gewählt haben, dass er bei uns im Garten vorkommt. Das Tier kennen viele Menschen. Bei uns im Landkreis Cham meistens als Rotschwanzerl. Ich bin mir sicher, dass jeder zweite den Begriff Rotschwanzerl schon einmal gehört hat.
Die Hausrotschwänze brüten, wie der Name erahnen lässt, am Haus. Meist auf großen Holzbalken an der Hauswand. Das war nicht immer so.
Schmidberger: Der Vogel heißt zwar Hausrotschwanz, aber sein natürlicher Lebensraum ist eigentlich der alpine Fels. Dieser Felsbrüter hat den Sprung geschafft vom natürlichen Lebensraum in den Kulturraum. Er betrachtet die Häuser, in denen wir wohnen als Felsen, auf denen er sicher brüten kann.
Es gibt circa eine Million Hausrotschwänzpärchen in Deutschland. Was halten Sie davon, dass ausgerechnet dieser nicht gefährdete Vogel durch die Wahl mehr Aufmerksamkeit bekommt?
Schmidberger: Ich bin jetzt nicht unbedingt der Fan, der eine hoch bedrohte Art als Vogel des Jahres braucht. Ich bin Fan von dem Vogel, mit dem man gut an die Menschen rankommt. Denn im Naturschutz muss man vor allem mit Menschen arbeiten. Denn der Mensch ist zuständig für die Lebensräume da draußen.
Wie kann man seinen Garten besonders Rotschwanzfreundlich gestalten?
Schmidberger: Rotschwanzfreundlich ist, wenn er von seinem Nest herunterfliegt und unmittelbar Insekten findet. Je mehr Blütenreichtum und je mehr einheimische Sträucher oder Obstbäume man im Garten hat, desto höher wird der Insektenanteil. Dann ist der Hausrotschwanz begeistert.
