Anwohner kämpfen seit 30 Jahren für Tempo 30 in Straße im Regensburger Norden

Von Rainer Wendl · 8. Februar 2026 um 19:00

Geschwindigkeitsregulierungen sind immer ein heißes Eisen. Wohl nirgendwo sonst zieht sich das Thema aber länger hin als in der südlichen Sandgasse, Zufahrt zur Konradsiedlung im Regensburger Norden.

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Neun Anwohner der südlichen Sandgasse haben sich am Donnerstag zur Feierabendzeit zum Ortstermin an der Kreuzung Brandlberger Straße versammelt. Es ist kalt. Normal im Februar. Vor allem aber ist es laut – und genau diesen lästigen Teil der Normalität wollen die anwesenden Bürger endlich beseitigt wissen. Sie kämpfen für die Einführung von Tempo 30 in dem 500 Meter langen Streckenabschnitt bis zur Kreuzung Aussiger Straße. Seit mehr als 30 Jahren tun sie das schon.

Von Anfang an dabei: Gerlinde Hirtreiter. Sie selbst wohnt zwar im ruhigen Teil der Sandgasse, dem nördlichen mit Tempo 30. Doch sie sehnt sich danach, dass diese Geschwindigkeitsregelung wieder für die gesamte Straße gilt.

Unverständnis: Warum geht’s in der Lappersdorfer Straße?

Von 1991 bis 1994 war das schon einmal so. Um jedoch nicht die Rückzahlung von Fördergeldern für den Ausbau der Straße zu riskieren, ließ die Stadt im südlichen Abschnitt wieder 50 km/h zu. Vorübergehend, wurde den Anwohnern damals von der Politik versprochen. Der provisorische Zustand hält allerdings bis heute an. Erst im vergangenen Sommer startete Hirtreiter einen erneuten Vorstoß und schrieb der Oberbürgermeisterin.

Antwort: Weil die südliche Sandgasse weder beim Lärm noch im Hinblick auf die Unfallzahlen ein Brennpunkt sei, gebe es keine straßenverkehrsrechtlichen Möglichkeiten zur Einführung von Tempo 30. Daran habe sich auch ein halbes Jahr später nichts geändert, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Hirtreiter und ihre Mitstreiter wollen es trotzdem nicht schlucken.

Unter anderem verweisen sie auf ihrer Meinung nach vergleichbare Bereiche wie die Lappersdorfer Straße oder die Obertraublinger Straße in Burgweinting, wo sehr wohl Tempo 30 gilt. „Und von der Weißenburgstraße reden wir erst gar nicht“, erwähnen sie beim Ortstermin das wohl umstrittenste Geschwindigkeitslimit Regensburgs. Die Stadt lässt dazu wissen: „Es ist grundsätzlich immer schwierig, andere Straßen zum Vergleich heranzuziehen, da sich eine straßenverkehrsrechtliche Anordnung immer auf die besondere örtliche Situation bezieht und diese an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Entscheidungen führen kann.“

In Sachen Unfallgefahr sehen die Anwohner die örtliche Situation durchaus kritisch. „Erst im letzten Sommer hat es genau hier an der Kreuzung einen Zusammenstoß von zwei Autos gegeben“, erinnert sich beispielsweise Kreet Loigom. Wegen der hohen Geschwindigkeit sei der Aufprall so heftig gewesen, dass eines der Fahrzeuge auf Radweg und Bürgersteig geschleudert worden sei. „Zum Glück waren da gerade keine Personen, sonst wäre das furchtbar ausgegangen.“

Ich in seit 65 Jahren Siedler, daher weiß ich: In den Straßen, wo die Stadträte wohnen, ist überall Tempo 30.Johann Stuber, Bewohner der Konradsiedlung

Was den Lärm betrifft, verweist Gerlinde Hirtreiter auf Daten aus dem Umweltatlas Bayern. Hier ist die südliche Sandgasse bisweilen dunkelrot markiert, was auf Werte bis 70 Dezibel hinweist. „Dass die Straße nicht im städtischen Lärmaktionsplan enthalten ist, kann ich nicht verstehen“, sagt sie deshalb und moniert gleich noch das hohe Aufkommen von auswärtigen Autofahrern auf diesem „Schleichweg“ sowie den trotz Durchfahrtsverbot munter rollenden Lkw-Verkehr in der südlichen Sandgasse: „Weil's keiner kontrolliert“, echauffiert sie sich.

Die örtliche Politik wollen die Anwohner seit eh und je für ihr Anliegen gewinnen. Sechs Stadträte, verteilt auf die großen vier Fraktionen, wohnen in der Konradsiedlung und damit in der Nähe der Problemzone. „Aber wenn ich bei Versammlungen die Sandgasse zur Sprache bringe, würgen die das immer sehr schnell ab“, wundert sich Herbert Schmid, Vorsitzender der Siedlervereinigung. Johann Stuber lästert deshalb: „Ich bin seit 65 Jahren Siedler, daher weiß ich: In den Straßen, wo die Stadträte wohnen, ist überall Tempo 30.“

Doch so einfach ist es nicht. Die grüne OB-Kandidatin Helene Sigloch legt als Stadträtin aus der Konradsiedlung Wert darauf, das Anliegen voll zu unterstützen und in dieser Sache auch mehrfach Kontakt mit den Sandgasslern gehabt zu haben. Doch bei Anträgen zur Einführung von Tempo 30 würde die Verwaltung stets mit einer Unvereinbarkeit mit der Straßenverkehrsordnung argumentieren. Allein im zweiten Halbjahr 2025 seien die Grünen deshalb zweimal mit solchen Anträgen gescheitert.

„Wir kommen hier nicht weiter ohne eine Oberbürgermeisterin, die das Thema aktiv vorantreibt“, schlussfolgert Sigloch und plädiert für einen Termin mit Rechtsamt und Ordnungsamt zusammen.

Neues Stadtoberhaupt wird zeitnah kontaktiert werden

Denn ein gemeinsames Rechtsverständnis sei nötig, um bei Tempo 30 in Regensburg grundsätzlich Fortschritte zu erzielen. „Dann unternehme ich auch sehr gern einen neuen Vorstoß in Sachen Sandgasse“, verspricht sie.

Bei Gerlinde Hirtreiter stehen die Türen dafür offen. „Bis jetzt hat sich nur die ÖDP bei mir gemeldet. Herr Suttner war sogar bei mir zu Hause, war sehr erfreulich“, sagt sie. Klar, Suttner ist Verfechter von Tempo 30 als Richtgeschwindigkeit im gesamten Stadtgebiet. Aber egal, wer am 2. Mai neu auf dem Chefsessel im OB-Büro im Alten Rathaus Platz nehmen wird: Die Sandgassler werden zeitnah anklopfen.