Regensburger OB-Kandidatin der Grünen: Helene Sigloch rechnet sich gute Chancen aus

Von Dagmar Unrecht · 3. Februar 2026 um 09:00

Die promovierte Mathematikerin Helene Sigloch will für die Grünen Rathauschefin von Regensburg werden. Der gebürtigen Schwäbin liegen vor allem die Themen Verkehr, Wohnen und Klima am Herzen. Privat mag es die 42-Jährige auch rasant.

Video ansehen

Sie will nach oben: Dr. Helene Sigloch, Oberbürgermeister-Kandidatin der Grünen, kennt keine Höhenangst. Sie klettert gern auf Felsen, steigt auf Kirchtürme oder fährt auf der Dult mit dem XXL-Racer. „Die hohen Fahrgeschäfte mag ich am liebsten.“ Die nächsten Wochen geht es allerdings darum, im Wahlkampf Boden gut zu machen. „Ich muss noch bekannter werden“, räumt die 42-Jährige ein.

Als Oberbürgermeisterin wäre Sigloch Chefin der Verwaltung. Eine „erhabene Position“ sei das, eine „Mischung aus großer Verantwortung und Repräsentation“, davor habe sie Respekt. Seit 2017 ist Sigloch bei den Grünen. Als Nachrückerin kam sie 2024 in den Stadtrat. Berufspolitikerin zu werden, war lange nicht in ihrem Fokus.

Zahlen und Logik machen ihr Spaß

Sie ist in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Nach dem Abi absolviert sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Behinderteneinrichtung. „Ich wollte arbeiten.“ Ihr Studienwunschfach Mathematik steht da schon fest. Im Anschluss geht sie zum Studium nach Freiburg im Breisgau, wo sie ihren Mann, einen Molekularmediziner, kennenlernt. Sie mag ihr Fach und findet es spannend, „wie Zahlen funktionieren“. Auch Logik ist ihr Ding. 36 ist ihre Lieblingszahl: „Das ist eine Quadratzahl und ich mag Vielfache von zwölf. Die haben eine schöne Symmetrie.“ Besonders gut merken könne sie sich Zahlen aber nicht.

Das erste Kind kommt noch vor Ende des Studiums, zwei weitere folgen während ihrer Promotion. Auch Siglochs Mann promoviert parallel – keine einfache Zeit für die junge Familie. Dann bekommt Sigloch eine Postdocstelle an der Regensburger Uni und zieht 2016 mit ihrem Mann und den Kindern hierher, „ein Einschnitt“ sei das gewesen, erinnert sie sich. Nach drei Jahren entscheidet sich Sigloch gegen eine wissenschaftliche Laufbahn, die ihr „auf Dauer zu abstrakt“ ist. Heute arbeitet sie als IT-Sicherheitsexpertin für smarte Haushaltsgeräte im Gewerbepark bei einer Firma, die zum Bosch-Konzern gehört. Sie kümmert sich darum, dass Geräte, die über eine App gesteuert werden, nicht zum Einfallstor für Cyberkriminalität werden. „Staubsauger-Roboter können zum Beispiel viel ausspionieren.“ Seit Januar nimmt sie sich wegen des Wahlkampf-Endspurts eine Auszeit. Die Diskussionen an Infoständen und Haustüren gefallen ihr. „Politik macht man mit Menschen.“

Mehr Wohnungen und schnellere Busse

Die Themen Verkehr, Wohnen und Klima liegen ihr besonders am Herzen. Schnell anpacken würde sie als OB die weitere Bebauung der Prinz-Leopold-Kaserne. „Da braucht es Klarheit, damit gemeinwohlorientierte Baugenossenschaften planen können.“ Auch der Holzgartensteg als wichtige Radverbindung müsse gebaut und der Nahverkehr nach dem Aus der Stadtbahn verbessert werden – durch ein Busbeschleunigungssystem. Darüber hinaus brauche es mehr Grün und Wasser in der Altstadt und PV-Anlagen auf den Dächern.

Sigloch stört sich daran, dass es in Regensburg „viele gute Ideen“ gebe, diese aber nicht zu Ende gebracht würden. „Entscheidungen treffen und Prioritäten schaffen, das fehlt.“ Ihr sei klar, dass das Amt der Oberbürgermeisterin schwierig sei, „das schüttle ich nicht aus dem Ärmel“. Aber sie könne gut Probleme lösen und schnell reagieren. „Ich kann Unübersichtliches auseinandersortieren.“ Von Berufs wegen sei sie es außerdem gewöhnt, viel zu kommunizieren. Im Gespräch wägt Sigloch ihre Worte ab. Sie formuliert präzise und sachlich, politische Provokationen sind nicht ihr Stil.

Sie freut sich schon aufs Anzapfen auf der Dult

In Regensburg fühlt sich Sigloch längst heimisch. Das Klischee von der „schwäbischen Hausfrau“ sei aber schon in ihr verwurzelt. „Geld gebe ich sehr bewusst aus.“ Sie habe keinen Hang zu Luxus, habe kein Auto und gehe wenig in Restaurants. Dafür leiste sie sich gute Lebensmittel und fair produzierte Kleidung. Mit ihrer Familie wohnt Sigloch zur Miete in einem Haus in der Konradsiedlung, zuvor war sie in Winzer. „Wir sind sehr gut aufgenommen worden.“ Sprachlich sei sie inzwischen eingewöhnt, auch wenn ihr manchmal statt „Brotzeit“ „Vesper“ herausrutsche. „Ich will mich auch nicht anbiedern.“

Entspannen kann Sigloch, die sportlich und schlank ist, bei Spaziergängen, beim Joggen, beim Lesen oder auch in geselliger Runde mit Gesellschaftsspielen. Davon hat sie mehrere Schränke voll. „Ich liege aber auch gern im Bett und hänge meinen Gedanken nach.“ Dafür ist im Moment wenig Zeit. Ihre Eltern seien stolz auf ihre Kandidatur, erzählt Sigloch. Kurz vor der Wahl kommen sie zur Unterstützung, auch Siglochs Brüder haben sich angekündigt. Sollte Sigloch neue OB werden, hätte sie im Mai ihren ersten Auftritt auf der Dult und dürfte nicht nur in die Höhe sausen, sondern auch Anzapfen. „Da wäre ich richtig stolz.“

Zur Person

• Wer? Dr. Helene Sigloch (42)

• Was? OB-Kandidatin der Grünen und IT-Sicherheitsexpertin für smarte Hausgeräte

• Wichtigstes Ziel nach der Wahl? Bezahlbaren Wohnraum schaffen

• Warum sollen wir Sie wählen? Weil ich Weitblick und Führungsstärke mitbringe. Das ist eine Kombination, die Regensburg jetzt braucht.

• Das Foto: Im Fürst-Anselm-Park habe ich schon viel Zeit mit Warten auf Züge verbracht. Ich möchte, dass man sich rund um den Bahnhof wohlfühlt.