OB-Kandidat der SPD: Thomas Burger will in Regensburg mit rotem Faden an die Rathaus-Spitze

In Regensburg geht für die SPD Thomas Burger als Oberbürgermeisterkandidat ins Rennen. Im Porträt verrät er, was ein Sportgelände mit der Zukunft der Stadt zu tun hat – und warum Zeitmanagement für ihn noch nie ein Problem war.
Wie viel Symbolkraft steckt hinter einer Tartanbahn? Für Dr. Thomas Burger eine ganze Menge – auch wenn die rote Laufbahn am Sportpark am Kaulbachweg an diesem Tag dick von Schnee bedeckt ist. Dass der OB-Kandidat als Treffpunkt das Trainingsgelände im Süden der Stadt vorgeschlagen hat, liegt nicht nur daran, dass es für ihn als Präsident der SG Post/Süd ein Heimspiel ist.
Für Burger steht das Trainingsgelände, auf dem auch der SSV Jahn angesiedelt ist, sinnbildlich dafür, wie Gemeinschaft im positiven Sinne funktioniert – wie Integration gelingt und wie bereichernd Vielfalt ist. Aktuell beschäftige man sich damit, wie es mit dem Sportgelände weitergeht, wenn der Erbpachtvertrag 2030 ausläuft. „Wir müssen hier eine Brücke zwischen Tradition und Zukunft schlagen“, sagt er. Das sei im Grunde auch das, was die ganze Stadt Regensburg beschäftige: Die traditionsreiche Vergangenheit bewahren und sich zugleich gut und modern für die Zukunft aufstellen.
Ein Physiker mit vielfältigen Interessen
Einen Bogen schlagen, Klammern ziehen: Das ist etwas, was Burger gut gelingt – und was vielleicht auch mit seinem beruflichen Hintergrund als Physiker zusammenhängt. Sich damit zu beschäftigen, wie die Welt funktioniert, und dabei nach Verbindungen, nach einem roten Faden zu suchen, das habe ihn schon immer fasziniert.
„Gleichzeitig war ich aber immer sehr interdisziplinär unterwegs“, sagt er. Deutlich wird das auch in den Bereichen, in denen er sich engagiert. Als gebürtiger Regensburger begann dieser Einsatz früh: als Ministrant, im Schützenverein und bei der Freiwilligen Feuerwehr Graß. Verantwortung im Ehrenamt zu übernehmen, ergab sich dann fast von selbst – als Oberministrant, als stellvertretender Kommandant bei der Feuerwehr, später als Vorsitzender. Kalkül sei da nie dahinter gewesen. „Es ergeben sich immer irgendwo Chancen und Gelegenheiten, mit anzupacken“, sagt er.
Aus Regensburg hat es Thomas Burger nie weggezogen
Schulzeit am Von-Müller-Gymnasium, Wehrdienst in der Nibelungenkaserne, Studium und Promotion an der Universität Regensburg: Aus der Domstadt weggezogen habe es ihn nie. „Regensburg war für mich nicht unbedingt gesetzt“, sagt er. „Aber ich habe eben relativ früh angefangen, mich hier zu engagieren.“
1991 trat Burger in die SPD ein. Seit 2017 fungiert er als weiterer Stellvertreter von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, seit 2020 ist er Vorsitzender der Fraktion. Nun will er in den Chefsessel. Es ist die Position, die im Rathaus am meisten gestalten kann, sagt er. Dazu gehört auch die Rolle als Behördenleiter einer Stadtverwaltung mit rund 4500 Beschäftigten. Gerade in der Verwaltung wolle er hinter Strukturen schauen und Prozesse optimieren. Als jemand, der gerne Führung übernimmt, aber auch als Teamplayer. „Ich bin ein Team-Mensch und ich rede gern mit den Leuten. Aber ich bin auch jemand, der letztlich die Richtung definiert und diese stringent verfolgen kann.“ Zu diskutieren, für seine Meinung einzustehen – und trotz aller Liebe zur Harmonie Konflikte nicht zu scheuen: Das habe er in seinem Elternhaus gelernt. „Später hat mir mein Vater gestanden, dass er in unseren Diskussionen manchmal bewusst die Gegenposition eingenommen hat, damit ich das Argumentieren lerne.“
Geprägt von großen Sozialdemokraten
Auch dass es sozial und gerecht zugehen müsse, seien Werte gewesen, die bei ihm zu Hause galten. Noch gut erinnert sich Burger außerdem daran, wie er mit gerade einmal zwölf Jahren vor dem Fernseher das Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt verfolgte. Obwohl er damals inhaltlich nicht alles verstanden habe, sind ihm die Emotionen dieser Szene in Erinnerung geblieben: die Arroganz Helmut Kohls, die Tränen der FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher beim Ende der sozialliberalen Koalition. „Dieses echte Bedauern, dass etwas Politisches zerbrochen ist, hat mich geprägt.“
Während ihn Auftritte von Sozialdemokraten wie Helmut Schmidt und Willy Brandt beeindruckten – „weil sie für etwas brannten“ –, führten ihn auch die Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf zur Politik. „Ich hatte einen Klassenkameraden, der mit seiner Mutter oft am Bauzaun stand und viel davon erzählte.“ Gerade Aufnahmen von der Eskalation mit Polizisten hätten bei ihm Eindruck hinterlassen. „Ich habe mir gedacht: Das ist doch nicht gerecht, das ist nicht sozial, wie es da zugeht.“
Töchter eröffnen neue Sichtweisen
Diskutieren, andere Meinungen hören: Das sei ihm auch im Umgang mit seinen drei Töchtern wichtig. Mit ihren 17, 20 und 23 Jahren eröffneten sie ihm andere Sichtweisen – etwa, wenn es um das Sicherheit empfinden an öffentlichen Orten gehe. „Was sich bei mir eingebrannt hat, ist die Aussage, dass man als Mann nicht wisse, wie man sich als Frau in manchen Situationen fühlt.“
Sich für wichtige Ereignisse im Leben seiner Kinder Zeit zu nehmen, habe für ihn schon immer ganz oben gestanden – trotz allen gesellschaftlichen und politischen Engagements. Daran, dass er auch als Oberbürgermeister alles unter einen Hut bringen werde, zweifelt Burger nicht. „Ich bin es schon seit Jahren gewohnt, ein progressives Zeitmanagement zu betreiben“, sagt er und lacht.
Braucht er von Ehrenämtern, politischer Funktion und Vollzeitjob in der Industrie doch einmal eine Verschnaufpause, gehe er gerne raus in den Wald – als „klassischer Fünf-Kilometer-Läufer“ oder zum Spaziergehen mit dem Hund seiner Kinder. „Das holt mich runter und ist für mich jedes Mal eine Atmosphäre, die mich entspannt.“
Info: Zur Person
• Wer? Thomas Burger (55)
• Was? OB-Kandidat der SPD und Manager im Bereich Elektromobilität
• Wichtigste Ziele nach der Wahl? Zentrale Themen in den Bereichen Wirtschaft, Wohnen, Mobilität und Sicherheit zur Chefsache machen sowie mehr ergebnisorientiertes Projektmanagement und Digitalisierung in der Verwaltung einführen.
• Warum sollen wir Sie wählen? Weil ich für die Verbindung von Wirtschaftskompetenz, sozialer Verantwortung und Leidenschaft stehe und mich mit ganzer Kraft für eine gute Zukunft meiner Heimatstadt Regensburg einsetze.
• Das Foto: entstand auf dem Trainingsgelände am Kaulbachweg, weil Sport Brücken bauen kann.