Heftige Debatte der OB-Kandidaten über die Kreativbranche in Regensburg

Von Heike Haala · 21. Januar 2026 um 19:00

Es war ein wilder Ritt durch Regensburgs Kreativbranche, den die Gäste am Dienstagabend im Degginger zu sehen bekamen: Die OB-Kandidaten sollten sich den Fragen von Moderator Christian Omonsky stellen. Bürgermeisterin und OB-Anwärterin Dr. Astrid Freudenstein (CSU) musste sich dabei einiges anhören.

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Während der Abend für sie kein Heimspiel war, sah das bei der Brücke anders aus. OB-Kandidat Thomas Thurow sei aus privaten Gründen verhindert, hatte Moderator Christian Omonsky zu Beginn des Abends erklärt. Stattdessen saß mit Brücke-Stadtrat Florian Rottke so jemand wie der Christiano Ronaldo der Regensburger Kreativbranche auf dem Podium. Gekommen waren auch Michael Schien (FW), Dr. Helene Sigloch (Grüne), Benedikt Suttner (ÖDP) und Dr. Thomas Burger (SPD).

Die Rolle der Kreativen, die Förderung der Branche, das geplante Kreativareal im Stadtlagerhaus und Kulturentwicklung – diese Themenblöcke hatte Omonsky gesetzt. Seine bis zu vier Fragen zu diesen Aspekten hatten die Teilnehmer auf dem Podium vorab zugeschickt bekommen. Nun sollten sie ihre Antworten in je 90 Sekunden pro Block geben. Zudem bekamen sie zweimal 30 Sekunden Redezeit für Einwände. Diese Rahmenbedingungen führten dazu, dass die Anzahl der gesprochenen Silben pro Sekunde auf dem Podium teilweise so weit nach oben ging, dass einige Redebeiträge ohne Probleme auch als Sprechgesang hätten durchgehen können.

Scharfer Gegenwind auf dem Podium für Freudenstein

Warum soll der Kaufhof nicht die Alternative für das Kreativareal sein, wenn das mit dem Stadtlagerhaus nix wird? Nachdem Freudenstein diese Frage in den Raum gestellt hatte, blies ihr scharfer Gegenwind ins Gesicht. Die Hallen am Auweg in ein Kreativareal zu verwandeln, das sei schön und gut, erklärte sie. Das Stadtlagerhaus ebenfalls zu so etwas zu entwickeln, wäre zwar ein Traum, aber auch eine Grundstücksfrage. Und so lange die Stadt in der Sache noch nicht beim Notar gewesen sei, brauche sie auch nicht zu planen. Immerhin laufe die Erbpacht aus und müsse für das Projekt erst verlängert werden, sagte Freudenstein noch. „Es ist kein Argument, zu sagen: ,Ich nehme dafür den Kaufhof, der mir auch nicht gehört‘“, konterte Burger. Die Gespräche zum Stadtlagerhaus aber könnten in seinen Augen zu einem Ende geführt werden. „Wenn man sie zu einem Ende führen will“, ergänzte er.

Darum geht es: Das Stadtlagerhaus im Regensburger HafenFoto: Stefan Effenhauser/Stadt Regensburg

Das sollte es aber noch nicht mit dem Widerspruch an Freudensteins Adresse gewesen sein: Als sie sagte, dass sie sich ein Konzerthaus für Regensburg wünsche, die freiwilligen Leistungen an die freie Szene aber nur dann ausbezahlt werden könnten, wenn der Haushalt dies hergebe, und sie diesbezüglich nichts versprechen, sondern nur hoffen könne, ergriff Suttner das Wort: Beim Konzerthaus werde Freudenstein konkret, bei den freiwilligen Leistungen aber habe sie Zweifel, warf er ihr vor. „Das muss man in Relation sehen“, wetterte Suttner. Die freiwilligen Leistungen würden den städtischen Haushalt im Vergleich zu einem Konzerthaus nur zu einem Bruchteil belasten.

Bei den freiwilligen Leistungen hört es sich dann aber auf einmal so an, als würden wir am Bettelstab gehenDr. Helene Sigloch, OB-Kandidatin der Grünen

Burger bezeichnete die freiwilligen Leistungen in der Folge als großen Hebel, mit dem man viel Gutes anrichten könne. „Wir dürfen die freiwilligen Leistungen aber nicht auszahlen, wenn unsere Pflichtausgaben nicht erfüllt sind“, widersprach nun Freudenstein. Da erwähnte Sigloch die Millionenausgaben für die Sallerner Regenbrücke. „Bei den freiwilligen Leistungen hört es sich dann aber auf einmal so an, als würden wir am Bettelstab gehen“, warf die Grünen-Kandidatin der Bürgermeisterin vor. „Das ist eine Nebelkerze“, kanzelte auch Burger die Argumentation der CSU-Kandidatin ab. Schließlich ging auch noch Rottke in die Offensive: Umso verwunderlicher sei es für ihn, dass sich die Bürgermeisterin nicht um den Haushalt gekümmert habe und dagegen abstimme. „Das stimmt nicht“, antwortete Freudenstein zuletzt.

Zwei Ideen: Eine Konzerthalle und ein Literaturhaus

Während des ersten Themenblocks hatten die Gäste auf dem Podium der Branche ihre Rolle als Problemlöser und Standortbooster unisono bestätigt. „Wenn wir die Studiengänge haben, brauchen wir auch Arbeitsplätze“, konnte Burger beim Thema Förderung punkten. Suttner forderte, bei städtischen Vergaben auch junge Startups zu berücksichtigen: „Damit die merken: Die Stadt will uns wirklich.“ Rottke sprach davon, Leerstände Kreativen zur Verfügung zu stellen. Sigloch fehle ein Konzertraum mittlerer Größe.

Hier soll das Kreativareal entstehenFoto: Stefan Effenhauser/Stadt Regensburg

„2027 anfangen, 2029 bauen, 2031 einziehen“, forderte Burger für das geplante Kreativareal im Stadtlagerhaus. „Was sollen wir sonst aus diesem wunderschönen Baukörper machen?“, fragte Rottke, dem auch ein Literaturhaus im Leeren Beutel vorschwebt. Das „berlineske“ und ihn an den Kunstpark Ost in München erinnernde Projekt im Stadtlagerhaus muss in den Augen von Schien zu einem Abschluss gebracht werden. Ob Literaturhaus oder Konzert-, Kunst- oder Popmusikhalle: Er forderte, dass die Bürger befragt werden, welche Kulturprojekte sie sich wünschen. Dann könne es eine Priorisierung geben.