Auf dem Weg zum Kreativareal in Regensburg: Die Zeit drängt

Wenn vom Kreativareal am Hafen die Rede ist, sind im Moment vor allem einige Hallen am Auweg gemeint. Hier sollen auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern Werkstätten, Ateliers, Büroeinheiten, Gastronomie sowie Veranstaltungs- und Besprechungsräume entstehen. Stimmt der Stadtrat diesen Plänen zu, könnten in zwei Jahren die ersten Mieter einziehen.
Zuletzt räumte die Stadt diesen Hallen am Auweg Priorität ein. Denn es stehen Fördergelder im Feuer. Laut einer Beschlussvorlage aus dem Sommer des vergangenen Jahres rechnet die Stadt mit einem Betrag von 1,5 Millionen Euro. Der werde aber nur dann fließen, wenn das Teilprojekt Ende 2026 abgeschlossen ist. Wie also steht es um die Pläne dafür? Im Juli soll der Stadtrat entscheiden, ob der Entwurf für die Flächen am Auweg umgesetzt wird, kündigt Katrin Butz von der städtischen Pressestelle an. Dann sollen ein Entwurf und eine Kostenberechnung dafür vorgelegt werden. Das Projektteam des Stadtwerks und die Kreativbehörde stehen laut Butz vor dem Abschluss der Pläne für diese erste Ausbaustufe. „Auch erste Gespräche mit potenziellen Mietinteressenten haben bereits stattgefunden“, sagt sie.

Weder zu den Plänen noch zu den Kosten erteilt Butz weitere Auskünfte. Im städtischen Investitionsprogramm für die Jahre von 2024 bis 2028 schlägt das Stadtlagerhaus mit Gesamtkosten von 9,74 Millionen Euro zu Buche. Alleine in diesem Jahr plant die Stadt demnach 480000 Euro auszugeben: Planungsmittel und Kosten für Abbruch und Ertüchtigung der umliegenden Hallen. Zudem steht in der Vorlage aus dem Sommer 2024, dass die Stadt damals davon ausging, 14,25 Millionen Euro investieren zu müssen. Weitere 250000 Euro hat eine bereits abgeschlossene Machbarkeitsstudie gekostet. Trotz der Fördergelder von 1,5 Millionen Euro könnte die Stadt für das erste Teilprojekt 2,2 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen, das Stadtwerk 0,8 Millionen Euro. Über den Inhalt der Pläne sagt Butz lediglich, dass die Teilnehmer eines Workshops Anfang Mai und potentielle Mieter den Entwurf schon zu sehen bekamen. Diese seien begeistert gewesen.
Wenn das nicht erfüllt ist, werden wir nicht zustimmen“,
Michael Lehner, Fraktionsvorsitzender der CSU
Ein wenig verhaltener zeigt sich da Michael Lehner, Fraktionsvorsitzender der CSU – der stärksten Fraktion im Stadtrat. Er wiederholt die Bedinungen, die seine Partei für die Unterstützung des Projektes stellt. Lehner verlangt einen angemessenen Pachtvertrag. Zudem müsse der Hafen die geplante Nutzung zulassen. Weiterhin will Lehner, dass sich der Freistaat an dem Projekt beteiligt. „Wenn das nicht erfüllt ist, werden wir nicht zustimmen“, kündigt er an. Ob die Themen, die Lehner mit diesen Bedingungen anspricht, Teil der Vorlage für den Stadtrat im Juli sein werden, wisse er allerdings nicht.

Auch Dr. Helene Sigloch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und OB-Kandidatin der Grünen, bringt die Bedeutung des Hafens ins Spiel. Wichtig sei eine gute Zusammenarbeit. „Nur so kann das Projekt am Ende gut funktionieren“, sagt sie. Sie spricht von großem Bedarf an Räumen für Kreativwirtschaft und Kultur, dem an diesem Ort entsprochen werden könne. Die Kreativbranche sei auch für die Regensburger Wirtschaft ein wichtiges Standbein, die zudem andere Branchen befruchte. Die Fläche biete zudem enorme Belebungsmöglichkeiten für das Stadtviertel.
Spannende Entscheidung im Stadtrat
Die Bedeutung der Kreativbranche für den Wirtschaftsstandort spricht auch Thomas Thurow, Fraktionsvorsitzender und OB-Kandidat der Brücke, an. Dieser Cluster brauche Kraft, um sich zu entwickeln. Zudem ist es in den Augen Thurows ein guter Weg, mit den Hallen am Auweg zu beginnen. Diese Hallen seien gleichsam die Quelle, bevor ins Stadtlagerhaus investiert werden soll. Das bestätigt Butz: „Das Stadtlagerhaus findet in der weiteren Planung als nächste Entwicklungsstufe bereits Berücksichtigung.“
Mir ist wichtig, dass wir zeitnah in die Umsetzung gehen, im Juli die entsprechenden Beschlüsse im Stadtrat fassen und das Stadtwerk mit unseren eigenen Gebäuden am Auweg im ersten Schritt beginnt“
Dr. Thomas Burger, Fraktiosnvorsitzender und OB-Kandidat der SPD
Das Areal am Auweg werde ausreichend Platz für Wachstum bieten, bis der zweite Teil des Hafenareals entwickelt und mit einem Steg verbunden sein wird, sagt auch Dr. Thomas Burger, Fraktionsvorsitzender und OB-Kandidat der SPD. „Mir ist wichtig, dass wir zeitnah in die Umsetzung gehen, im Juli die entsprechenden Beschlüsse im Stadtrat fassen und das Stadtwerk mit unseren eigenen Gebäuden am Auweg im ersten Schritt beginnt“, erklärt er. Er würde gern bereits Ende 2026 die ersten kreativen Köpfe als Mieter in den neuen Räumlichkeiten ihre Ideen umsetzen sehen.
Das Stadtlagerhaus
• Das Stadtlagerhaus in Regensburg ist laut Projekthomepage ein historisches Bauwerk aus dem Jahr 1910. Es diente bis Ende 2018 als Silospeicher.
• Das Gebiet, das für das Kreativareal vorgesehen ist, umfasst 17000 Quadratmeter. Dazu gehören neben dem Stadtlagerhaus ein Teil der westlichen Freifläche am Hafenkai entlang der Wiener Straße sowie zwei gegenüberliegende, südliche Grundstücke am Auweg.
Kerstin Radler, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, zeigt sich begeistert von den Plänen, die sie bereits gesehen hat. „Das ist fantastisch“, sagt sie. Deswegen stehen die Freien Wähler hinter dem Projekt. Benedikt Suttner, Fraktions-Chef der ÖDP, spricht an, dass die Verhandlungen mit dem Hafen nicht so leicht seien. Ihm ist es wichtig, dass die Kreativen schnell einziehen können. Diese Szene soll das Viertel beleben und dabei auch integrative Wirkung entfalten. Weiterhin fordert Suttner, dass es im Zuge des Projekts zu wichtigen Lückenschlüssen im Radwegenetz kommen soll. Trotz all dieses Zuspruchs könnte es bei dieser Entscheidung auf die Stimmen der kleinsten Fraktionen und Einzelstadträte ankommen, sollte die CSU ihre Zustimmung verweigern.