Die OB-Kandidatin von Volt in Regensburg ist eine leutselige Schnell-Lernerin

Erst seit wenigen Tagen steht fest, dass Volt an der Kommunalwahl in Regensburg teilnehmen kann. Die junge Partei hat eine eigene OB-Kandidatin – und die hat klare Ziele.
Ausgerechnet dieser Wahlkampf-Winter ist mal ein richtiger Winter mit Kälte, Eis und Schnee. Lisa Brenner und ihre Mitstreiter von Volt dürfen ihn besonders ausgiebig auskosten. Weil die noch junge Partei zum ersten Mal auf kommunaler Ebene in Regensburg antritt, brauchte sie zuerst 430 Unterstützer-Unterschriften. Um dafür zu werben, mussten Brenner und Co. schon etliche Wochen vor der Konkurrenz auf die Straße.
„Das war ziemlich anstrengend“, blickt die 36-Jährige zurück, sieht aber auch einen großen Vorteil in dieser mühseligen Qualifikationsrunde: „Wir haben mit extrem vielen Menschen gesprochen und dabei ein gutes Gefühl dafür bekommen, was die Regensburger wollen und wie sie fühlen.“
Für eine Stadtbahn in der „aufs Auto fixierten“ Stadt
Schwierige Situationen annehmen und das Beste draus machen – diese Maxime scheint sich wie ein roter Faden durch das Leben der gebürtigen Münsteranerin zu ziehen. Sie musste wegen Problemen in Mathe zweimal die Schule wechseln, wurde mit 23 Jahren und einem (damals noch) Studenten als Mann erstmals Mutter, eines ihrer drei Kinder leidet an Autismus: Das waren und sind Herausforderungen, die in ihr den Ehrgeiz für das Finden der bestmöglichen Lösung wecken. „Wenn ich mir ein Ziel setze, mache ich das auch gut. Das ist mein Anspruch, ich bin ein fleißiger Mensch.“
Mit diesem Selbstbewusstsein geht die als Heilerziehungspflegerin an der Bischof-Wittmann-Schule tätige Pädagogin auch an das Thema Politik ran. Die Angst vor einem Rechtsruck hat sie während der Corona-Zeit dazu bewogen, sich zu engagieren. Auf Volt fiel ihre Wahl aus zwei Gründen: Sie ist von der Volt-Europaabgeordneten Nela Riehl begeistert und schwört auf den paneuropäischen Ansatz der Partei. „In einer Zeit, in der wir gefühlt immer mehr Spaltung erleben, halte ich es für besonders wichtig, grenzübergreifend zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen, um die besten Ideen aus unterschiedlichen Ländern zu bündeln.“
Wenn ich mir ein Ziel setze, mache ich das auch gut. Das ist mein Anspruch, ich bin ein fleißiger Mensch.Lisa Brenner, OB-Kandidatin von Volt
Eine sehr gute Idee für Regensburg ist aus Lisa Brenners Sicht nach wie vor die Stadtbahn. „Wenn man die Verkehrswende forcieren will, spricht eigentlich alles dafür.“ Daher will sie sich für ein Comeback des Themas stark machen, auch im Hinblick auf die angestrebte Klimaneutralität. Den Status quo in Sachen Verkehr findet sie hingegen unerträglich: „Wir sind Weltkulturerbe, aber trotzdem eine total aufs Auto fixierte Stadt.“
Weitere Schwerpunkte ihrer Politik sind die Bereiche Wohnen und Digitalisierung. „Das Wohnen in Regensburg ist einfach zu teuer geworden. Wir müssen daran arbeiten, dass das wieder anders wird. Und eine fortschreitende Digitalisierung brauchen wir schon allein deshalb, um die Verwaltung am Laufen zu halten. Das muss schneller gehen.“ Anschauungsmaterial dafür liefert ihr eine Parteifreundin: In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden ist mit Maral Koohestanian ein Volt-Mitglied als Dezernentin für „Smart City“ tätig. „Sie zeigt, was alles möglich ist“, sagt die OB-Kandidatin in der Überzeugung, dass sich viele kluge Ansätze auch für Regensburg übernehmen ließen.
Was Kommunalpolitik und Klavierspielen eint
Seit ihrem zehnten Lebensjahr ist Lisa Brenner hier zu Hause. „Ich liebe Regensburg und ich will auch nicht mehr weg von hier“, beschreibt sie ihr Verhältnis zu dieser Stadt, in der sie künftig „mit Weitblick, authentisch, sozial- und klimagerecht“ politisch mitwirken will. Um möglichst viele Stimmen zu gewinnen, wird sie mit ihrer winterlichen Werbetour auch in den kommenden Wochen weitermachen. „Es geht darum, in die Stadtteile zu gehen und mit möglichst vielen Menschen direkt ins Gespräch zu kommen. Das kann ich gut.“
Bei jeder dieser Begegnungen wächst auch die kommunalpolitische Expertise. Die diesbezügliche Kompetenz lässt sich in relativ kurzer Zeit aneignen, glaubt Lisa Brenner und zieht die Parallele zu einer anderen persönlichen Erfahrung: „Ich habe mit 30 mit dem Klavierspielen angefangen und sehr bald ein gutes Niveau erreicht. Das zeigt mir, dass ich sehr schnell lernen kann.“