Missstände in der Altstadt Regensburg: Industrie- und Handelskammer schlägt Alarm

Von Heike Haala · 23. Januar 2026 um 19:00

Welterbe, Aushängeschild, Regensburgs Epizentrum – für die Altstadt gibt es viele positiv besetzte Titel. Zuletzt aber ist hier nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Oberpfalz und Kelheim einiges in Schieflage geraten. Die Mitglieder im Gremium sprechen von mehreren Brennpunkten.

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Wo die sind, zeigten am Freitag Sandra Bachfischer, stellvertretende Vorsitzende des IHK-Handelsausschusses und Chefin im Teehaus Bachfischer, Kathrin Fuchshuber, Vorsitzende des IHK-Tourismusausschusses, CSU-Stadträtin und Chefin im Hotel Münchner Hof, Mario Mirbach, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Gremiums sowie Architekt und Geschäftsführer der Pure Gruppe, Josef Ebneth, IHK-Bereichsleiter für Verkehr, Handel und Stadtentwicklung, sowie Dr. Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums.

Drogendealerei auf dem IHK-Fensterbrett

Kammerer deutet auf die beiden neuen Tore an der IHK-Geschäftsstelle. Die seien angebracht worden, nachdem dort Menschen beobachtet wurden, die sich auf dem Fensterbrett vor dem Sitzungssaal weißes Pulver aufteilten. Im Bereich der Römermauer habe Kammerer zudem schon öfter Spritzen liegen sehen.

In der Maximilianstraße spricht Fuchshuber die Weihnachtsbeleuchtung an, die dort noch so lange hängen soll, bis die Straßenlaternen repariert sind. „Wir halten Menschen an, mit dem Zug zu kommen, dann kommen die hier rein und sehen Weihnachtsbeleuchtung, weil wir als Stadt die Beleuchtung nicht auf die Reihe bekommen. Hoffentlich ist das nicht bis Mitte März so“, sagt sie. Die Drogenproblematik vom Hauptbahnhof habe sich nur verlagert, moniert Mirbach – an diese Stelle der Innenstadt.

Dr. Martin Kammerer (v. l.), Kathrin Fuchshuber, Sandra Bachfischer und Josef Ebneth von der Industrie- und Handelskammer sorgen sich um die Altstadt. - Foto: Heike Haala

In der Schwarze-Bären-Straße beklagt Bachfischer die Zustände. Das Problem sei, dass sich hier immer mehr Menschen mit billigem Alkohol eindecken und ihn auf den Bänken konsumieren würden. Die Folgen seien Geschrei und Vermüllung bis hin zu Exkrementen. Sie halte das Karree vor ihrem Laden sauber. „Es ist nicht so, dass nichts getan wird, aber das Problem nimmt überhand“, sagt die Teehändlerin. Sie und Fuchshuber fragen sich, ob es etwas bringen würde, eine der Bänke abzubauen.

Rund um den ehemaligen Kaufhof gibt es mehrere Leerstände, in den Eingangsbereichen schlafen Obdachlose. Er bekomme immer wieder die Rückmeldung von Passanten, dass sie sich hier nicht wohlfühlen würden, erklärt Ebneth. „Wir sind hier in 1B-Lage und hier sind 24-Stunden-Läden“, wundert sich Fuchshuber.

Gehört das so? Steckdosen und Sicherungen unter einem hochgefahrenen Stück Pflaster. - Foto: Heike Haala

Ein paar Schritte weiter, auf dem Neupfarrplatz, deutet sie auf ein Stück hochgefahrenes Pflaster, unter dem Sicherungen und Steckdosen zum Vorschein kommen. Daneben steht ein orangefarbener Kasten. „Das regt mich jeden Tag auf“, sagt sie. Immer wieder verspreche ihr die Stadt, das Ensemble, dessen Optik Fuchshuber stört, verschwinden zu lassen, aber das Stück Pflaster lasse sich wohl nicht mehr einfahren.

Kaufleute klagen über weniger Kundschaft in Geschäften

Weitere Probleme in den Augen der IHK-Mitglieder sind Graffiti, Aufkleber oder fehlende Kurzzeitparkplätze vor Geschäften. „Es ist in den vergangenen Jahren viel zusammengekommen“, sagt Bachfischer. Das müsse sich nun wieder ändern, fordert Fuchshuber – alle seien hier gefordert. Denn eine Folge dieser Entwicklungen ist laut Ebneth, dass etwa das Weihnachtsgeschäft im vergangenem Jahr nicht so prickelnd ausgefallen sei. „Es kommen weniger Leute in die Altstadt. Die Kundenzahl im Weihnachtsgeschäft ging zurück und zwar deutlich“, bestätigt Bachfischer. Auch Fuchshuber sehe inzwischen seltener Menschen mit großen Einkaufstüten vom Einkaufsbummel in ihre Lobby zurückkehren.

Was die Verwaltung tut, um die von der IHK beschriebenen Missstände zu entschärfen, erklärt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt: Etwa arbeite sie mit der Polizei, Sozialarbeitern und weiteren Stellen zusammen, um die tatsächliche und subjektiv wahrgenommene Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Weiterhin bestreife der Kommunale Ordnungsservice (KOS) täglich eine große Anzahl von Örtlichkeiten im gesamten Stadtgebiet.

Rund um den ehemaligen Kaufhof in Regensburg gibt es etliche Leerstände. - Foto: Heike Haala

Abgesehen von dem ehemaligen Kaufhaus am Neupfarrplatz sei die Entwicklung der Leerstandssituation seit einigen Jahren stabil. Bei einigen leeren Ladeneinheiten gehe es allerdings aus unterschiedlichen Gründen nicht so schnell voran, wie es aus Sicht der Stadtverwaltung wünschenswert wäre. Die Wirtschaftsförderung sei hier aktiv und bringe Immobilieneigentümer mit Interessenten für Gewerbe zusammen.

Graffiti, für die das Einverständnis der Eigentümer nicht vorliegt, sollten grundsätzlich bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden, rät die Pressesprecherin. Sollte der KOS im Rahmen seines Streifendienstes eine solche Sachbeschädigung im öffentlichen Raum entdecken oder die Sprayer „in flagranti“ erwischen, wird die Polizei hinzugezogen.