Graffiti-Streit in Regensburg: Stadt stoppt Künstler-Projekt in der Altstadt

Wer durch die Regensburger Altstadt spaziert, entdeckt schnell Spuren von Sprühdosen an vielen Wänden. Einer Hausbesitzerin wurde das zu bunt: Sie beauftragte zwei Graffiti-Künstler, ihre Fassade künstlerisch zu gestalten. Doch das geplante Wandbild in der Gasse Hinter der Grieb sorgt nun für Diskussion, denn die Stadt legte die Arbeiten wegen denkmalrechtlicher Bedenken auf Eis.
Wie die Künstler berichten, entstand der Kontakt „als wir beide in Bad Abbach bei einem lokalen Graffiti-Event zusammen gemalt haben, da kamen die Eigentümer persönlich auf uns zu und meinten, sie suchen jemanden, der ihre Hausfassade gestalten könnte.“ Für ASCI und SKARO klang das nach einem „coolen Projekt“, und so beschlossen sie, gemeinsam an der Umsetzung zu arbeiten.
Die Motivation der Künstler war eng mit der besonderen Lage der Wand verbunden. „Das ist ja mitten in der Innenstadt und auch eine Gasse, in der jeden Tag viele Menschen durchgehen“, sagen sie. Da beide eine enge Verbindung zur Stadt haben, sei es ihnen „eine Ehre, eine so prominente Wand in der Stadt zu gestalten“. Auch die Größe der Fläche und die künstlerische Freiheit, die ihnen von den Eigentümern gewährt wurde, hätten zur Entscheidung beigetragen.
Deutlicher Bezug zur Stadt Regensburg integriert
Vor Beginn der Arbeit wurde die Fassade grundlegend vorbereitet. Sie haben „Putz ausgebessert und mit einer Grundierung gestrichen.“ Anschließend entwickelten die Künstler „in Absprache mit den Eigentümern einen digitalen Entwurf speziell für diese Wand, der in Farbgebung und Motiv zur Umgebung passt.“ Dabei wurde ein deutlicher Bezug zur Stadt Regensburg integriert – „verschiedene Gebäude Regensburgs, ein Schriftzug mit dem Straßennamen (Hinter der Grieb) und zwei Vögel als Character“. Auch farblich setzten sie auf Zurückhaltung: „Wir haben uns auf weniger knallige Farben geeinigt und eher Pastelltöne verwendet, sodass sich das Bild gut in die Umgebung einfügt.“
Mit dem Bild wollten wir auch unsere Liebe zur Stadt zum Ausdruck bringen und für die Regensburger einen Mehrwert schaffen, die täglich durch diese Gasse gehen.Asci & Skaro, Graffiti-Künstler
Doch das Projekt geriet ins Stocken, als die Stadtverwaltung einschritt. Das Haus steht unter Denkmalschutz, weshalb das Wandbild derzeit nicht genehmigt ist. Die Künstler reagierten überrascht: „Erstmal mit Unverständnis, da sich die Wand ja in einer engen Gasse befindet […] Außerdem befanden sich ja zuvor auch schon Graffitis an der Wand.“ Sie verweisen darauf, dass es in Regensburg bereits legale Wandgestaltungen an anderen Orten gebe, etwa die Unterführung beim Kolpinghaus. Ihr eigenes Motiv sei „mit starkem Regensburg-Bezug“ bewusst so gestaltet worden, dass es sich „gut in die Umgebung einpasst“.

Für Asci und Skaro ist das Vorhaben mehr als nur ein Auftrag: „Für uns ist das Projekt schon eine Herzenssache.“ Die Wand ist für sie wichtig, weil sie „direkt im Herzen Regensburgs“ liegt und sie selbst oft daran vorbeigehen. Ihre Hoffnung bleibt, dass sie weitermachen dürfen. „Uns wäre es natürlich am liebsten, wenn wir das Bild wie geplant fertigstellen können.“ Doch bislang zeigt sich die Denkmalschutzbehörde unnachgiebig. „Sie möchten, dass die Vorzeichnung baldmöglichst entfernt wird“, so die Künstler enttäuscht. Gleichwohl betonen sie: „Wir sind natürlich immer offen, wenn sich Leute mit freien Wänden melden, dort dann ein ähnliches Bild umzusetzen.“
„Wilde Schmiererein“ verursachen hohe Kosten
Die Stadt Regensburg bestätigt, dass „die Hausfassade als Teil eines Baudenkmals und infolge ihrer Lage mitten in der Altstadt dem Denkmalschutz“ unterliegt. Man stehe derzeit „mit den Eigentümern im Austausch“, könne sich jedoch wegen des laufenden Verfahrens „nicht weitergehend äußern“. Gleichzeitig verweist die Stadt auf das generelle Problem „wilder Schmierereien“, die jährlich hohe Kosten verursachen. Rund 35.000 Euro gibt die Stadt pro Jahr aus, um unerlaubte Graffitis an Brücken, Lärmschutzwänden und Stützmauern an städtischen Liegenschaften zu entfernen.
Dennoch erkennt die Stadt ausdrücklich den kulturellen Wert legaler Graffiti-Kunst an. So existiert seit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010 am Dultplatz die 24h-Galerie, eine Fläche, die regelmäßig neu gestaltet wird. Darüber hinaus arbeitet das Amt für Jugend und Familie bei Projekten mit Graffiti-Künstlern und Jugendlichen zusammen, um „zu zeigen, was legale Graffiti-Kunst alles kann“. 2022 förderte das Kulturamt zudem ein Pilotprojekt zur „Verschönerung des öffentlichen Raums“ im Rahmen des europäischen Netzwerks CreArt. Dabei wurde unter anderem „eine Unterführung am Kolpinghaus für ein großflächiges Wandgemälde ausgewählt“.