Viel Dreck, kaum Parkplätze, fehlende Klos: Regensburger Innenstadt-Händler besorgt

Es ist ein Aufschrei: Der Verein Regensburger Kaufleute hat nach seiner Hauptversammlung eine Pressemitteilung versendet. Darin prangern die Unternehmer die Zustände in der Regensburger Innenstadt an. Es gibt allerdings auch Stimmen, die die Sache differenzierter sehen.
Überschrieben ist die Pressemitteilung mit „Quo vadis, Einkaufsstadt Regensburg?“. Die Liste der Teilnehmer war demnach lang. Andreas Meier (Wurstkuchl), Hans Dollmann (Metzgerei Dollmann), Karin Schafbauer (Hofbräuhaus), Andreas Nuslan (Hutkönig), Anton Weissenbacher (Restaurant Dicker Mann) waren anwesend. Die Unternehmer diskutierten über infrastrukturelle Defizite in der Innenstadt sowie die konstruktiven Möglichkeiten zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt.
Verkehr, Toiletten und Dreck in Regensburg beschäftigen Regensburger Kaufleute
Konkret geht es dem Verein laut Pressemitteilung um drei Themen: Verkehr, Toiletten und Dreck. Autofahrer hätten mit immer mehr Einschränkungen zu kämpfen, heißt es. Damit seien auch die Geschäfte schlechter erreichbar. Wörtlich heißt es, um Parkraum müssten Autofahrer „kämpfen“. Die weitere Reduzierung des Parkraums und der damit einhergehende Frequenzverlust würden Probleme nicht lösen, sondern genau das Gegenteil bewirken, sagen die Unternehmer. Darüber hinaus sei es an der Zeit, den Fahrradverkehr zu reglementieren. Durch überhöhte Geschwindigkeiten seien die Passanten verunsichert und vor allem ältere Personen gefährdet. Jürgen Wittmann, Inhaber des Bohemian Hotels und der Chin-Chin Bar, berichtet laut Pressemitteilung von mehreren Unfällen zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern in der Gesandtenstraße.

In Bezug auf öffentliche Toiletten sprechen die Kaufleute von „massiven Missständen“. Es gebe zu wenige und dann auch noch schlechte Klos. Die Frage nach öffentlichen und vor allem betretbaren Toiletten höre man am Tag hundertfach. Die mangelnde Zahl an Klos wirke sich auf die Gassen aus, berichtet etwa Anton Weissenbacher vom Dicken Mann laut Pressemitteilung: „Da wir bereits um 7 Uhr öffnen, reinigen wir unsere Gasse vor Geschäftsöffnung selber. Schlimm, dass diese Gasse für die Verrichtung jeglicher Notdurft benutzt wird. Diesen Anblick und Gestank kann man keinem Gast beziehungsweise Besucher zumuten. Die Reinigung durch die Stadt erfolgt viel später.“
„Priorisierung aus den Fugen geraten“? Regensburger Kaufleute mit markiger Kritik
Zudem prangern die Kaufleute den Zustand der Altstadt an. Nicht wenige Besucher seien darüber verwundert. Konkret geht es ihnen um Graffitis, Aufkleber, verschmutze Straßen und Leerstände. Maximilian Schreiner, zweiter Vorstand des Vereins, sagt laut Mitteilung: „Die Priorisierung der grundlegenden Themen der Innenstadt scheinen etwas aus den Fugen geraten zu sein.“ Die Situation dürfe sich nicht weiter verschlechtern. Es dürfe nicht einfach so weitergehen, betont der Verein.
Teilen alle Altstadthändler diese Kritik? Das scheint nicht so, wenn man in die Gassen hineinhorcht. Christian Plotzki ist Inhaber vom Gumprecht in der Unteren Bachgasse. Teilweise gibt er seinen Unternehmer-Kollegen recht. „Natürlich gibt es zu wenig Klos in der Altstadt. Natürlich gibt es zu viele Graffitis. Natürlich gibt es zu viele Aufkleber.“ Plotzki fragt sich allerdings, ob es einen realistischen Weg gibt, diese Probleme in den Griff zu bekommen. „Da müsste man rund um die Uhr jemanden zum Aufpassen durch die Stadt schicken.“ Zumal er beobachtet, dass solche Dinge eben nur den Einheimischen auffallen. „Die Touristen finden Regensburg einfach nur wunderschön.“
Regensburger Kaufmann fordert: Autos müssen raus aus der Altstadt
Über Kreuz liegt Plotzki mit dem Kaufleute-Verein allerdings beim Thema Auto. Seiner Ansicht nach sollte man den Verkehr weitestgehend aus der Altstadt streichen. „Es bräuchte intelligente Poller oder ähnliche Lösungen.“ Mit weniger Autos könnte man die Aufenthaltsqualität in der Altstadt erheblich steigern. „Solange wir noch Parkplätze in der Stadt haben, haben wir auch den Parksuchverkehr.“ Zugleich betont Plotzki: „Die Stadt muss erreichbar bleiben.“ Beispielsweise mit Parkhäusern wie am Unteren Wöhrd. Seinem Umsatz tue es jedenfalls keinen Abbruch, dass es keine Parkplätze vor seinem Laden gibt.

Maria Müller ist Geschäftsführerin von Faszination Altstadt. Auch sie sieht die Kritik der Kaufleute differenzierter. Die Stadt habe durchaus Parkplätze, auch wenn Statistiken zeigten, dass die altstadtnahen Parkhäuser meist sehr gut besucht seien. „Es herrscht kein Mangel.“ Für Müller ist das Obermünsterviertel ein Vorzeigebeispiel für die Zukunft des Verkehrs in Regensburg. Aus der Straße hat die Stadt vor einiger Zeit die Autos ausgesperrt. „Seither ist es dort deutlich entspannter.“ Klar ist für Müller allerdings auch: Parkplätze sind insbesondere zu Stoßzeiten durchaus Mangelware. „Wir sind kein Einkaufszentrum.“ Zumal die Situation in Regensburg im Vergleich zu anderen Städten durchaus entspannt sei. Parkhäuser seien altstadtnah und die Geschäfte innerhalb weniger Minuten zu erreichen. Auch die Parkkosten seien nicht so hoch wie anderswo.
Wir sind kein Einkaufszentrum.Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt
Den Leerstand in der Altstadt sieht Müller nicht als größeres Problem. Im Gegenteil, es brauche ein wenig Fluktuation. Dabei füllten sich Leerstände oft recht schnell wieder. Ein Beispiel sei der Sonnentor-Laden unweit des Neupfarrplatzes, in den nun Holzkern gezogen ist. „In der Altstadt ist Bewegung.“ Der Kaufhof fehle durchaus – es gebe allerdings Läden mit einer ähnlichen Zugkraft. „Zum Beispiel der TK Maxx.
Öffentliche Toiletten in Regensburg beschäftigen auch „Faszination Altstadt“
Und der Dreck? Das beobachtet Müller durchaus auch so. „Es gibt auch in der Altstadt soziale Brennpunkte.“ Auch die Frage nach Toiletten brenne ihrem Verein auf den Nägeln. „Eine Stadt wie Regensburg braucht da mehr Infrastruktur, da geb ich den Kaufleuten recht.“ Faszination Altstadt hat dabei die Aktion „Nette Toilette“ ins Leben gerufen. „Das kann aber nur eine Ergänzung sein.“