Bremsen Sparpläne Krankenhäuser aus? Klinik-Chefs in der Region Regensburg ziehen Bilanz

Von Marion Neumann · 2. Januar 2026 um 05:00

Vor rund zwei Monaten schlugen die Klinikchefs Alarm: Vertreter der Krankenhäuser in Stadt und Landkreis Regensburg kamen zusammen, um vor den Sparplänen der Staatsregierung zu warnen und auf die angespannte Lage der Häuser hinzuweisen. Zum Beginn des neuen Jahres ziehen Geschäftsführer und Ärztliche Direktoren Bilanz: Wie fällt ihr Rückblick aus – und welche Herausforderungen werden die Krankenhäuser 2026 besonders beschäftigen?

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■ St. Josef kritisiert fehlende politische Planungssicherheit

Für Prof. Dr. Sylvia Pemmerl, Medizinisch-Ärztliche Direktorin und Geschäftsführerin des Caritas-Krankenhauses St. Josef, waren fehlende politische Planungssicherheit und unklare Rahmenbedingungen die größten Herausforderungen. „Das hat uns das ganze Jahr verfolgt“, sagt sie. Positiv hebt Pemmerl die Feierlichkeiten zum 75-Jährigen hervor. „Das große Jubiläum war für unser Haus ein Highlight.“ 2026 wird der Beginn der Generalsanierung prägen: Der Spatenstich für den ersten Bauabschnitt ist für Sommer oder Herbst geplant. Zudem wünscht sich Pemmerl „echte Entbürokratisierung“ für Ärzte und Pflegekräfte. Auch Künstliche Intelligenz bleibe ein wichtiges Thema – als Chance, aber mit klaren Regeln und Schulungen für das Personal.

■ Folgen der Krankenhausreform belasten St. Maria

Ebenfalls zum Caritasverband gehört das Krankenhaus St. Maria in Donaustauf. Wie Geschäftsführer Matthias Swaczyna erklärt, war 2025 vor allem von Nacharbeiten nach dem Trägerwechsel geprägt. Die Fachklinik für Lungenerkrankungen und Psychosomatik war 2024 zum Caritasverband für die Diözese Regensburg gewechselt. „Wir haben kräftig in die Infrastruktur investiert – von der Telefonanlage bis zum Intensivmonitoring.“ Ausgebaut wurden das ambulante Angebot und das Schlaflabor. Belastend seien weiter die Folgen der Krankenhausreform, insbesondere die fehlende Planungssicherheit, die er als „maximal unzufriedenstellend“ bezeichnet.

■ Hohe Auslastung fordert Medbo Regensburg heraus

Die hohe Auslastung, vor allem in den psychiatrischen Fachbereichen, sei 2025 angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage im Gesundheitswesen „noch herausfordernder als sonst“ gewesen, sagt Medbo-Vorstand Dr. Dr. Helmut Hausner. Bewältigt worden sei dies nur dank „überragender Einsatzbereitschaft“ der Beschäftigten. Positiv stimmt Hausner, dass der Bezirk Oberpfalz entgegen dem Trend 2026 zwei neue Kliniken eröffnet: die Psychosomatik in Parsberg sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden. Gleichzeitig erschwerten steigende Kosten und unsichere Einnahmen jede Planung. Kliniken müssten sich außerdem zunehmend auf Risiken wie gestörte Lieferketten oder Cyberangriffe vorbereiten.

■ Universitätsklinikum sieht 2026 die gesamte Branche gefordert

„Das Klinikum festigte seine Position als Spitzenmedizinstandort“, sagt die Kaufmännischen Direktorin Sabine Lange über das Jahr 2025 für das Universitätsklinikum Regensburg (UKR). Laut Lange und dem Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Oliver Kölbl seien in nationalen Rankings besonders Schwerpunkte wie Intensiv- und Beatmungsmedizin, Onkologie, Herz-Kreislaufmedizin und Transplantation hervorgehoben worden. Ausgebaut wurde die Behandlung von Spezialambulanzen mit interdisziplinären Beratungskonzepten. Fest stehe auch, dass 2026 die gesamte Branche fordern werde. Die Krankenhausreform sei grundsätzlich beschlossen, gleichzeitig werde, um die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenversicherungen zu stabilisieren, die Vergütung der Krankenhäuser aller Voraussicht nach im Vergleich zur bisherigen Vorgehensweise, gekürzt.

■ Barmherzige Brüder beklagen laufende Änderungen

Im Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg haben 2025 neben den „sich fortlaufend ändernden Anforderungen der Krankenhausreform“ die Vorbereitungen auf eine neue Abrechnungsstruktur Kapazitäten gebunden, erklärt Geschäftsführerin Sabine Beiser. Dafür waren umfangreiche organisatorische Anpassungen nötig. Ein Meilenstein war zudem die komplette Digitalisierung. „Inzwischen werden sämtliche Patientendaten vollständig digital verwaltet.“ Auf dem Gelände entstehe ein neues Bildungszentrum. Parallel laufen die Planungen zur Weiterentwicklung, einschließlich Neubau der Klinik St. Hedwig am Standort Prüfeninger Straße. Auch medizinisch habe sich viel getan, berichtet der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Michael Pfeifer – vom Aufbau einer „Weaning-Einheit“ zur Entwöhnung von der Langzeitbeatmung bis zur Weiterentwicklung des Operativen Kinderzentrums.

■ Neuausrichtung beschäftigt Kreisklinik Wörth

Die Krankenhausreform hat auch das Jahr von Martin Rederer, Krankenhausdirektor der Kreisklinik Wörth, geprägt. „Die Neuausrichtung unserer medizinischen Angebote auf die künftigen Leistungsschwerpunkte hat uns stark gefordert“, sagt er. „Gleichzeitig freuen wir uns über eine erneute Zunahme unserer Patientenzahlen um mehr als 1000 ambulante und stationäre Fälle – und das trotz der unsicheren politischen Rahmenbedingungen.“ Medizinisch prägend war die Einführung der roboterunterstützten Knieendoprothetik, die das Leistungsspektrum weiter stärke. Auch bei der Digitalisierung sei man auf einem guten Weg. „Das Thema KI wird ein Schwerpunkt bei künftigen Digitalisierungsprojekten, um Prozesse zu straffen und die auferlegte Bürokratie effizienter zu bewältigen.“