Landkreis Regensburg investiert in Kreisklinik: Mehr Betten und eine neue Notaufnahme

Die Zeiten sind schwierig, die Kosten enorm, das Defizit hoch – und dennoch: Der Landkreis Regensburg investiert weiter kräftig in die Kreisklinik in Wörth und kann dabei offensichtlich auf die Unterstützung des Freistaats bauen.
„Dass wir die Bettenerhöhung bekommen haben, ist für uns der absolute Wahnsinn“, betonte Klinikdirektor Martin Rederer am Mittwoch in der Sitzung des Krankenhausausschusses. Insgesamt 36 Millionen Euro bekommt der Landkreis für eine ganze Reihe von Maßnahmen, darunter vor allem die Erweiterung der Notaufnahme. Die braucht es dringend. Am Mittwochnachmittag war dort jede Menge los. Eine ganze Reihe von Betten stand am Gang, der auch noch von Klinikpersonal und Besuchern gut frequentiert war. Dabei war die Situation am Vormittag noch weitaus heftiger. Rederer berichtet in der Sitzung von 25 Patienten, die um 10 Uhr in der Notaufnahme versorgt werden mussten.
Fünf Betten mehr genehmigt
Wörth ist eines von neun zusätzlichen Krankenhausbauvorhaben, die der Ministerrat in München im Juli genehmigt hat. „Das Bauprogramm ist eine große Wertschätzung für Wörth und unsere Arbeit“, machte Rederer deutlich. Damit einher geht eine geringfügige Erhöhung der Kapazität von 120 auf 125 Betten. Erst dadurch wird der Erweiterungsbau für die Notaufnahme mit einer Reihe von Funktionsräumen möglich.
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Wie Landrätin Tanja Schweiger berichtete, fließen die Mittel für das Projekt ab 2028. Im Jahr zuvor soll mit den Vorarbeiten begonnen werden. „Die Flächen haben wir“, berichtete Schweiger mit Blick auf das Gelände beim Gasthaus Butz. Ihren Worten zufolge ist geplant, dass insgesamt rund 80 Millionen Euro in die Kreisklinik investiert werden. „Die Notaufnahme ist notwendig, um unsere ambulante Versorgungsstruktur zu verbessern“, erklärte Kreisrätin Sylvia Stierstorfer in der Sitzung.
600.000 Patienten werden im Jahr in der Region versorgt
Wie hoch die Zahl der ambulanten Behandlungen in der Region Regensburg ist, berichtete die Landrätin. Demnach werden von den 600.000 Patienten, die im Jahr in den Krankenhäusern registriert werden, rund 500.000 ambulant versorgt. „Das ist krass“, zeigte sich selbst der Klinikdirektor von dieser Zahl überrascht. In der Kreisklinik werden seiner Rechnung zufolge heuer bis zum Jahresende knapp 36.000 Patienten behandelt worden sein. Das sind 1000 mehr als im Vorjahr. Rund 7000 davon wurden stationär versorgt.
Als „ordentlich“ bewertete die Landrätin das Ergebnis der Entgeltverhandlungen vor knapp einem Monat. Der Krankenhausdirektor verwies hier vor allem darauf, dass Abschlüsse für 2025 und 2026 vereinbart werden konnten. „Ein großer Vorteil“, erläuterte er. Der Doppelabschluss bringt der Kreisklinik Planungssicherheit.
Das Pflegebudget steigert sich demnach heuer und im nächsten Jahr um insgesamt rund 900.000 Euro auf knapp neun Millionen Euro. Das vereinbarte Gesamtpaket an Entgeltleistungen bedeutet für 2025 eine Budgeterhöhung um 2,1 Millionen Euro, was Mehrerlöse von rund sechs Prozent bedeutet. Trotzdem rechnet Rederer derzeit mit einem Defizit von drei Millionen Euro zum Jahresende.
Weiter hohe Energiekosten
Seinen Worten zufolge belasten die Kreisklinik weiterhin die hohen Energie- und Sachkosten sowie die Tarifabschlüsse der Jahre 2023 bis 2025. Immerhin erwartet er im nächsten Jahr einen Ausgleich für die Tariferhöhungen in den Jahren 2024 und 2025. Von einer inflationsbedingten Erhöhung des Landesbasisfallwerts geht Rederer nicht aus. Dieser Wert ist die Grundlage für die Entgeltberechnung stationärer Krankenhausleistungen.
Ein einmaliger Zuschuss ist infolge des Krankenhausreformänderungsgesetzes für die Kliniken zu erwarten. Dieser Zuschlag von 3,25 Prozent wurde für den Zeitraum von 1. November 2025 bis 30. Oktober 2026 vereinbart. Der Krankenhausdirektor geht davon aus, dass daraus 950.000 Euro an die Kreisklinik fließen. Eigentlich hätten es sogar 640.000 Euro mehr sein sollen. Doch das Bundeskabinett kassierte einen Teil des Zuschlags wieder ein, um die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherungen zu stabilisieren. Ob das allerdings tatsächlich so kommt, ist noch offen. Denn bislang hat das Gesetz den Bundesrat nicht passiert.
1,46 Millionen Euro Defizit im Jahr 2024
Deutlich geringer als ursprünglich erwartet ist das Defizit der Kreisklinik im Jahr 2024 ausgefallen. Das hat die Abschlussprüfung des vergangenen Jahres ergeben. War im Wirtschaftsplan noch ein Defizit von mehr als drei Millionen Euro erwartet worden, so summierte sich der Jahresverlust letztlich auf knapp 1,46 Millionen Euro. Als einen wesentlichen Grund für dieses Ergebnis nannte der Klinikdirektor eine Steigerung der Erlöse um rund 820.000 Euro.