Bund plant Sparmaßnahmen: Klinik-Chefs in der Region Regensburg schlagen Alarm

Von Marion Neumann · 10. November 2025 um 19:00

Zu einem Pressegespräch im Landratsamt versammelte sich das Who’s Who der regionalen Krankenhauslandschaft aus Stadt und Landkreis Regensburg. Die Diagnose fiel ernüchternd aus. Gemeinsam warnten die Klinik-Chefs vor den neuen Sparplänen der Bundespolitik.

Wie sehr auch die Kliniken von der Inflation betroffen sind, machte Landrätin Tanja Schweiger am Montag bei einem Pressegespräch im Landratsamt an einem Beispiel deutlich: „Vor ein paar Jahren kostete ein Einweg-Skalpell 50 Cent, heute ist man bei bis zu 3,50 Euro.“ Sparen sei dabei kaum möglich. „Man kann in der Klinik nicht sagen, dass man es einfach noch einmal verwendet – genauso wenig, wie man einen Verband zwei Mal verwenden kann.“

Neben Schweiger und Prof. Dr. Georg Stephan Barfuß, der die Regensburger Oberbürgermeisterin vertrat, war zu dem Termin das Who’s Who der regionalen Krankenhauslandschaft gekommen. Die Diagnose, die sie angesichts der jüngsten bundespolitischen Entwicklungen stellten, fiel ernüchternd aus. „Wir fühlen uns leicht veräppelt“, sagte Prof. Dr. Sylvia Pemmerl, Medizinisch-Ärztliche Direktorin und Geschäftsführerin des Caritas-Krankenhauses St. Josef in Regensburg, mit Blick auf das im Bundeskabinett beschlossene 1,8-Milliarden-Euro-Sparprogramm. Damit sollen die gesetzlichen Krankenkassen ab 2026 stabilisiert werden – allerdings zu Lasten der Krankenhäuser.

Bürokratie nimmt Überhand

Mit dem Krankenhausreformänderungsgesetz war ursprünglich vorgesehen, dass die Kliniken bundesweit vier Milliarden Euro an sogenannten Sofort-Transformationshilfen erhalten. Die neuen Entwicklungen würden Kliniken nun allerdings vor große Herausforderungen stellen. „Wenn diese Situation so fortgesetzt wird, laufen wir in Versorgungsengpässe hinein“, so Pemmerl.

Prof. Dr. Michael Pfeifer, Ärztlicher Direktor am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Regensburg, betonte, wie dringend die Hilfen benötigt worden wären. „Wir hätten diese Mittel gebraucht, um wieder durchatmen zu können. Gerade das Personal muss durchatmen – sonst verlieren wir es.“ Schon jetzt sei der Pflegenotstand ein drängendes Thema. Statt Zeit für die Patientenversorgung zu haben, dominiere die Bürokratie. „Wenn ich auf Station komme, fühle ich mich manchmal wie in einem Großraumbüro“, beschrieb er die Situation. Von einem „Bürokratie-Monster“ sprach Prof. Dr. Michael Kabesch, Chefarzt und Klinikleiter der Pädiatrischen Pneumologie und Allergologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Die Kindermedizin sei durch chronische Unterfinanzierung „schon jetzt am Limit“.

Bevölkerung im Landkreis wird weiter wachsen

Die Bevölkerung in Stadt und Landkreis Regensburg werde weiter wachsen, mahnte Prof. Dr. Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), mit Blick auf die medizinische Versorgung der Zukunft. Auch für große Häuser wie das UKR werde das zu Herausforderungen führen. „Wenn kleine Kliniken unstrukturiert sterben gelassen werden, ist das auch für uns schwierig. Wir behandeln die schwersten Fälle – und unsere Kapazitäten sind nicht unbegrenzt.“

Dem schloss sich Martin Rederer, Krankenhausdirektor der Kreisklinik Wörth, an: „Die kleineren Fälle werden dann in Richtung der großen Kliniken wandern.“ Wenn die „Ambulantisierung“ von Patienten von der Bundespolitik gewollt sei, dürfe das nicht ohne Struktur passieren. „Schon jetzt übernehmen Kliniken außerdem weite Teile der ambulanten Notfallversorgung“, betonte er.

Blick auf die Kreisklinik Wörth: Laut Angaben des Krankenhauses werden hier jährlich mehr als 30 000 Patienten versorgt. - Foto: H. C. Wagner, Archiv

Gemeinsamer Appell: „Wir brauchen unsere Kliniken“

Welche Folgen die Sparmaßnahmen für einzelne Patienten in Stadt und Landkreis Regensburg haben könnten, machten die Klinikchefs ebenfalls deutlich. „Behandlungszeiten werden länger – und wer kein Notfall ist, wird schneller wieder von der Liste gestrichen. Irgendwann werden dann auch kritische Operationen verschoben werden müssen“, so Pfeifer.

Auch für psychiatrische Patienten hätte das gravierende Auswirkungen, ergänzte Prof. Dr. Thomas Baghai, Direktor Medizinische Leistungen am Bezirksklinikum medbo. „Das heißt noch längere Wartezeiten im ambulanten Bereich oder Aufnahmen auf ohnehin schon vollen Stationen.“

„Wir brauchen unsere Kliniken“, lautete der Appell von Barfuß an Politik und Öffentlichkeit, dem sich alle Krankenhausvertreter anschlossen. „Der Bund soll seine Hausaufgaben machen. Wir brauchen Entlastung bei der Bürokratie – und Kostensteigerungen müssen aufgefangen werden.“

Bundestagsabgeordnete reagieren

Dialogbereitschaft signalisierte unterdessen der Regensburger Bundestagsabgeordnete Peter Aumer (CSU). „Ich nehme die Sorgen der Krankenhäuser sehr ernst“, wird er in einer Pressemitteilung zitiert. Schade sei, dass der Appell der Kliniken zeitgleich mit der Beschlussfassung an ihn übermittelt worden sei. Mit der Reform solle die Qualität, Kooperation und Effizienz gestärkt werden, „aber nicht zu Lasten der Einrichtungen vor Ort“. Gemeinsam mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Georg Kippels, hat Aumer die Vertreter der Krankenhäuser für kommende Woche zu einem Gespräch eingeladen.

Zu Wort meldete sich auch Bundestagsabgeordnete Dr. Carolin Wagner (SPD). „Der Einspardruck ist da, wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben“, heißt es in einer Pressemitteilung. Vorgeschlagene Maßnahmen, darunter eine moderate Erhöhung des Herstellerabschlags in der Pharmaherstellung, könnten „die Last auf vielen Schultern verteilen“. „Nun liegt es an der Ministerin, Frau Warken, darauf einzusteigen“, so Wagner.