Was die Krankenhausreform für den Rettungsdienst bedeutet: Diskussion an der OTH Regensburg

Schon jetzt ist der Rettungsdienst „am Limit“, sagt Sebastian Gerosch vom Rettungsdienst des BRK Regensburg – doch die Herausforderungen könnten im Zuge der Krankenhausreform noch weiter zu nehmen. Darüber, wie mit längeren Transportwegen und steigenden Einsatzzahlen umgegangen werden soll, diskutierten Experten aus der Praxis beim Gesundheitsdialog an der OTH Regensburg.
Seinen Vortrag begann Prof. Dr. Bernhard Graf mit einer Geschichte aus dem Jahr 1966. Aufgewachsen in einem 400-Einwohner-Dorf habe sich seine Mutter draußen schwer am Bein verletzt. Der erste Ansprechpartner war damals die Rot-Kreuz-Krankenschwester direkt aus dem Ort – sie konnte „einen super Druckverband“ am Unterschenkel anlegen, sodass die Verletzung versorgt worden war, bis die weitere medizinische Behandlung erfolgen konnte.
„Ich habe mir nun überlegt, was man heute in so einer Situation tun würde“, sagte Graf. „Vermutlich das Handy nehmen und den Notruf wählen – und dann würde ein Hubschrauber kommen.“ Vermutlich, so der Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Regensburg, wäre die Versorgung so rasch sichergestellt gewesen. Fest steht aber auch: „Die Krankenschwester auf dem Dorf gibt es nicht mehr.“
Schon jetzt Engpässe in der Versorgung
Graf, der am Universitätsklinikum auch für die Luftrettung zuständig ist, war einer der Referenten, die Prof. Dr. Joachim Grifka, Leiter der Forschungsstelle für Orthopädie und Ergonomie an der OTH Regensburg, am Dienstagabend an die Hochschule eingeladen hatte.
Diskutiert werden sollte dabei über die Zukunft des Rettungsdienstes. „Schon jetzt gibt es Engpässe in der Versorgung“, sagte er. Durch die bevorstehende Krankenhausreform würde sich die Situation aber vor allem in ländlichen Regionen noch einmal grundlegend verändern. Wenn Krankenhäuser wegfallen oder aufgrund von Spezialisierungen nur noch ein eingeschränktes Behandlungsspektrum anbieten, müssten Rettungsdienste nicht nur mit längeren Transportzeiten, sondern auch mit einer vermehrten Anzahl von Einsätzen rechnen.
Nicht nur politisches, sondern emotionales Thema
„Uns in Regensburg geht es von der Krankenhausversorgung sehr gut“, sagte Bürgermeisterin Astrid Freudenstein, die bei der Veranstaltung ein Grußwort sprach. „Aber wir müssen dann natürlich die Versorgung ländlicher Räume mitübernehmen. Deswegen ist es ein Thema für Stadt und Land.“ Diskussionen dieser Art seien immer „hochpolitisch, eigentlich sogar emotional.“ Auch gesellschaftliche Anerkennung spiele dabei eine Rolle. „Rettungskräfte werden bei Einsätzen behindert oder angepöbelt. Wir brauchen gesellschaftlichen Konsens, wie wichtig diese Arbeit ist.“

Luftrettung: Fliegen bei Nebel ist schwierig
Wie Graf erklärte, müssten generell unnötige Einsätze im Rettungsdienst vermieden werden. Gerade die Luftrettung mit dem Hubschrauber sei zukünftig interessant, da so in kurzer Zeit lange Strecken zurückgelegt werden können.„Der Nachteil, den wir aktuell noch haben, ist, dass wir wettergebunden sind. In Regensburg gibt es viel Nebel. Deshalb müssen neue Strukturen erprobt werden, damit auch unter diesen Bedingungen geflogen werden kann.“
Ebenfalls aus der Praxis berichtete Sebastian Gerosch, Leiter des Rettungsdienstes des BRK Regensburg. In den letzten zehn Jahren sei die Anzahl an Notfalleinsätzen stark gestiegen. Durch die Krankenhausreform würde noch mehr auf den Rettungsdienst zukommen. „Wir sind jetzt schon am Limit. Deshalb müssen wir gemeinsam mit den Kliniken und der Politik Lösungen finden, wie wir einem möglichen Zuwachs an Einsätzen begegnen können.“
Zu viele Stellen unbesetzt
Ebenso wie Graf sprach auch Gerosch den Einsatz von Telemedizinern an – Ärzte, die das Rettungsteam aus der Ferne über Funk oder Videoverbindung unterstützen, indem sie medizinische Entscheidungen treffen oder Anweisungen geben. Des Weiteren müsse man sich die Frage stellen, „ob immer ein Rettungswagen fahren muss – oder ob ein Notfallsanitäter ausreicht.“
Fakt sei jedoch auch, dass schon jetzt zu viele Stellen im Rettungsdienst unbesetzt sind. Auch die Verweildauer im Beruf sei nicht hoch – im Schnitt würden Notfallsanitäter nach ihrer Ausbildung drei bis fünf Jahre bleiben. „Ein Allheilmittel gibt es nicht“, so Gerosch mit Blick auf die Zukunft. „Deshalb müssen wir unsere Erwartungshaltung an das System anpassen, uns darauf einlassen – und eben auch gemeinsam in den Diskurs gehen.“