Zehn Fälle im Raum Regensburg: Automatenknacker müssen ab Freitag vor Gericht

Sinzing, Tegernheim, Riedenburg, Beilngries und mehrfach Regensburg: Über Monate zieht sich eine Spur der Verwüstung quer durch die Region. Anfang November 2024 klicken dann die Handschellen für ein Trio – die Anklage wirft ihnen schweren Bandendiebstahl vor.
Von Mai bis November 2024 sind Automatenknacker in und um Regensburg unterwegs. Mit roher Gewalt flexen und stemmen sie Zigarettenautomaten weg, um an Ware, Bargeld und Akkus zu kommen. Das Phänomen ist nicht neu. Bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle gehen der Polizei im Landkreis Neumarkt drei Tatverdächtige ins Netz – auf frischer Tat, samt Holzrampe, die wohl zum Verladen der Beute extra angefertigt wurde. Das ist nur ein Detail mit dem sich die Richter beschäftigen müssen. In Regensburg startet am Freitag der Prozess wegen schweren Bandendiebstahls.
Einer der drei Angeklagten, die sich vor dem Regensburger Landgericht womöglich bis Ende Oktober verantworten müssen, ist kein Unbekannter: Ermittler ordnen den 42-Jährigen vielfach vorbestraften Mann als Berufsverbrecher ein. Erst im Juli 2023 war er wegen schweren Bandendiebstahls verurteilt worden. Der Deutsche mit Wurzeln in Kasachstan hatte mit fünf Komplizen Tonnen von Kupferkabeln auf Baustellen geklaut. Was Arbeiter tagsüber verbaut hatten, stahl die Bande mit Profi-Equipment in den Nächten. Aufgrund der brachialen Gewalt entstand zudem ein Riesen-Schaden.
Wie Profis: Bestens organisiert gingen Täter ans Werk
Parallelen zur neuen Anklage gegen ihn und zwei neue mutmaßliche Mittäter sind wohl nicht von der Hand zu weisen. Der Kupfer-Klau war damals professionell organisiert. Teils wurden die Kabel noch am Tatort mit speziellem Equipment abisoliert, in Lagern zurechtgeschnitten und dann zu Geld gemacht. Nicht weniger professionell sollen er und die Männer die Zigarettenautomaten geknackt haben, zeigen MZ-Recherchen. In der Anklage stehen nur zehn von gut 35 Fällen (siehe Info), die die Kriminalpolizei auf dem Zettel hatte.
Hinweise, dass die drei nun Angeklagten nur ein Teil einer größeren Gruppe waren, die in wechselnder Besetzung loszog, gibt es genügend. Gut organisiert waren sie auf jeden Fall: Im Mercedes-Transporter sollen die Männer im Alter von 42 bis 45 Jahren auf Tour gegangen sein. Mit dabei, neben Flex und Stemm-Eisen, eine provisorisch aus Holz gezimmerte Rampe zum Verladen der rund 150 Kilo schweren Zigarettenautomaten und auch ein Plastikfass, das wohl als Stütze genutzt wurde. Und: Die Tatorte für die Coups sollen zuvor ausgekundschaftet worden sein. Auch, wohin man mit der danach heißen Ware fuhr, soll meist klar gewesen sein.
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Denn aufgebrochen wurden die Automaten in abseits und ruhig gelegenen Waldgebieten. Erst dort machten sich die Täter daran, an die wertvolle Beute im Inneren zu kommen. Die ausgeräuberten Automaten wurden zurückgelassen und zeugten von ihrer brachialen Vorgehensweise. Das dürfte der Grund sein, warum der Sachschaden ähnlich hoch sein soll wie der Wert der Beute. Auf mehrere Zehntausend Euro summiert sich beides.
In Pettendorf, Sinzing, Tegernheim, Alteglofsheim und mehrfach auch in Regensburg sollen die Angeklagten zugeschlagen haben. Ende Oktober, kurz bevor die Kripo zugriff, verlagerten die Verdächtigen ihr Tätigkeitsfeld offenbar in Richtung Nieder- und Oberbayern. In Riedenburg (Kreis Kelheim) sollen sie gescheitert sein, weil Hausbewohner auf die Tat aufmerksam wurden. In Niederwinkling (Landkreis Straubing-Bogen) sollen sie dagegen erfolgreich gewesen sein. Dass ihnen die Ermittler da längst auf den Versen waren, ahnten sie wohl nicht. Doch sie wurden observiert und abgehört.
Auf frischer Tat geschnappt
Südlich von Neumarkt, in Beilngries (Kreis Eichstätt), sollen die Raubzüge dann jäh geendet haben. Bei einer Verkehrskontrolle am 6. November stellten Polizisten die drei nun Angeklagten auf der B 299 und nahmen sie fest. Nun stehen sie ab Freitag wegen schweren Bandendiebstahls und Sachbeschädigung vor Gericht. Einer der Männer, die alle in Regensburg lebten, muss sich daneben für Diebstahl oder Hehlerei verantworten.
Denn: Als Ermittler im November den Keller des 44-Jährigen durchsuchten, fanden sie offenbar gestohlene Räder im Wert von Tausenden Euro und zudem eine Vielzahl von Fahrradteilen, die aber nicht zugeordnet werden konnten. Angesichts der drohenden, langjährigen Haftstrafe wegen der Automaten-Aufbrüche, könnte der Teil der Anklage aber von weniger Bedeutung sein.
Darüber entscheidet die achte Strafkammer des Regensburger Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Schirmbeck. Interessantes Detail: Im Prozess gegen die Kupferbande war genau er der Staatsanwalt.
