Zigaretten und Geld im Visier: Bande von Automatenknackern in Regensburg angeklagt

Drei Männern, darunter ein Berufsverbrecher, wird laut der Anklage schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen – sie sollen über Monate hinweg Zigarettenautomaten quer durch die Oberpfalz und auch in Niederbayern abgeflext und zerstört haben. Doch nur ein Bruchteil der fast 35 Taten, die ihnen zugeschrieben werden, kommt wohl überhaupt vor Gericht.
Über Monate hinweg verschwinden über Nacht Zigarettenautomaten quer durch die Oberpfalz. Geplündert und zerstört tauchen sie meist in Wäldern wieder auf. Dahinter soll eine Bande dreister Diebe stecken, die Ermittlern im November ins Netz geht – auf frischer Tat wird ein Trio geschnappt. Nun ist Anklage erhoben worden. Allerdings nur in zehn von rund 35 Fällen, die den drei Männern zugeschrieben werden. Einer von ihnen ist ein typischer Berufsverbrecher.
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Offiziell war die Festnahme in Beilngries (Landkreis Eichstätt) Anfang November eine Verkehrskontrolle. Tatsächlich hatte die Polizei das Trio aber längst im Visier – die Männer wurden nach MZ-Informationen observiert und an jenem Abend sogar auf frischer Tat ertappt: Auf der Ladefläche des silbernen Kastenwagens lag ein Zigarettenautomat, der unmittelbar demontiert worden war.
Schäden für Regensburger Aufsteller sind immens
Bei ihren Raubzügen gingen die Täter rigoros vor: Mit roher Gewalt wurden Geräte einfach abgeflext. Am Tatort selbst hielt man sich nicht lange auf – wohl um nicht erwischt zu werden. Mit der Beute fuhr man dann in Wälder, um die Zigarettenautomaten dort ungestört knacken und leerräumen zu können. Ware und Bargeld, das sie erbeuteten, sollen sich auf über 50 000 Euro summieren, hatte die Polizei nach dem Ermittlungserfolg bestätigt. Die Höhe des bei den Taten entstandenen Schadens liegt nochmal in einem ähnlichen Bereich. Ihre Anwälte, die Strafverteidiger Philipp Janson, Maximilian Strohmayer und Julian Wunderlich, wollten sich nicht näher äußern.
Fakt ist: Die umfassende Anklageschrift der Staatsanwaltschaft liegt dem Regensburger Landgericht vor, wie Sprecherin Ruth Koller bestätigte. Sie lautet auf schweren Bandendiebstahl und Sachbeschädigung in mehreren Fällen. Details könne man vor Zulassung zur Hauptverhandlung jedoch nicht sagen. MZ-Recherchen zeigen, dass es um geknackte Automaten in und um Regensburg sowie im Landkreis Kelheim geht. Zehn Aufbrüche von August bis November vergangenen Jahres haben die Ermittler zusammengetragen.
Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings weitaus höher liegen: Die Ermittlungen zu rund 25 weiteren Taten mit demselben sogenannten „Modus operandi“, also der immer gleichen Methode, wurden formell eingestellt. Das passiere, wenn die Beweislage für die Verurteilung nicht ausreichend sei, erläuterte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher, der Sprecher der Anklagebehörde. DNA, sichergestelltes Diebesgut sowie Handy- und auch Funkzellenauswertungen nannte er als Beweismittel, die für den Nachweis herangezogen würden.
Die Automatenknacker sollen in wechselnder Besetzung zugeschlagen haben, hin und wieder aber auch gescheitert sein. Eine Hausdurchsuchung nach der Festnahme Anfang November hat bei einem 43-Jährigen zu weiteren Anklagepunkten geführt: Bei ihm wurden gestohlene Fahrräder und Teile von fünf Rädern gefunden. Dem Mann wird daher auch Hehlerei sowie Diebstahl zur Last gelegt. Er und die beiden mutmaßlichen Komplizen der Automatenknacker-Bande sitzen seit gut sieben Monaten in Untersuchungshaft.
42-Jähriger hat eine lange Liste mit Vorstrafen
Gefängnis ist für einen der drei Tatverdächtigen nichts Ungewohntes: Der heute 42 Jahre alte Deutsche mit kasachischen Wurzeln stand zuletzt vor zwei Jahren als Angeklagter vor dem Regensburger Gericht – wegen schweren Bandendiebstahls von Tonnen von Kupferkabeln, die auf Baustellen entwendet, mit Profi-Equipment abisoliert und dann zu Barem gemacht wurden. Die Zeit nach der einst gerichtlich angeordneten Drogentherapie, wegen der er letztlich früher freikam, nutzte der Mann ganz offensichtlich nicht als Chance. Er war schon damals vielfach vorbestraft und galt als Berufsverbrecher.
Dem Mann und seinen beiden Mitangeklagten, die für Taten in Regensburg, Sinzing, Tegernheim, Pettendorf und Alteglofsheim sowie Riedenburg (Lkr. Kelheim) und Niederwinkling (Lkr. Straubing-Bogen) verantwortlich gemacht werden, drohen bei einer Verurteilung lange Haftstrafen. Schwerer Bandendiebstahl kann mit bis zu zehn Jahren geahndet werden. Erneute Therapien, wie im Jahr 2023 als Auflage verhängt, dürften diesmal wohl eher ausscheiden.
Gut organisierte Täter am Werk
Planung: Dass bei diesen Fällen mehrere Täter am Werk sein müssen, ist naheliegend: Bis zu 200 Kilo wiegt ein solcher Automat, „den kann niemand alleine stehlen“, sagte ein Vertreter der Firma Ostermeier im Interview. Dem Unternehmen aus Regensburg gehören viele der Zigarettenautomaten, die in der ganzen Region aufgestellt sind.
Modus Operandi: Automatenknacker sind laut den Ermittlern gut organisiert und agieren fast immer gleich: Fest verankerte Geräte werden mit roher Gewalt demontiert, dann verladen und an abgelegenen Orten aufgeflext. Dort bleiben die zerstörten Geräte meist auch liegen. Spaziergänger oder Jäger finden sie dann und informieren die Polizei.
Erfolge: Die nun angeklagten Männer waren nur drei von vielen. Das zeigen weitere Fälle: Erst Ende Januar 2024 waren zwei Männer bei Brunn (Lkr. Regensburg) gefasst worden, als eine Augenzeugin sie beobachtet und die Polizei alarmiert hatte. Im April 2024 waren bei Mintraching drei 17, 18 und 19 Jahre alte Täter auf frischer Tat gefasst worden.