Serien-Spanner filmte in Regensburg reihenweise durch Fenster – Videos belegen das ganze Ausmaß

Von André Baumgarten · 22. Mai 2025 um 13:00

Ermittler fassen nahe der Uni in Regensburg einen Mann auf frischer Tat. Was der 40-Jährige mit seinem Handy aufnahm, führte die Polizei zu vielen Geschädigten. Es geht um mehr als 30 Taten. Offenbar verging sich der Verdächtige aber auch an Dates – während sie schliefen. Ihm droht nun eine saftige Anklage.

Video ansehen

Mit dem Handy filmt ein Mann nachts in Erdgeschosswohnungen in Regensburg. Monatelang zeichnet er offenbar Dinge auf, die niemand freiwillig mit anderen teilen würde. Der aktuelle Fall, den die Polizei jüngst publik machte, hat gruselige Parallelen zu einem Serien-Spanner, der vor wenigen Jahren im Westen der Stadt für große Unruhe sorgte. Diesmal scheint die Beweislage aber deutlich besser zu sein – die Kripo konnte das Handy des 40-Jährigen auswerten. Was sie fanden, ist erschreckend.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Lächeln, weinen, simulieren: Terror-Paar aus Regensburg und Roth nun vor Gericht

Im Dezember vergangenen Jahres bemerkt eine Frau jemanden auf ihrer Terrasse, der offenbar in ihre Wohnung filmt. Sie reißt das Rollo rauf, doch der Unbekannte verschwindet schnell im Dunkel der Nacht. Also installiert die Regensburgerin eine Überwachungskamera und wird kurz darauf von ihrem Handy alarmiert. Kurz vor Mitternacht kriecht ein Mann auf allen Vieren vor dem Fenster herum. Sie wählt den Notruf, doch der Täter kann auch diesmal entwischen. Doch seine Tage in Freiheit ist da bereits gezählt, wie MZ-Recherchen zeigen.

Polizei lag auf der Lauer und griff zu

Denn nur drei Tage später fällt Zivilpolizisten, die nach der Anzeige im Stadtteil Galgenberg verstärkt Streife fahren, ein Mann auf. Er schlendert vermeintlich ziellos herum, nähert sich dann unter den Augen der Polizei einem Grundstück und gafft durch das Fenster. Die Fahnder greifen zu – und verhaften ihn auf frischer Tat. Der Tatverdächtige stammt aus Eritrea, ist 40 Jahre alt und lebt seit längerem in Regensburg. Bei der Festnahme stellen die Beamten auch sein Mobiltelefon sicher.

Der aktuelle Fall weckt böse Erinnerungen an 2020 und 21, als ein Serien-Spanner im Regensburger Westen sein Unwesen trieb. Die Parallelen sind erschreckend. - Foto: Baumgarten/Archiv

Was Ermittler der Polizeiinspektion Regensburg Süd und auch der Kripo darauf finden, beschäftigt sie danach aber über Monate. Dutzende Videoaufnahmen mussten akribisch ausgewertet werden, um die Geschädigten sicher identifizieren zu können – es wurden Vorhänge und Einrichtungsgegenstände aber auch die gefilmten Personen abgeglichen. „Im Haftbefehl sind 33 Taten enthalten“, bestätigt Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf Nachfrage. Die umfangreichen Ermittlungen hätten aber weitere Vorwürfe ans Licht gebracht, so der Sprecher der Regensburger Anklagebehörde.

Dem Mann werden auch Sexualdelikte zur Last gelegt: Unter den Videos auf dem Handy des 40-Jährigen waren nämlich Filme, die sexuelle Handlungen an Frauen zeigen – allerdings, während diese augenscheinlich zu schlafen scheinen. Aufgenommen worden sein sollen diese in der Wohnung des Tatverdächtigen, wo die Geschädigten wohl freiwillig mitgegangen waren. Von besagten Aufnahmen aber wussten sie nicht, wie die Ermittler rekonstruieren konnten. Zugeordnet wurden die Filme durch Abgleiche von Händen und Armen, die darin zu sehen sind. Es waren die des Mannes, wie aus Unterlagen hervorgeht, die die MZ einsehen konnte.

Wir ermitteln in drei Fällen wegen sexueller Übergriffe, bestätigt Oberstaatsanwalt Rauscher. Zudem würden dem Mann die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen vorgeworfen. Seit 12. Dezember – also drei Tage, nachdem er selbst von einer Überwachungskamera gefilmt wurde – befinde sich der Tatverdächtige in U-Haft. Man habe sich bewusst gegen eine frühere Veröffentlichung entschieden, um möglichst viele Geschädigte ermitteln zu können, „in mühevoller Kleinstarbeit“, betont er. Derzeit arbeite die Staatsanwaltschaft an der Anklage in dem Fall.

Anklage in Arbeit, Termin für Prozess offen

Dass den mutmaßlichen Serien-Spanner, wie in dem früheren Fall im Westen von Regensburg, nur eine Geldstrafe erwartet, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Dem 40-Jährigen droht für jeden einzelnen der sexuellen Übergriffe auf die schlafenden Frauen eine Mindeststrafe von sechs Monaten. Wann der Mann vor Gericht kommt, ist derzeit noch offen.