Geldstrafe für den Serien-Spanner vom Regensburger Westen

Von André Baumgarten · 23. Februar 2023 um 15:37

Jahre lang sorgt ein 56-Jähriger für Angst im Westen von Regensburg. Er schlich nachts auf Terrassen herum und starrte durch die Jalousien. Jetzt ist der Mann verurteilt – wegen drei von viel mehr Taten. Der Strafbefehl gegen ihn ist rechtskräftig.

Jahrelang hat ein Serien-Spanner viele Frauen im Regensburger Westen drangsaliert. Nachweisen konnten ihm die Ermittler aber am Ende nur einen Bruchteil der angezeigten Taten. Wegen Hausfriedensbruch in drei Fällen wurde ein heute 56-Jähriger zu einer Geldstrafe verurteilt. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher. „Dass eine sexuelle Motivation dahintersteckte, konnte dem Verurteilten nicht nachgewiesen werden“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Überführt worden sei der Mann mit Videoaufnahmen – mehrere seiner Opfer hatten einst Überwachungskameras installiert.

Der Serien-Spanner hatte im Regensburger Westen fast drei Jahre lang für Angst und Schrecken gesorgt. Der Mann schlich spätabends und nachts immer wieder auf die Terrassen junger Frauen und starrte durch die geschlossenen Jalousien ins Innere der Wohnungen. „Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass jemand auf meiner Terrasse war“, erzählte eine der Geschädigten. Dann fand die damals 25-Jährige im Oktober 2020 Fußabdrücke, Zigarettenstummel und Bierflaschen. So erging es vielen weiteren Frauen: Schon 2019 hatte eine 26-Jährige Anzeige erstattet.

Opfer veröffentlichen Videos ihrer Überwachungskameras

Im Sommer 2021 zählte die Polizei insgesamt 14 Anzeigen gegen den Serien-Spanner. Die Opfer hatten die Sache zuvor selbst in die Hand genommen. Und sie lieferten der Polizei das, was bis dahin gefehlt hatte: Es gab ein Überwachungsvideo von dem schlanken, dunkelhaarigen Verdächtigen im Anorak, der durch eine heruntergelassene Jalousie starrte. Im Mai machte das Video in Sozialen Netzwerken die Runde, wurde hundertfach geteilt. Eine der Frauen wandte sich an die MZ und erhob zudem schwere Vorwürfe: Sie und weitere Opfer fühlten sich von der Polizei nicht ernst genommen. „Mir wurde vermittelt, ich sei hysterisch“, sagte die 25-Jährige damals in einem Interview.

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Dabei klang das, was sie drei Jahre lang durchmachte, wie ein Albtraum: Die Bilder einer Überwachungskamera zeigten, wie der damals noch Unbekannte am 1. Februar 2021 an seiner Bierflasche nippte und an der Jalousie hineinstarrte. „Der stand einen halben Meter von meinem Kopf weg“, erzählte die junge Frau. Geweckt wurde sie von einer Alarmmeldung auf ihrem Handy – um 0.22 Uhr. „Ich hatte Todesangst und bin ins Badezimmer gekrochen – das war so traumatisierend.“ Am 13. Mai 2021 filmte eine zweite private Kamera den Serien-Spanner: Die Videoaufnahme von 0.28 Uhr zeigte, wie er das selbst bemerkte und dann erschrocken ins Dunkel der Nacht verschwand.

Erst im Februar 2022 gelang der Polizei der Durchbruch

Trotz der Aufnahmen gab es keinen schnellen Fahndungserfolg. Ein Gutes hatte die Veröffentlichung des Videomaterials aber – seitdem gab es keine weiteren Vorfälle, die dem Verdächtigen zugeordnet werden konnten, wie ein Sprecher der PI Regensburg-Süd betonte. Es dauerte etwa ein dreiviertel Jahr, bis der Regensburger Kripo der Durchbruch gelang: Vor heute genau einem Jahr konnten die Ermittler einen 56-Jährigen identifizieren, der in unmittelbarer Nähe zu den Tatorten wohnte.Gefilmt wurde der Mann wohl bei mehreren Taten auch von Wild- sowie Türkameras. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fand die Polizei dann auch die Bekleidung, die er bei seinen Taten trug.

Im Strafbefehl, den das Regensburger Amtsgericht Ende Januar erließ, fanden nur Taten Einzug, „in denen Beweise vorlagen, die den Mann konkret verdächtig machten“. Es könne sein, dass der Mann für weitere Fälle verantwortlich sei, „nachweisbar war das jedoch nicht“, so Oberstaatsanwalt Rauscher. „Der Strafbefehl ist zwischenzeitlich rechtskräftig.“ Verurteilt wurde der Serien-Spanner zu einer Gesamtgeldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen.

Es gibt einen weiteren Täter, der bald vor Gericht muss

Zu mindestens einer Anzeige gibt es aber einen weiteren Täter. Die Polizei hatte den Fall wegen Ähnlichkeiten in der Tatbegehung auch dem Serien-Spanner zugeordnet. Mittlerweile steht ein 44-Jähriger im Fokus: Er muss sich demnächst vorm Amtsgericht verantworten. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft Nachstellung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vor. Das Opfer soll hier die Nachbarin sein.