Polizei bestätigt Festnahmen: Ist Automatenknacker-Bande hinter Schloss und Riegel?

Seit Monaten wurden zig Automaten in der Region geknackt. Nun gab es einen Zugriff: Die Polizei bestätigt die Festnahme von drei Männern. Einer davon ist offenbar Berufsverbrecher. Was zur mutmaßlichen Bande von Automatenknackern bisher benannt ist.
Reihenweise sind in den vergangenen Monaten Zigarettenautomaten quer durch die Oberpfalz zerstört und geplündert worden. Nun ist Ermittlern womöglich eine Bande in die Falle gegangen. Drei Männer, 41, 43 und 44 Jahre alt, sitzen seit Mittwoch in U-Haft. Sie wurden auf frischer Tat ertappt. Einer davon ist ein „alter Bekannter“ – der Mann war erst 2023 wegen schweren Bandendiebstahls verurteilt worden. Es ging um Tonnen von Kupferkabeln, die auf Baustellen gestohlen wurden. Statt für einen Entzug, wegen dem er auf freien Fuß kam, nutzte er seine Zeit aber offenbar anders.
Von allein rund 25 Fällen in und um Regensburg sprach das Polizeipräsidium Oberpfalz zuletzt – innerhalb eines Zeitraums von gerade einmal zwei Monaten. Man prüfe Muster und Gemeinsamkeiten der Fälle, „um daraus Erkenntnisse für die Ermittlungen abzuleiten“, betonte ein Polizeisprecher Mitte Oktober. Da dürfte das nun verhaftete Trio aber womöglich längst im Fokus der Ermittler gewesen sein. Wie Recherchen der Mediengruppe Bayern zeigen, wurden die Verdächtigen offenbar auch observiert. Zugegriffen hatte die Polizei in der Nacht auf Mittwoch in Beilngries im Landkreis Eichstätt.
Über Landkreisgrenzen aktiv, Zugriff in Beilngries
Denn die Automatenknacker machen längst nicht an den Landkreis- oder Stadtgrenzen Halt. Neben Regensburg schlugen dreiste Täter seit Ende vergangenen Jahres immer wieder auch im Raum Kelheim, im Landkreis Neumarkt auch im Bereich Cham zu. Dass es mehrere, gut organisierte Täter sein müssen, lag auf der Hand: Zwischen 150 und 200 Kilo wiegt so ein Automat. „Den kann niemand alleine stehlen“, sagte ein Vertreter der Firma Ostermeier dazu.
Das Regensburger Unternehmen hat zahlreiche Zigarettenautomaten in der gesamten Region. Der Modus Operandi, mit dem die Automatenknacker ans Werk gingen, war immer derselbe: Mit roher Gewalt wurden die verankerten Geräte herausgerissen, verladen und meist in abgelegenen Waldstücken aufgeflext und geleert. Dort wurden die völlig zerstörten Geräte dann meist auch liegengelassen.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Attacke auf Schwangere mit Fleischergabel in Regensburg – „Ich dachte, er will sich entschuldigen“
Der Schaden ist immens, variiert je nach Ausstattung und Füllstand aber. Die Polizei geht von Beträgen im unteren vierstelligen Bereich aus – für jeden einzelnen Automaten. Erfolge konnten die Ermittler immer wieder vermelden: Ende Januar waren zwei Männer bei Brunn (Lkr. Regensburg) verhaftet worden. Deren Coup hatte eine Augenzeugin beobachtet und den Notruf gewählt. Im April gingen bei Mintraching drei noch sehr junge Verdächtige (17, 18 und 19 Jahre) ins Netz. Sie waren auf frischer Tat gestellt worden.
Polizei: Beute und Schaden über 100000 Euro
Der neue Fahndungserfolg gelang nun Kollegen aus Oberbayern – laut einer Pressemitteilung offiziell bei einer Verkehrskontrolle: In Beilngries im Altmühltal klickten für drei Männer die Handschellen. Auf der Ladefläche des silbernen Kastenwagens stellten die Beamten einen aufgebrochenen Automaten sicher. Dieser fehlte an seinem eigentlich m Aufstellort in Beilngries.
Wie der Regensburger Polizeisprecher Michael Zaschka bestätigte, gehe man davon aus, dass das Trio für eine Serie verantwortlich sein könnte: „Sie stehen im Verdacht, in insgesamt 29 Fällen Automaten gestohlen und geöffnet zu haben.“ Der Wert der Beute, also Geld und Zigaretten, wird auf über 50 000 Euro geschätzt, der durch die Täter verursachte Schaden auf nochmals mehr als 50 000 Euro.
Bei Durchsuchungen fanden die Ermittler laut Polizei in einer der Wohnungen neben Teilen der Beute auch mehrere gestohlene Fahrräder. Der 43-jährige Bewohner wird sich daher auch deswegen verantworten müssen. Die Tatverdächtigen wurden der Ermittlungsrichterin am Amtsgericht in Regensburg vorgeführt. Die erließ Haftbefehle gegen alle die Männer.
Die mutmaßlichen Automatenknacker kamen in Untersuchungshaft in drei unterschiedliche Gefängnisse – denn noch laufen die Ermittlungen gegen sie. Vertreten werden die Verdächtigen von den Regensburger Strafverteidigern Julian Wunderlich, Philipp Janson und Maximilian Strohmayer. Keiner von ihnen war auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern zu einer Stellungnahme bereit.
Einer der Festgenommenen sticht heraus: Bei ihm sollen womöglich Bauteile von Automaten beschlagnahmt worden sein. Ob es sich bei dem 41-Jährigen um den Kopf einer Bande handeln könnte, werden die Ermittlungen zeigen müssen. Fakt ist: Der Deutsche mit osteuropäischen Wurzeln ist einschlägig vorbestraft. Im Juli 2023 sprach das Landgericht den Mann aus Regensburg schuldig und verhängte gegen ihn zwei Jahre und neun Monaten Gefängnis. Der 41-Jährige gehörte zu einer Bande, die 2022 nachts immer das stahlen, was Bauarbeiter tagsüber erst eingebaut hatten. Tonnenweise hatten sie Kupfer und teils sündteure Werkzeuge gestohlen.
Tonnenweise Kupfer von Baustellen gestohlen
Die Bande schlug monatelang auf Großbaustellen in und um Regensburg zu. Für die Verarbeitung hatten die Täter sogar mehrere Lager angemietet. Dort standen zur Abisolierung ihre Beute Profi-Maschinen bereit. Und: Nachdem die Kripo bei einem ersten Zugriff im Juni 2023 vier Männer verhaftete, ging die Serie weiter. Am Ende mussten sich sechs Angeklagte wegen schweren Bandendiebstahls verantworten und wurden verurteilt, drei zu Bewährungsstrafen.
Für den 41-Jährigen, der nun wieder in Untersuchungshaft sitzt, war damals im Prozess eine Drogentherapie angeordnet worden. Er kam deshalb nach dem Urteil frei. Diese Chance nutzte er offenbar nicht.