Attacke mit Fleischergabel in Regensburg: „Ich dachte, er will sich entschuldigen“

Ein Zeuge schildert vor Gericht die Attacke auf eine schwangere Frau in Regensburg. Zur Sache äußerte sich deren Ex-Freund noch nicht, entschuldiget sich aber für Angriff bei der 27-Jährigen.
Dass sie in letzter Sekunde vor dem Angreifer mit der Fleischergabel fliehen wollte, könnte einer jungen Mutter wohl das Leben gerettet haben. Nicht mehr als „glücklicher Zufall“ war es laut einem Rechtsmediziner, dass die 27-Jährige nicht tödlich verletzt wurde, als ihr Ex-Freund sie im Februar an einer Tankstelle attackierte. Dafür steht der 29-Jährige (nicht 34, wie zunächst hier geschrieben) wegen versuchten Mordes vor Gericht. Die Verteidigung hat daran Zweifel – auch wegen einiger Details, die das Opfer erst am Dienstag, beim Prozessauftakt, zum ersten Mal offenbarte.
Was in jener Nacht zum 12. Februar an der Tankstelle im Osten der Stadt geschah, ist „en détail“ dokumentiert: Mehrere Überwachungskameras zeichneten sekundengenau auf, was zwischen den zwei Angestellten vorfiel. Es gab Streit, Ohrfeigen, er spuckte sie an, packte sie und warf sie zu Boden, beschädigte das Handy und die Handtasche der 27-Jährigen. Da ist die Polizei schon auf dem Weg zum Tatort − alarmiert wegen Körperverletzung und eines Streits zwischen den beiden.
Polizei kam nur wenige Minuten zu spät
Als die Streifenbeamten nur Minuten nach dem Notruf eintrafen, war es schon zu spät. Sie fanden die 27-Jährige mit einer Stichverletzung im Bereich der Wirbelsäule. Denn kurz zuvor war es eskaliert: „Ich dachte, er will sich entschuldigen“, erinnerte sich einer der beiden Augenzeugen vor Gericht. Ganz langsam sei der Angeklagte bei den Spielautomaten auf sie zugekommen, schilderte er, ehe er plötzlich „wuchtig und gezielt“ zustach. Die zweizackige, 20 Zentimeter lange Fleischergabel habe er zuvor versteckt gehalten. „Dann ist er weg.“
Noch in der Nacht, während die Großfahndung mit Polizeihubschrauber und Spürhunden anlief, wurden die Videoaufzeichnungen gesichert. Der Jour-Staatsanwalt stufte das Ganze als versuchten Mord ein. Davon ahnte der 29-Jährige zu diesem Zeitpunkt nichts – und meldete sich kurz nach 2 Uhr selbst bei der Polizei, um sich zu stellen. Etwas später, gegen 2.55 Uhr, wurde er schließlich vorm Eingang der Polizeiinspektion Regensburg-Süd verhaftet. Zur Tat und zu Hintergründen der Attacke schwieg er sich seither aus – bis Dienstagmittag.
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Sehr leise und eher an das Schwurgericht als die Geschädigte gerichtet, sagte er, er wolle sich „entschuldigen, dass es soweit gekommen ist“, auch wenn es „nicht wiedergutzumachen“ wäre, „in ihren Augen“. Die junge Frau im Zeugenstand, die sich gut zweieinhalb Stunden den Fragen von Gericht, Anklage und auch Verteidigung stellte, reagierte nicht. Sie vermied jeden Blickkontakt zum Angeklagten. Und schien mit dem Mann, von dem sie zum Zeitpunkt der Tat ein Kind erwartete, das im August zur Welt kam, abgeschlossen zu haben. Sie leide unter Angstzuständen und warte bis heute auf eine Therapie, sagte sie.
„Das steht überhaupt nicht infrage, was da passiert ist – aber es kommt schon auf die Details an.“
Shervin Ameri, Strafverteidiger
Zuvor hatte Strafverteidiger Shervin Ameri, der den Angeklagten mit Co-Anwältin Lea Matner vertritt, bohrende Fragen an die 27-Jährige. So kam zutage, dass auch sie wohl zumindest verbal ausgeteilt haben könnte in der Nacht. Ameri sah danach „wesentliche Punkte, die sie bei der Polizei nicht erwähnt hatte“, was aber keinesfalls infrage stellen solle, dass sie die Verletzte sei. Doch seien aus seiner Sicht nicht die Trennung der Auslöser für die blutige Attacke mit der Fleischergabel gewesen, sondern vielmehr Provokationen. Ameri kündigte eine umfassende Einlassung an – abgestritten wird die Tat wohl eher nicht.
Urteil soll erst am 19. November fallen
Wohin die Reise gehen soll, war so zumindest skizziert: Die Verteidigung zieht das der Anklage zugrunde gelegte Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe in Zweifel. Sollte das Gericht dem folgen, käme „zum Zorn gereizt“, so der Wortlaut im Gesetz, gar versuchter Totschlag in einem minderschweren Fall in Betracht. Darauf stünden maximal zehn Jahre statt lebenslange Haft beim Mordversuch. Bis das entschieden wird dürften noch einige Tage vergehen. Das Schwurgericht plant dazu mit drei weiteren Prozesstagen bis 19. November.
