Türke rammt schwangerer Ex (26) Fleischergabel in den Rücken: War der Angriff ein Mordversuch?

Als sich die junge Frau wohl von ihm getrennt hat, soll ein 29-Jähriger versucht haben, sie an einer Tankstelle in Regensburg zu ermorden. Weil er sich in seiner Ehre gekränkt gefühlt haben soll, soll er ihr vor Augenzeugen eine 20-Zentimeter-Fleischergabel in den Rücken gerammt haben. Nun kommt der Fall vor Gericht.
Am 5. November startet der Prozess am Regensburger Landgericht, der für den Türken mit lebenslänglicher Haft enden könnte. Das Schwurgericht hat für die Wahrheitsfindung vorerst vier Verhandlungstage angesetzt.
Schauplatz des mutmaßlichen Femizidversuchs war eine Tankstelle im Regensburger Osten. Dort soll der Angeklagte die junge Frau zur Rede gestellt haben, die sich kurz zuvor wohl von ihm getrennt hatte. Am 11. Februar, einem Sonntag, war das, nur wenige Minuten vor Mitternacht. Was danach geschah, zeichneten die Überwachungskameras sekundengenau auf: Zunächst geraten die beiden in Streit, er spuckt sie an, reißt ihr die Tasche weg. Als sie hilfeschreiend davonrennt, packt er sie, schleudert sie zu Boden und lässt von ihr ab.
Wie MZ-Recherchen zeigen, wird dann der Notruf gewählt und auch die Betriebsleitung informiert. Als der junge Türke das bemerkt, soll er der damals 26-Jährigen das Telefon entrissen und mehrere Anrufe weggedrückt haben. Dann flüchtet die Frau in Richtung der Spielautomaten, wo zwei Kunden stehen.
Angriff an Regensburger Tankstelle: In Sicherheit gewähnt
Vermutlich meinte sie, dort sicher zu sein. Doch weit gefehlt: Der dunkel gekleidete Mann kommt auf sie zu, greift in die Jackentasche und blickt ihr direkt ins Gesicht, als er zusticht. Die Zacken der Fleischergabel bohren sich in den Rücken der Frau, wie Rechtsmediziner später feststellten. Der Angreifer flüchtet nach der Tat zunächst aus der Tankstelle, wird nach kurzer Großfahndung von der Polizei verhaftet. Das Amtsgericht erlässt Haftbefehl gegen ihn. Zu den Vorwürfen schweigt der Mann.
Nach Abschluss der Ermittlungen stufte die Regensburger Staatsanwaltschaft den Angriff als Kapitalverbrechen ein und klagte den 29-Jährigen wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung an. Auch versuchter Schwangerschaftsabbruch wird dem Türken vorgeworfen – denn die Ex-Freundin erwartete damals offenbar ein Kind von ihm.
Regensburger Schwurgericht urteilt über Femizid-Versuch
Der Fall, über den noch im November das Schwurgericht zu entscheiden haben wird, erfüllt in vielerlei Hinsicht einen Femizid. So wird es genannt, wenn Frauen oder Mädchen aufgrund ihres Geschlechts sowie häufig patriarchalem Denken meist durch die Hand eines Mannes sterben sollen, der ihnen nahe steht. Im vergangenen Jahr starben deutschlandweit 155 Frauen so. Über eine Viertelmillion Fälle häuslicher Gewalt wurden laut dem Lagebild des Bundesinnenministeriums 2023 erfasst.
Der Mann, der wegen des Fleischergabel-Angriffs vor Gericht muss, war kein unbeschriebenes Blatt. MZ-Recherchen belegen, dass er mehrfach und einschlägig vorbestraft ist: 2019 drohte er seiner damaligen Partnerin damit, ihr die Kehle durchzuschneiden und hielt ihr ein Messer an den Hals. Nur acht Monate später attackierte er dieselbe Frau und schlug sie mit der Faust bewusstlos. Auch bei dem Vorfall auf der Jahninsel war der 29-Jährige mit einem Messer bewaffnet, traf das Opfer aber nur am Unterarm.
Schwierige Beziehung eskaliert an Regensburger Tankstelle
Die Beziehung zu der 26-Jährigen, die er an der Tankstelle attackierte, soll ebenfalls sehr problembehaftet gewesen sein, hieß es. Die junge Frau soll ihn bei den Ermittlern schwer belastet haben, sprach wohl von Übergriffen und Schlägen. Offenbar wurde es ihr zu viel und sie beendete die Beziehung – mit fast tödlichen Folgen, sollten sich die schweren Vorwürfe aus der Anklage bestätigen.
Der Anwalt des Angeklaten, der Regensburger Strafverteidiger Shervin Ameri, betonte, dass auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung gilt. Eine rechtliche Einordnung dessen, was an der Tankstelle geschah, treffe allein das Gericht. „Möglicherweise werden im Prozess doch noch Umstände des Vorfalls bekannt, die eine andere Sicht darauf zulassen“, sagte Ameri.