Im Sog von Alkohol und Rauschgift – acht Anklagen gegen junge Regensburgerin (22)

Blieb ihr die richtige Hilfe versagt? Eine 22-Jährige hat in gut einem Jahr acht Anklagen gesammelt, weil falsche Freunde sie tief ins Milieu zogen. Vor dem Regensburger Amtsgericht geht es nun auch um den richtigen Weg aus ihrer Abhängigkeit.
22 Jahre ist Jennifer (Name geändert) jung. Für ihr Alter hat sie einige Erfahrungen gesammelt, auf die sie vielleicht besser hätte verzichten können. Am Freitag fand sie sich, samt Verteidigerin Dagmar Ciccotti, auf der Anklagebank des Regensburger Amtsgerichts wieder. Acht stattliche Anklagen – vom Hausfriedensbruch und Diebstahl mit Waffen über Drogenbesitz und Beleidigung bis zu tätlichem Angriff auf Polizeibeamte – lagen gegen die junge Frau vor. Die falschen Freunde hatten sie tief ins Drogenmilieu hinabgezogen, aus dem sie sich nun freikämpfen will. Sofern das Schöffengericht mitspielen sollte.
Die Vorwürfe, um die es im Prozess geht, spielten allesamt in knapp einem Jahr. 15 Anklagepunkte hatten sich angesammelt, die die junge Frau über ihre Anwältin alle einräumte – „soweit die Erinnerung vorhanden ist“, die ihr in einigen Fällen aber fehle. Weil „sie konsumiert alles, was ihr unter die Finger kam“. Ihre Mandantin schäme sich sehr, betonte Ciccotti. Selbst ergänzte die Angeklagte: „Ich hab einfach alles genommen, war immer auf ein paar mehr Sachen.“ Sie habe vor allem nicht zurück ins BKH gewollt, was Jennifer im März 2023 bei einen Polizeieinsatz völlig ausrasten ließ.
Polizistin in Arm gebissen
Als Polizisten die 22-Jährige damals auf einer Straße fanden, waren am Ende sechs Beamte, Pfleger und ein Arzt nötig, um sie zu bändigen. Zu wüstesten Beleidigungen schlug sie wie wild um sich und biss sogar zu. Nur weil die Polizeibeamtin eine dicke Lederjacke trug, entging sie einer ansteckenden Infektionskrankheit, die Jennifer hat. Und die offenbar bis heute völlig unbehandelt ist, wie ihre Suchttherapeutin schilderte. Ebenso wenig wie ein psychiatrisches Problem und die offenkundige Suchterkrankung.
Das will Jennifer angehen, obwohl ihre größte Angst ist, so Anwältin Ciccotti, dass am Ende des Prozesses eine Zwangsunterbringung drohen könnte. Davor hat die 22-Jährige Horror. Weil „auf der Straße“ die Rede davon sei, dass man erst wieder die Freiheit erblickt, wenn ein Arzt sagt, man sei therapiert. Eine Sorge, die ihr Amtsrichterin Weber zu nehmen versuchte. Befeuert wird die Angst wohl auch davon, dass die junge Frau auch in der bisherigen, freiwilligen Unterbringung kein adäquates Therapieangebot bekommen habe, wie die Betreuerin andeutete. Jennifer sei medizinisch unterversorgt und erst Anfang Oktober von heute auf morgen auf der Straße gelandet, weil die Klinik sie nach Regelverstößen binnen einer Stunde rausgeworfen habe.
Ein Anker im Leben der 22-Jährigen ist offenbar ihr neuer Partner. Bei dem lebt sie nun im Norden Deutschlands – weil sie nicht nach Regensburg zurück will. „Da gelingt es ihr einfach nicht, abstinent zu sein“, erklärte ihre Verteidigerin. Seitdem sie Bayern verlassen hat, scheine das zu funktionieren.
Therapie dringend nötig
An einer dringend nötigen Therapie allerdings wird die junge Frau wohl kaum vorbeikommen. Bestenfalls wird die weit weg vom alten Wohnort stattfinden. Die Weichen dafür scheinen bereits gestellt. Entscheiden muss das aber das Schöffengericht und abwägen, welche Strafe nötig ist, vielmehr aber, welche Hilfe die Angeklagte braucht. Dafür gibt es noch einen zweiten Prozesstag. Im November fällt das Urteil.