Mann (28) sticht in Regensburg auf Schwangere ein – Opfer mit Fleischergabel verletzt

Von André Baumgarten · 13. Februar 2024 um 11:16

In einer Tankstelle eskaliert am Sonntagabend ein Streit. Ein 28-Jähriger greift seine Ex von hinten an und verletzt die schwangere Frau mit einer Fleischergabel. Nun sitzt er in U-Haft. Das ist zur Tat im Stadtosten von Regensburg bisher bekannt.

Wieder erschüttert ein versuchtes Tötungsdelikt den Stadtosten: Mit einer Fleischergabel soll ein 28-Jähriger am späten Sonntagabend auf eine Schwangere eingestochen haben. Die Frau hatte zuvor bereits den Notruf gewählt, weil der Mann sie in einer Tankstelle angriffen hatte. Der mutmaßliche Täter sitzt nun wegen versuchten Mordes in U-Haft und schweigt – den Ermittlern der Regensburger Kripo liegen aber wohl Videos der Tat vor. Es ist zudem wohl nicht das erste Mal, dass der Mann gegen eine Frau übergriffig wurde.

Auch in diesem Prozess vor dem Landgericht geht es um einen versuchten Femizid, Tatort war Regenstauf: Prozess um Öl-Attacke – Googelte Angeklagter (33) nach dem Strafmaß für die eigene Tat?

Was die Mordermittler im aktuellen Fall bislang zusammengetragen haben, klingt nach einem versuchten Femizid. So wird es genannt, wenn ein Täter seine Partnerin töten will. Fest jeden dritten Tag stirbt in Deutschland so eine Frau – mehr als 100 Fälle waren es 2023. Am vergangenen Sonntag scheint es erneut in Regensburg passiert zu sein. Das mutmaßliche Opfer soll sich, so MZ-Recherchen, erst vor kurzem von dem 28-Jährigen getrennt haben. In einer Tankstelle im Stadtosten geriet das Ex-Paar kurz vor Mitternacht offenbar in Streit.

Zunächst soll der Mann die junge Deutsche beleidigt, bedroht und angespuckt haben. Als sie daraufhin hilfeschreiend vor ihm weglief, soll er sie zu Boden gestoßen, dann aber von ihr abgelassen haben. Wegen des Angriffs alarmierte die 26-Jährige ihre Chefin und wählte auch den Notruf – was den 28-Jährigen dann offenbar völlig ausrasten ließ. Er entriss der Frau das Handy und drückte mehrere Rückrufe weg. Ob das die Notrufzentrale war, ließ Polizeisprecherin Corinna Wild offen. Sie bestätigte den Vorfall auf MZ-Nachfrage aber.

Ermittler werten Videos aus – Überwachungskameras filmten Tat wohl

Das, was Kripo und Staatsanwaltschaft als versuchten Mord einstufen, wurde nach MZ-Informationen von den Überwachungskameras in der Tankstelle aufgezeichnet. Darauf soll zu sehen sein, wie die junge Frau versucht, sich in Richtung der Spielautomaten in Sicherheit zu bringen. Dort sollen zwei Männer zu Augenzeugen der Tat geworden sein. Der 28-Jährige soll unvermittelt eine sogenannten Fleischergabel auf seiner Jackentasche geholt und damit von hinten heftig auf seine Ex-Lebensgefährtin eingestochen haben. Der Stich verfehlte die Lunge nur knapp. Sie kam in ein Krankenhaus.

Besonders verwerflich erscheint die Tat vor dem Hintergrund, dass die 26-Jährige offenbar ein Kind von dem Mann erwartet. Nach seiner Festnahme und einer Spurensicherung wurde der Türke der Ermittlungsrichterin am Amtsgericht vorgeführt. Diese erließ Haftbefehl gegen ihn – unter anderem wegen versuchten Mordes aus Heimtücke. Zur Tat schwieg der 28-Jährige hier. Auch Strafverteidiger Shervin Ameri, der den Mann vertritt, machte keine Angaben.

Die Vorgeschichte des Tatverdächtigen wollte der Regensburger Jurist ebenfalls nicht kommentieren. Denn es soll nicht das erste Mal gewesen sein, dass der junge Türke gegen Frauen gewalttätig wurde. Vor einigen Jahren drohte er nach MZ-Recherchen offenbar seiner damaligen Frau, ihr mit einem Messer die Kehle zu durchtrennen, ehe er handgreiflich wurde. Acht Monate nach diesem Vorfall soll dieselbe Frau erneut zum Opfer geworden sein – wieder drohte er mit einem Messer, ehe er die Mutter seiner Kinder mit der Faust niederschlug. Geahndet worden war das mit einer Geld- und einer Bewährungsstrafe.

Tankstelle im Stadtosten von Regensburg wird zweites Mal zum Tatort

Erschreckend ist eine weitere Parallele, die aber Zufall sein dürfte: Die Tankstelle ist das zweite Mal in weniger als zehn Monaten zum Schauplatz eines mutmaßlichen Verbrechens geworden. Ende April 2023 war eine damals 23-Jährige dorthin geflüchtet, nachdem sie ein junger Burgweintinger in einem Waldstück nahe des Zolls vergewaltigt und zu töten versucht haben soll.

Am Landgericht in Regensburg läuft dazu seit Dezember der Prozess gegen einen 19-Jährigen. Er ist wegen versuchten Mordes angeklagt, was womöglich auch dem 28-Jährigen im Fall von Sonntagnacht droht. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagte Polizeisprecherin Wild.

Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Regensburg-Süd nahmen den Mann nach der Tat fest. Symbolbild: Daniel Reinhardt, dpa