Prozess um Öl-Attacke in Regenstauf – Googelte Angeklagter (33) nach dem Strafmaß für die eigene Tat?

Im Prozess gegen einen Manager, der seine Noch-Ehefrau mit heißem Öl übergossen haben soll, kommen neue Details zur Sprache – von einem iPad und einem iPhone. Beim Entsperren half der 33-Jährige den Datenspezialisten wohl unfreiwillig.
Er suchte online nach Schlagworten wie Auftragskiller, Insulin und Straferwartungen für Delikte, wie das Überschütten eines Menschen mit heißen Flüssigkeiten – im Prozess um die Öl-Attacke vom Mai 2023 sind am Freitag neue Details zu den Google-Suchen des angeklagten Managers ein Thema gewesen. Eines dieser Browserfenster auf dem iPad des 33-Jährigen war laut einer IT-Forensikerin sogar noch geöffnet, als das Gerät ausgewertet wurde. Dass den Spezialisten das überhaupt gelang, ist wohl einer Nachlässigkeit des Mannes zu verdanken.
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Wie die Sachverständige für forensische Datenanalyse und Geschäftsführerin des Dienstleisters Forensik IT in München vor dem Schwurgericht erklärte, wäre die Auswertung des besagten Apple-Geräts ohne den sogenannten Sperrcode kaum möglich. Alle Kombinationen dieses sechsstelligen Codes am Gerät zu testen, hätte demnach bis zu 17 Jahre gedauert.
Im Fall von Regenstauf sei es letztlich aber doch viel schneller gegangen. Denn: In der Cloud-Kopie eines anderen Smartphones, das beim Angeklagten sichergestellt worden war, fanden die Spezialisten Passwörter und fünfstellige Zahlenkombinationen. Die zehn möglichen Varianten der zusätzlichen sechsten Stelle entsperrten iPad und iPhone des 33-Jährigen.
Angeklagter hatte mehrere Versionen
Auch in Chat-Verläufen wurden die Mordermittler fündig, wie der Sachbearbeiter der Kripo in Regensburg schilderte. Dadurch sei man auf die Bekannten gekommen, denen der Angeklagte 10.000 Euro geboten haben soll, wenn sie seine Noch-Ehefrau mit Säure verletzten. Die lehnten jedoch ab. Was kurz danach in Regenstauf passierte, weckte laut dem Hauptermittler schnell Misstrauen bei den Beamten. Nicht zuletzt, weil der Angeklagte wohl mehrere Versionen präsentiert, warum er drei Liter heißes Öl über die damals 30-Jährigen schüttete.
Er sagte zu Zeugen und zur Ermittlungsrichterin beispielsweise, er wäre auf der letzten Stufe der Treppe gestolpert, schildert dann aber, bereits unten gewesen zu sein und die Tür mit Fuß aufgemacht zu haben. Auch die Begründung, warum er das Öl an jenem Freitag erhitzte, bekam sehr früh Risse: Camembert, den er für die Kinder frittieren habe wollen, fanden die Ermittler in der Küche nicht.
Widersprüche: Akten werden beigezogen
Im Prozess wegen versuchten Mordes haben die beiden Strafverteidiger Jörg Meyer und Georg Karl auch Widersprüche in den Aussagen der Noch-Ehefrau ausgemacht – was die damals 30-Jährige in mehreren Videovernehmungen geschildert hatte, weiche in Details zu Tatort und Begehung von dem ab, was sie zuletzt vor Gericht aussagte.
Deshalb sollen alle bisherigen Aussagen der Mutter von zwei Kindern, die Unterlagen einer Zivilklage sowie Akten des Familiengerichts vor der Schwurkammer nochmals näher behandelt werden. Bis dahin werden aber vorerst einige Tage vergehen: Der Prozess wird, wie geplant, erst am 21. Februar fortgesetzt werden.
Dann kommen auch zwei LKA-Sachverständige zu Wort, die eine Ablaufrekonstruktion der Öl-Attacke in Regenstauf erstellt haben. Zudem sollen Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten sowie seiner Noch-Ehefrau aussagen, darunter überraschend auch der Vater des 33-jährigen Angeklagten.
