Augenzeugen schildern im Prozess erschütternde Details zur Öl-Attacke in Regenstauf

Von André Baumgarten · 7. Februar 2024 um 19:00

Der Noch-Ehemann (33) steht wegen des Mordversuchs von Regenstauf (Landkreis Regensburg) vor Gericht. Ersthelfer schildern im Prozess die bangen Minuten jenes Freitags im Mai 2023 und nennen ungekannte Details.

„Sie hat so furchtbar geschrieben“, beschreibt eine Augenzeugin das, was am 12. Mai 2023 mitten in Regenstauf geschah. „Wie jemand, der panisch um sein Leben schreit“, schildert eine andere Frau die Situation. Minuten zuvor soll der Noch-Ehemann einer damals 30-Jährigen einen Topf heißes Öl über den Kopf geschüttet haben.

Dafür steht der Mann, dessen Gewinnerlächeln vom ersten Prozesstag mittlerweile einem ernsteren Blick gewichen ist, wegen versuchten Mordes in Regensburg vor Gericht. An Tag eins hatte das Opfer jenes Vorfalls über Stunden hinweg ausgesagt. Die Frau hat auch Monate danach mit ernsten und bleibenden Schäden zu kämpfen, wie dabei bekannt wurde. Sie belastet den Angeklagten schwer.

Der 33-Jährige wiederum will an jenem Freitag vor knapp neun Monaten gestolpert sein. Was seine Vermieterin und andere Ersthelfer gestern dem Schwurgericht schilderten, vermochte die Version des Mannes durchaus zu stützen: Mehrfach soll er nach dem Zustand der Noch-Ehefrau gefragt haben. Als die Sanitäter berichtet hätten, sie käme per Rettungshubschrauber in eine Klinik, „ist er fast kollabiert und brach in Tränen aus“. Der 33-Jährige habe geschockt und „sehr bestürzt“ gewirkt, umschrieben es Zeuginnen vor Gericht.

„Sieht die jetzt aus wie Kentucky Fried Chicken, oder was?“

Das soll der Angeklagte zu Sanitätern gesagt haben

Auf die vielen, teils selbstlosen Helfer wirkte das, was sich Mitte Mai in der Hindenburgstraße in Regenstauf abspielte, wie ein Unglück – wäre da nicht ein „echt seltsamer“ Satz gefallen: „Sieht die jetzt aus wie Kentucky Fried Chicken, oder was?“ Das fragte der Angeklagte die Sanitäter, während er mit seinen Kindern auf dem Schoß am Tatort im Treppenhaus saß. Die Kinder wurden bei der Öl-Attacke auf die Noch-Ehefrau ebenfalls verletzt. Als genau das, einen vorsätzlichen Angriff, ordneten Ermittler das Geschehen nämlich kurz nach der Tat ein.

Dass es Gewalt und Übergriffe gab, wusste die Polizei früh – die sind selbst vom früheren Wohnort der Familie in der Schweiz dokumentiert. Wahre Abgründe taten sich jedoch auf, als zwei Bekannte des 33-Jährigen auspackten, dass er ihnen 10 000 Euro angeboten haben soll, wenn sie der Mutter seiner Kinder Säure ins Gesicht schütten würden. In Chats mit beiden schrieb der Angeklagte am Abend vor der Tat, dass er „schon Gedanken hatte, die Fotze selbst zu erwürgen“.

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Laut Anklage soll der Mann aus Rache gehandelt und seine Noch-Ehefrau mit heißem Öl überschüttet haben, um sie für andere unattraktiv zu machen. Fünf OPs brachte die 30-Jährige seit dem Vorfall hinter sich, weitere folgen, weil gut 16 Prozent ihrer Haut verbrannt wurden. Ob überhaupt und welchem der drei angeklagten Mordmerkmale – Heimtücke, niedrige Beweggründe und Grausamkeit – das Schwurgericht folgen wird, muss sich zeigen.

Im Verfahren vor dem Regensburger Landgericht sollen auch belastende Google-Recherchen zum Thema werden, die IT-Forensiker wohl fanden. Dazu sind die Gutachten von der Rechtsmedizin, zur Spurenlage und Tatrekonstruktion sowie über den psychischen Zustand des Mannes vorgesehen.

Von der psychiatrischen Sachverständigen hängt für den Angeklagten sogar einiges ab: Das Schwurgericht hat auch die Gemeingefährlichkeit des Mannes zu prüfen. Die könnte entscheidend sein für eine dauerhafte Sicherungsverfahrung, auch über die Haftstrafe selbst hinaus. Spätestens Ende März soll ein Urteil fallen.