Mordversuch in Regenstauf: Schlug bei 32-Jährigem der Frust in Hass um?

Von André Baumgarten · 17. Mai 2023 um 17:00

Der Noch-Ehemann soll eine 30-Jährige mit heißem Öl überschüttet haben. Er verletzte auch seine Kinder – dank eines Zufalls wohl nicht so schwer. Nun gibt es erste Details und Hintergründe zu der unfassbaren Tat in Regenstauf.

Zum dritten Mal in diesem Jahr ist eine Frau in Stadt und Landkreis Regensburg das Opfer eines versuchten Femizids geworden – so wird es genannt, wenn sich Gewalt des eigenen Partners gegen Frauen richtet und sie sterben sollen. Anfang Januar wurden zwei 20 und 22 Jahre alte Frauen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen durch Messerstiche verletzt. Die Angreifer wurden verhaftet und warten auf ihre Prozesse.

Erste Details zum jüngsten Fall in Regenstauf scheinen darauf hinzudeuten, dass ein 32-Jähriger die Trennung nicht verkraftete. Er soll seine Ehefrau am Freitagnachmittag mit kochend heißem Öl übergossen haben. Auch die gemeinsamen Kinder, gerade ein und drei Jahre alt, wurden so verletzt – und hatten womöglich großes Glück. Davon zeugen die Spuren am Kinderwagen.

Anwohnern steht der Schock darüber, was sich am Freitag in einem Mehrfamilienhaus in Regenstauf abspielte, noch immer ins Gesicht geschrieben. Gegen 14.30 Uhr rasen drei Rettungswagen, Notarzt, Feuerwehr und Polizei zu dem Einsatzort. Mit einem Rettungshubschrauber kommt eine 30-Jährige lebensgefährlich verletzt in eine Spezialklinik. Mittlerweile besteht keine Lebensgefahr mehr. Es kommen früh Zweifel auf, dass das ein Unfall gewesen sein soll.

Spuren deuten klar auf vorsätzliche Tat gegen Ehefrau

Der Ehemann des Opfers will mit einem Topf voller heißem Speiseöl gestolpert sein und die getrennt lebende Frau sowie seine Kinder versehentlich überschüttet haben. Doch das Ganze geschah nicht in der Küche der ehemals gemeinsamen Wohnung, sondern im Treppenhaus. Und: Die Spuren am Tatort deuten aber auf einen ganz anderen Ablauf hin – dass der 32-Jährige die Tat geplant haben könnte. Deshalb sitzt er wegen versuchten Mordes in U-Haft.

Der schwarz-rote Kinderwagen lässt erahnen, wie viel Glück im Spiel gewesen sein könnte: Als die Spurensicherung den Buggy aus dem Mehrfamilienhaus holt, sind die großflächigen Ölflecken kaum zu übersehen. Darunter liegen noch der knallgelbe Entchen-Rucksack und Babyspielzeug. Womöglich bewahrte nur das vorgezogene Dach eines der Kinder vor schweren Verletzungen durch das heiße Öl.

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Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? „Kränkungen nach einer Trennung sind häufig der Auslöser solcher Taten“, sagte Psychiaterin Leila Badry. Einsamkeit und der Frust über das Verlassen werden könne bei Beziehungstaten bald in Ärger und Hass umschlagen. „Da reicht ein blödes Wort und es eskaliert“, erklärte Badry. Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hat als Sachverständige öfter mit Gutachten in ähnlichen Fällen zu tun. Über die wahren Hintergründe in Regenstauf könne aber auch sie derzeit nur mutmaßen, wie sie betonte.

Es gab eine Gewaltschutzanordnung mit Kontaktverbot

Doch auch hier gab es im Vorfeld eine Trennung, wie MZ-Recherchen zeigen: Vor wenigen Monaten war die 30-Jährige mit den beiden Kindern ausgezogen. Eine gerichtliche Gewaltschutzanordnung mit Kontaktverbot endete danach mit einem Vergleich wegen des Umgangsrechts für den Vater, war zu erfahren.

Laut der jungen Mutter soll es bereits früher zu häuslicher Gewalt gekommen sein. Daher entschied ein Gericht zunächst, dass der 32-Jährige sich ihr und den Kindern nicht nähern darf. Angezeigt hatte die Ehefrau besagten Vorfall, der womöglich schon länger zurücklag, aber wohl erst nach der Trennung im Frühjahr.

Nachbarn hingegen beschrieben das Paar als harmonische Familie, ihn als liebevollen Mann. Laute Worte oder gar Streit habe man von ihnen nie gehört. Der 32-Jährige arbeitete für einen Industriezulieferer aus Nordrhein-Westfalen, war seit Corona aber viel im Homeoffice. Die 30-Jährige hatte ein Faible für Make-up und pflegte einen eigenen Instagram-Kanal.

Was letztlich der Auslöser dieser unfassbaren Tat war, können nur der mutmaßliche Täter und das Opfer aufklären. Doch die 30-Jährige ist derzeit nicht vernehmungsfähig – und das wird sich höchstwahrscheinlich so bald nicht ändern, glauben die Mordermittler. Ihr Ehemann schweigt.

Die bei dem Vorfall nur leicht verletzten Kinder hat derweil das Jugendamt in Obhut genommen. Sie sollen vorübergehend in einer Pflegefamilie unterkommen.

Der Tatort im Treppenaufgang eines Mehrfamilienhauses in Regenstauf wurde von Mordermittler der Regensburger Kripo versiegelt. Foto: Baumgarten