Angriff mit Fleischergabel in Regensburg: 29-Jähriger soll vor Gericht

Seit Februar sitzt ein heute 29-Jähriger in U-Haft. Was an der Tankstelle im Stadtosten von Regensburg geschah, klingt nach Femizid: Der Türke soll seiner Ex eine Fleischergabel in den Rücken gerammt haben – weil sie sich getrennt und nach Handgreiflichkeiten den Notruf gewählt hatte.
Die Frau überlebte den Angriff, dem Mann droht nun lebenslänglich. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Mordversuchs und versuchten Schwangerschaftsabbruch gegen ihn erhoben. Das bestätigte das zuständige Landgericht in Regensburg.
Details dessen, was Regensburger Mordermittler in dem Fall zusammengetragen haben, sind mehr als verstörend. Das mutmaßlich Opfer erwartete ein Kind von dem Mann. Weil er wohl in seiner Ehre gekränkt war, dass sich die junge Frau offenbar nach Tätlichkeiten getrennt hatte, soll er sie erneut angegriffen, bespuckt, beleidigt und zu Boden geknallt haben. Die 26-Jährige wählte die 110 und informierte eine Kollegin, woraufhin der Ex zurückgekommen sein und ihr das Handy entrissen haben soll. Rückrufe soll er mehrfach weggedrückt haben, heißt es.
Schwer verletzt geflüchtet
Als erste Einsatzkräfte am Tatort eintrafen, fanden sie die 26-Jährige schwer verletzt nahe der Spielautomaten der Tankstelle. Dorthin hatte sie sich offenbar geflüchtet, weil sie sich bei zwei anwesenden Zeugen wohl sicherer fühlte. Weit gefehlt: Glaubt man der Anklage, war der 29-Jährige ihr gefolgt, hatte unvermittelt eine Fleischergabel aus seiner Jacke geholt und mit Wucht auf die Schwangere eingestochen. Die 20-Zentimeter-Zacken der Tatwaffe verfehlten die Wirbelsäule, die Lunge und das ungeborene Kind im Bauch der jungen Frau nur knapp. Sie war damals gerade in der 12. Woche.
Mit zahllosen Polizeistreifen und sogar per Hubschrauber wurde dann am frühen Morgen des 12. Februar im Regensburger Stadtteil Burgweinting nach dem 29-Jährigen gefahndet. Er war nach dem blutigen Angriff kurz vor Mitternacht geflohen, konnte aber nur wenig später gefasst werden. Das Amtsgericht erließ gegen ihn Haftbefehl wegen versuchten Mordes aus Heimtücke. Das jedoch scheint teilweise wieder vom Tisch zu sein. Mittlerweile gehen die Regensburger Ankläger von einem anderen Mordmerkmal Hintergrund aus. Auch aufgrund von Filmaufnahmen, die existieren.
Neben zwei Augenzeugen haben offenbar die Überwachungskameras der Tankstelle alles gefilmt. Nach Recherchen der Mediengruppe Bayern gibt es Videos mit allen schrecklichen Details der Tat. „Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe zur Last“, bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf Nachfrage. Zu den Details wollte sich der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft allerdings nicht äußern.
Kein unbeschriebenes Blatt
„Kein Kommentar“ hieß es dazu von Strafverteidiger Shervin Ameri, der den Beschuldigten vertritt. Fakt ist: Der 29-Jährige ist strafrechtlich kein unbeschriebenes Blatt. Auch das belegen MZ-Recherchen. Es war nicht das erste Mal, dass der junge Türke gegen Frauen gewalttätig wurde. 2019 und 2020 bedrohte und verprügelte er seine frühere Frau, schlug die Mutter seiner Kinder einmal auf der Jahninsel sogar bewusstlos. Dafür gab es erst eine Geldstrafe, dann sechs Monate auf Bewährung, die jedoch wegen Verstößen gegen Auflagen dann widerrufen wurde.
Für versuchten Mord, versuchten Schwangerschaftsabbruch und gefährliche Körperverletzung droht dem in Regensburg geborenen Mann lebenslange Haft. Landgerichtssprecherin Ruth Koller bestätigte nur den Eingang der Anklage. Das für solche Fälle zuständige Schwurgericht habe noch nicht über eine Zulassung der Anklage und Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden, betonte sie. Sofern das geschieht, dürfte der Prozess gegen den 29-Jährigen voraussichtlich im Oktober oder November starten.