Wirtshaussterben? Von wegen: In Hohenschambach öffnet der nagelneue Posthalter

Von Daniel Pfeifer · 23. September 2025 um 11:00

„Wir bauen für euch“, steht seit eineinviertel Jahren auf einem Bauzaun im Herzen von Hohenschambach (Landkreis Regensburg). An das alte Gasthaus „Zur Post“ baut die Wirtsfamilie Tischler einen imposanten, modernen Neubau mit Hotelzimmern – und geht damit aufs Ganze: Wo andernorts Wirte aufhören, setzen sie hier auf die touristische Anziehungskraft ihrer Heimat. Am Mittwoch eröffnet der Posthalter offiziell.

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Eine Woche vor der Eröffnung: Bettina Tischler sitzt vor einem Wust von Dokumenten, Listen und handgeschriebenen Zetteln. Durch die Speiseräume hallt das Surren von Elektrowerkzeug. Jagdhund Anton schlendert umher und hüpft auf die Seite, als Bettinas Mann vorbeihastet. Ein paar Sätze wirft Robert Tischler ihr zu, über die Abholung von Holzöl, dann verschwindet er in der Küche. Bettina Tischler fängt die Sätze auf, verstaut sie auf ihrer langen mentalen To-Do-Liste. Mit einem Grinsen überspielt sie die Aufgabenflut. „So geht das jeden Tag, seit eineinviertel Jahren.“

Vom kaputten Dach zum Hotel-Neubau

Es ist ein Mammutprojekt, das nach einer Bauphase in Rekordzeit am Mittwoch seinen Abschluss findet. Bereits in vierter Generation führen Robert und Bettina Tischler das Traditions-Wirtshaus „Zur Post“. Kurz bevor sie 2019 übernahmen, stand nach einer Überprüfung fest: Das Dach des alten Wirtsgebäudes muss saniert werden. Und wenn man das macht, kann man natürlich auch gleich den Innenraum erneuern. „Und dann ist eins zum anderen gekommen“, erzählt Bettina Tischler über die Entscheidung, neben der Sanierung auch noch gleich ein komplett neues modernen Hotelgebäude zu errichten – um die Zukunft des „Posthalters“, so der erneuerte Name der Post, zu sichern. „Es ist nimmer anders gegangen“, sagt sie. „Entweder wären wir kurz vor dem Zumachen oder wir machen alles neu.“

Bettina und Robert Tischler halten den Laden am Laufen – sie ist Hotellerie-Expertin, er Küchen-Experte. - Foto: Nathalie Ferstl

Das Ehepaar Tischler hat beste Voraussetzungen: Bettina Tischler ist gelernte Hotelfachfrau, Robert Tischler ist gelernter Koch. Die beiden arbeiteten schon in vielen Hotels und Restaurants und sogar eine Zeit lang gemeinsam in einem Hotel am Chiemsee. All diese Erfahrung soll jetzt einfließen in den neuen Posthalter, der neben einem modernen Restaurant nun auch Fremdenzimmer in verschiedenen Größen, teils auch barrierefrei, anbietet.

„Wir sind sehr froh, wenn jetzt Eröffnung ist“, sagt Bettina Tischler. Viel Eigenleistung haben sie, Robert und ihr Sohn, ebenfalls Koch, in die Sanierung gesteckt. „Im Moment sind sie mehr Bauarbeiter als Köche“, sagt sie und lacht. Leckere Speisen zu zaubern, soll bald für die beiden Köche auf einem ganz neuen Niveau möglich sein. Die alte Küche im Veitl-Saal, gelegen auf der anderen Straßenseite, ist längst zu klein, sagt Robert Tischler. Im Neubau hat der Koch sich jetzt ein Reich nach seinen Träumen geschaffen, mit viel Platz und modernsten Geräten bis hin zum Ofen mit KI-Funktionen. Dort will er nun saisonale Gerichte kochen, fernab von festen Speisekarten. „Gestern zum Beispiel kam ein Hirsch aus Parsberg. Deswegen gibt's jetzt Hirsch“, sagt er. Für Hotelgäste wiederum bieten die Tischlers ein Frühstücksbuffet.

Hohenschambach und die Region halfen mit

Regional ist nicht nur das Essen, regional waren auch die Baufirmen, die den Neubau des Posthalters errichteten – von Holzbau Semmler aus Hemau bis zum Elektriker aus Hohenschambach selbst. Allesamt kamen sie aus der Umgebung, betont Bettina Tischler. „Das war uns wichtig. Und da hat uns auch keiner hängen lassen.“ Mehr noch: die Holztische im Gastraum sind aus eigenen Eichen geschreinert, die Decke besteht aus Holzbrettern des alten Pferdestalls und die Wärme kommt aus der Hackschnitzelheizung mit eigenem Holz.

Posthalter-Chef Robert Tischler legt als Koch großen Wert auf das Essen. - Foto: Nathalie Ferstl
Modern und rustikal: Das Holz an der Decke stammt von einem alten Pferdestall der Familie. - Foto: Nathalie Ferstl
Zimmer in diversen Größen gibt es nun in Hohenschambach. - Foto: Nathalie Ferstl

Ob Gäste diese Regionalität und die viele Herzens-Arbeit der Familie wertschätzen, wird sich zeigen. „Du weißt nie, was dann auf dich zukommt“, sagt Bettina Tischler. Der alte Veitl-Saal soll rein für Veranstaltungen, Hochzeiten oder große Gruppen geöffnet werden, für den normalen Wirtshaus-Besuch ist der Neubau da. Doch für wen sind die Fremdenzimmer im doch sehr ländlichen Hohenschambach mit seinen 1668 Einwohnern gedacht? Bettina Tischler hofft hier unter der Woche auf Vertreter und am Wochenende auf Radreisende oder Städtetouristen, die hier in direkter Nähe zu Regensburg und Kelheim Halt machen. Dabei wolle man nicht nur auf die idyllische Lage, sondern auch auf einen günstigen Übernachtungspreis setzen.

All das werde aber sicher nicht von heute auf morgen gehen, sagt Bettina Tischler. Ohnehin: Fertig ist die Familie noch nicht ganz. Einerseits beginnt nun für sie jetzt der Arbeitsalltag sieben Tage die Woche. Andererseits ist die Sanierung des Hauptgebäudes noch nicht völlig abgeschlossen. Das Dach zum Beispiel, eigentlich Auslöser für alles, muss noch gemacht werden. Erst einmal wird die Familie aber nun feiern, sagt Bettina Tischler und lächelt. „Mit einem schönen Abend, vielleicht mit einem Vier- oder Fünf-Gänge-Menü. Da wird sich mein Mann schon was einfallen lassen.“