Heute Wiese, morgen Sportstätte: Hier bauen die Scambah-Schützen ihre neue Heimat

Von Daniel Pfeifer · 29. April 2025 um 11:00

Andere Vereine kämpfen mit Mitgliederschwund oder Überalterung, in Hohenschambach (Landkreis Regensburg) haben die Scambah-Schützen so viel Nachwuchs, dass der Platz hinten und vorne ausgeht. Jetzt geht der Verein aufs Ganze und baut für fast eine Million Euro ein nagelneues Schützenheim. „Du muss nach vor schaun, es hilft ja nix“, sagt Schützenmeister Georg Pschierl.

Noch ist es eine saftige grüne Wiese – schon bald soll hier jedoch geschossen werden. Auf dem dreieckigen Grundstück zwischen der Feuerwehr Hohenschambach und dem Fußballplatz, Adresse „Am Kreuz“, plant der Schützenverein Scambah sein neues Zuhause. Aktuell ist dies noch im Obergeschoss des Gasthofs zur Post im Veitl-Saal. Seit 1985 wird dort geschossen. Immer wieder wurde modernisiert. „Wir haben zwar schon schöne elektronische Stände, aber der Platz reicht hinten und vorne nicht“, sagt Georg Pschierl. „Sehr eingeengt“ sei der Verein. Und auch die Lagerräume, zwischen Dämmplatten im hölzernen Dachstuhl, bei dem man sich hinter jeder Ecke gleich den Kopf an einem Balken anhauen kann, gewinnen nicht gerade einen Schönheitspreis.

Jugend hat in Hohenschambach stark angezogen

Wenn am Freitag Training ist, können schonmal 20 bis 25 Jugendliche im Schützenheim sein. Sie müssen sich dann abwechseln. - Foto: Daniel Pfeifer

Wie beengt der Verein ist, merkt man zum Beispiel an einem Freitagnachmittag. Wenn dann nacheinander die verschiedenen Altersklassen trainieren, kann es schonmal ordentlich voll werden. „Teils 20 bis 25 Jugendliche sind dann da“, sagt Jugendleiterin Sandra Wolf. Es mache zwar Spaß, sei aber auch ein ganz schönes Gewusel. „Wir brauchen wirklich mehr Platz“, sagt sie. Insgesamt gibt es schließlich nur sechs Schießstände. Dementsprechend müssen sich die Kids abwechseln. Das ist zwar nicht so schlimm, erzählt die zehnjährige Marie Karl, denn dann spiele man eben Karten oder male im Nebenraum, „aber es wird schon ein bisschen kuschelig“. Drum hofft sie schon bald auf etwas mehr Platz, vor allem auch zum Bogenschießen. Drinnen kann man nämlich nur Pistole oder Gewehr schießen. Einen Bogenplatz gibt es gar keinen, mobile Scheiben müssen im Sommer jedes Mal wieder am nahen Sportgelände aufgebaut werden.

Nun also hat der Verein entschieden: So kann es nicht weitergehen. Ein eigenes Schützenheim soll her mit deutlich mehr Kapazität. 26 Meter lang und 14 Meter breit soll das Gebäude werden, zwölf Schießstände auf 170 Quadratmetern Fläche sowie Umkleiden, Warteraum, Lager und (barrierefreie) Toiletten beinhalten. Außen kommt dann noch ein teilüberdachter Bogenplatz mit drei Schießständen dazu. Der Baustart ist für September geplant. All das wird, so schätzt Georg Pschierl, rund 940.000 Euro kosten.

Wolfgang ist erst sechs Jahre alt und braucht noch einen Holzschemel zum Schießen. Dass er so jung schon mitmachen kann, ist den neuen Lichtgewehren zu verdanken. - Foto: Daniel Pfeifer

Bayern und Stadt Hemau helfen mit

„Allein könnten wir das natürlich nie schaffen“, sagt Pschierl. Die Hälfte der Bausumme übernimmt dabei der Bayerische Sportschützenbund, 20 Prozent schießt noch die Stadt Hemau hinzu, wie der Stadtrat im Februar einstimmig entschied. „Unsere Vereine sind das gesellschaftliche Rückgrat unserer Gemeinde. Wenn man sieht, was das Schützenheim, was sicher kein Prunkbau wird, an Geld kostet, ist es für unsere Vereine unabdingbar“, plädierte Stadtrat Florian Meyer (CSU), der selbst Hohenschambacher ist. Auch seine Ratskollegen stimmten dem zu, Christine Lammert (FW) lobte die „massive Eigenleistung“ des Vereins beim Bau, Marianne Meyer (SPD) lobte die Schützen für den großen Schritt und kündigte an, dass die Stadträte die neuen Schießanlagen dann auch gerne ausprobieren wollen.

Dass die Scambah Schützen diesen großen Schritt überhaupt gehen können, hängt auch mit der positiven Entwicklung des Vereins zusammen. 230 Mitglieder sind aktuell dabei, eine Steigerung von über 20 Prozent seit 2019. Im Jahr 2023 war Scambah, so erzählt Pschierl stolz, sogar der Verein mit dem meisten Zuwachs im gesamten Juragau. Selbstverständlich ist das keineswegs. So manch andere Schützenvereine wie Hainsacker, Neutraubling oder Brennberg klagten zuletzt über zurückgehende Mitgliederzahlen, wenig Jugendliche oder wenig Leben an den Schießständen. 2023 resümierte die Schützensektion Labertal ein Minus bei Jungschützen von 50 Prozent seit der Vor-Corona-Zeit. „Da gilt es, jetzt massiv gegenzusteuern“, sagte damals Jugendleiter Thomas Schmid.

Die Jugendlichen freuen sich schon, wenn hier bald ihr neues Schützenheim entsteht. - Foto: Daniel Pfeifer

Jugend trägt den Verein in Hohenschambach

Zu verdanken habe man das rege Jugend-Vereinsleben vorausschauendem Handeln der Vorstandschaft, sagt Jugendleiterin Sandra Wolf. So wurden vor einigen Jahren Lichtgewehre angeschafft, dank denen schon Kinder ab sechs Jahren schießen können. „Unsere Vorstandschaft hat immer geschaut, dass die Jugend gefördert, unterstützt wird. Nicht nur beim Schießen, sondern auch die Gemeinschaft – mit Ausflügen, Grillfest, Gaudibiathlon“, sagt Wolf. So seien es oft die Kinder selbst, die wiederum andere ansprechen und zum Verein locken. „Manche springen wieder ab, aber viele bleiben dabei“, sagt Wolf.

Einen positiven Effekt haben auch Bogen- und Blasrohrschießen, vergleichsweise neue Schießarten, die jedoch viele junge Menschen anlocken. Bislang jedoch gab es keinen Platz für sie – nur mobile Scheiben, die im Sommer neben den Fußballplatz geschleppt werden mussten. Bald schon ist das Geschichte, dann hat Hohenschambach einen richtigen, festen Platz. Ja, es ist ein großer Schritt, sagt Schützenmeister Georg Pschierl. „Aber du muss nach vor schaun, es hilft ja nix.“