Prozessstart in Regensburg: Überführte Leichtsinn die Kupfer-Diebe?

Sechs Männer sollen von Baustellen Tonnen von Buntmetall gestohlen haben. Angeklagt sind sie wegen schweren Bandendiebstahls. Zum Prozess-Auftakt wurde stundenlang über Deals diskutiert.
Sie sollen mehrere Großbaustellen in und um Regensburg heimgesucht und tonnenweise Kupfer und Werkzeuge gestohlen haben – dafür stehen seit gestern sechs Männer vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen schweren Bandendiebstahl vor.
Die Angeklagten sollen mehr als 310 000 Euro Beute gemacht haben. Zum Prozessauftakt stellte das Landgericht den Angeklagten Haftstrafen von eineinhalb Jahren bis drei Jahren und vier Monaten in Aussicht, wenn sie Geständnisse ablegen. Zu einem Deal kam es zunächst aber nicht.
Verteidiger kündigen Geständnisse an
Mehrere Stunden hatten die Verteidiger, Staatsanwalt Wolfgang Schirmbeck und das Gericht ohne Öffentlichkeit eine mögliche Verständigung genau erörtert. Im Wesentlichen wurde dabei neben dem möglichen Strafmaß auch die Zurechnung einzelner Taten diskutiert. Nur zwei der sechs Angeklagten signalisierten über ihre Verteidiger bereits Zustimmung zum Vorschlag des Gerichts. Die übrigen schlossen einen Deal jedoch nicht aus. Sie wollten Bedenkzeit bis zum nächsten Sitzungstermin am Dienstag.
Lesen Sie dazu auch: Monatelange Ermittlungen – Dreiste Kupfer-Diebe waren Profis
Laut der Anklageschrift ist die mutmaßliche Kupfer-Bande für professionell organisierte Einbrüche zwischen Februar und Mai 2022 verantwortlich sein. 17 Fälle haben die Ermittler gegen die 29 bis 40 Jahre alten Männer zusammengetragen. Was Bauarbeiter tagsüber verbauten, sollen die mutmaßlichen Täter über Nacht mit teils brachialer Gewalt aus den Wänden gerissen haben.
Zugeschlagen hatten die Männer laut Anklage in Neubaugebieten; oft auch mehrfach. Im Regensburger Kasernenviertel verschwanden beispielsweise von einer einzigen Großbaustelle in mehreren Nächten mindestens sieben Kilometer Kupferkabel im Wert von allein fast 80 000 Euro.
Als Drahtzieher der nun angeklagten Kupfer-Bande hatten die Ermittler einen 29- und einen 35-Jährigen ausgemacht. Sie sollen die Köpfe der Gruppe gewesen sein, die Mietautos für alle Einbrüche organisiert und Lagerflächen in Obertraubling sowie Regensburg bereitgestellt haben. Fündig wurden Ermittler auch in einer Halle in Regenstauf sowie einem Container in Wenzenbach.
Täter hatten Profigerät für die Weiterverarbeitung
Wurde die Beute nicht direkt an Tatorten abisoliert, soll das in den angemieteten Hallen geschehen sein. Danach soll das Buntmetall über Strohleute bei regionalen Schrotthändlern zu Geld gemacht worden sein. Zudem sollen die Bosse alle Zielobjekte ausgespäht haben.
Womöglich war sich die Kupfer-Bande ihrer Sache viel sicher: Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, kam man den Drahtziehern durch die Kennzeichen von Mietwagen auf die Schliche. Also überwachten Ermittler eine Vielzahl von Telefonen und observierten die Männer eine längere Zeit.
Hier lesen Sie weitere Hintergründe: Mehr als 310.000 Euro Beute – „Kupfer-Bande“ soll in Regensburg vor Gericht
Durch die umfangreichen Ermittlungen konnten insgesamt zwölf Verdächtige ausgemacht werden. Bei einer ersten Razzia im Sommer 2022 fand die Kriminalpolizei die speziellen Abisolier- und Schneidemaschinen und stellte sie sicher. Vier der jetzt Angeklagten kamen in Untersuchungshaft.
Zweite Razzia der Kripo fand im August statt
Das schien ihre Komplizen jedoch nicht sonderlich zu beeindrucken. Denn die Diebstahlserie ging weiter – bis zu einem zweiten Zugriff Ende August. Dabei wurden zwei weitere Männer verhaftet. Auch ihnen soll die Telefonüberwachung zum Verhängnis geworden sein, hieß es.
Doch so professionell die Diebe einerseits vorgingen, so nachlässig waren sie offenbar auch: Bei Durchsuchungen sollen Beweise gefunden worden sein, die den Verkauf des Kupfers dokumentierten – offenbar wurden die Wiegebelege der Beute sauber aufbewahrt.
Mit dem Einstieg in die Beweisaufnahme wollte der Vorsitzende Richter Thomas Zenger aber noch warten, bis die Verständigungsgespräche abgeschlossen sind. Der für gestern geladene Kripo-Sachbearbeiter des Falls soll nun erst später vernommen werden. Der Prozess wird am 16. Mai fortgesetzt.