Pilotprojekt in Arbeit: Ein autonomer Bus fährt bald in Regensburg im Linienverkehr

Zwei Jahre lang drehte Emilia im Regensburger Gewerbepark ihre Runden. Selbstständig, zumindest mehr oder weniger. Emilia hießen die beiden Test-Busse des Stadtwerks für autonomes Fahren. Im kommenden Jahr soll ein neues Pilotprojekt einen selbstfahrenden Bus auf deutlich höherem Level testen: nicht mehr im recht übersichtlichen Straßenraum des Gewerbeparks, sondern im realen Linienbetrieb.
Zur Sprache kam das Thema autonomes Fahren in einer Sitzung des Planungsausschusses auf Antrag der CSU. Man wolle selbstfahrende Verkehrsmittel im ÖPNV nicht von heute auf morgen einführen, erläuterte Dagmar Schmidl, sondern Rahmenbedingungen prüfen lassen: betriebliche und infrastrukturelle Voraussetzungen, entstehende Kosten und Verfügbarkeit von Fördermitteln sowie das Vorgehen anderer Städte.
Busse für über 15 Fahrgäste sind angedacht
Das Stadtwerk ist dabei der CSU-Fraktion schon einen Schritt voraus. Geschäftsführer Manfred Koller verkündete, dass ein Nachfolge-Projekt für Emilia in Zusammenarbeit mit der Regensburger Automobil-Software-Firma AVL in Arbeit sei. „Wir wollen auf Midi-Busse setzen für 15 Personen oder mehr“, informierte Koller. Aktuell sei man im Austausch mit dem Hersteller. „Da müssen wir an Daten ran, die die nicht so gerne freigeben.“ Im Anschluss müsse der Bus für die selbstständige Fahrt umgebaut und ausgerüstet werden, erläuterte der Stadtwerk-Chef: „Dann gehen wir auf Linie im nächsten Jahr.“
Suche nach der Strecke läuft
Wo der Bus ohne menschlichen Fahrer unterwegs sein wird, ist noch nicht klar. „Im Moment wird noch getüftelt und abgesteckt, welche Route dafür geeignet ist“, sagte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Koller sprach von drei Strecken in genauerer Untersuchung, von denen es eine auszuwählen gelte. Auf MZ-Anfrage erläutert Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk: „Dabei handelt es sich um potenzielle Routen in quasi allen Stadtbereichen.“ Denkbar seien Tangentialverbindungen, also Routen zwischen zwei Stadtteilen, oder der Einsatz in einem Neubaugebiet.
Die Verwaltung sieht laut Maltz-Schwarzfischer gute Anwendungsfelder und Potenziale in der Stadt. „Deswegen möchten wir auch weiter Tests in Regensburg machen“, führte sie aus. Zentrales Ziel des Projekts müsse sein, dass man Level vier des autonomen Fahrens erreicht, dass man also ohne Fahrpersonal auskommt, der Bus tatsächlich eigenständig unterwegs ist. Erst wenn die bestehenden technischen und rechtlichen Hürden überwunden seien, stelle es einen Mehrwert dar.
Autonomes Fahren, Level vier: Kein Operator an Bord
Auf diesem Level vier soll sich das Projekt laut Gottschalk bewegen. Ohne Fahrer oder Operator soll sich der Bus selbstständig durch den Stadtverkehr bewegen – anders noch als die Emilia-Busse im Gewerbepark, bei denen ständig ein Operator mit an Bord war. Aktuell laufe noch die Vorprüfung, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll, sagt Gottschalk. „Danach geht es in die Projektphase, in der dann auch Themen wie die Finanzierung zu klären sind.“ Ab wann der selbstfahrende Bus dann tatsächlich im Linienverkehr an den Start geht, lasse sich aus heutiger Sicht noch nicht sagen. In ihrem Antrag nennt die CSU Hamburg als leuchtendes Vorbild in Sachen autonomes Fahren. Ab 2026 seien dort Fahrzeuge selbstständig unterwegs, allerdings bloß E-Bullis von VW mit bis zu vier Sitzplätzen, also mit Emilia vergleichbare Mini-Busse. Für Planungsausschussmitglied Irmgard Freihoffer (BSW) ist diese Fahrzeuggröße vielleicht für die letzte Meile sinnvoll, nicht aber für den ÖPNV.
Stadtbahn-Streit lodert wieder auf
In der Debatte loderte der Grundsatz-Streit um das künftige ÖPNV-Konzept der Stadt neu auf. Benedikt Suttner (ÖDP) rekapitulierte: „Die CSU hat erst für die Stadtbahn gestimmt, hat sich dann vom Acker gemacht, hat eine Veranstaltung gemacht zu Alternativen und das war letztendlich das autonome Fahren.“ Es sei aber bei jener Veranstaltung schon dargestellt worden, dass das kaum möglich beziehungsweise auf abgesteckte Bereichen beschränkt sei.
Michael Achmann-Denkler (Grüne) hält es für „gut und sinnvoll, neue Technik auszuprobieren“. Dass ein Antrag dazu aber von der CSU komme, habe ihn schmunzeln lassen. Ein großer Wurf für die Stadtmobilität sei der erst mal nicht. Drastischer formulierte es Florian Rottke (Brücke): „Das ist nicht nur kein großer Wurf, das ist ein Schaufensterantrag.“ Der Prüfantrag der CSU sei abzulehnen. Das geschah letztlich auch.
Überwindet mal euer Trauma mit der Stadtbahn, Leute. Ihr habt verloren.
Michael Lehner, CSU, in Richtung der Stadtbahnbefürworter im Planungsausschuss
CSU-Fraktionsvorsitzender Michael Lehner giftete zurück: „Überwindet mal euer Trauma mit der Stadtbahn, Leute. Ihr habt verloren.“ Der CSU gehe es nicht um ein Ersatzkonzept, sondern um eine Prüfung des autonomen Fahrens. Das mache die Verwaltung mit dem anstehenden Pilotprojekt ohnehin, stellte Maltz-Schwarzfischer klar.
Wir haben perspektivisch nicht mehr für jedes Fahrzeug, das wir irgendwo hinschicken wollen, auch einen Fahrer zur Verfügung.
Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Oberbürgermeisterin (SPD)
Es gehe damit zum einen um Wirtschaftsförderung, dass man Forschung einer innovativen Technik unter Realbedingungen und nicht nur am Bildschirm ermögliche. Zum anderen müsse durch autonom fahrende Busse ein Mehrwert für den ÖPNV untersucht werden. Kann der Takt in weniger häufig angefahrene Stadtteile erhöht werden? „Und wir haben perspektivisch nicht mehr für jedes Fahrzeug, das wir irgendwo hinschicken wollen, auch einen Fahrer zur Verfügung“, stellte Maltz-Schwarzfischer klar. Möglicherweise können die Fahrzeuge bald ohne Fahrer losgeschickt werden.