Kranke Mutter schildert Vorfall bei Mini-Regensburg: Stadt entschuldigt sich – bleibt aber hart

Wer bei Mini-Regensburg mitmachen will, muss erst mal: warten. Jeden Morgen säumt eine lange Schlange das „Stadtgebiet“ rund um die Willi-Ulfig-Mittelschule, die Grundschule für Vielfalt und Toleranz, die Albert-Schweitzer-Realschule sowie die Städtische Sporthalle Nord. Was Christina Imlohn und eine befreundete Mutter dort erlebt haben, lässt die beiden fassungslos zurück.
„Wir haben beide Multiple Sklerose und können nicht so lange stehen“, schildert Imlohn der MZ. „Meine Freundin humpelt, ich laufe am Stock.“ Daher habe ihre Freundin am Dienstag einem Mitarbeiter ihren Schwerbehindertenausweis gezeigt und ihn gefragt, ob es in Ordnung sei, durchgewunken zu werden. Das sei kein Problem, habe der Mann den Müttern versichert. Am Mittwoch seien die beiden wieder durchgelassen worden. Am Donnerstag jedoch, da habe eine Mitarbeiterin zu den Kindern der befreundeten Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, gesagt: „Morgen stellt ihr euch gefälligst hinten an, Eure Mutter ist behindert, aber ihr nicht.“ Das habe für Tränen bei einem der drei Kinder – sie sind zwischen acht, neun und zehn Jahre alt – gesorgt.
Daraufhin sei es Imlohn zufolge zu einer „langen und unverschämten“ Diskussion mit zwei der Mitarbeiter gekommen. „Sie schauen ja gar nicht krank aus“, habe sich die befreundete Mutter anhören müssen. „Eine Frechheit“, sagt Imlohn. Die Mitarbeiter der Spielstadt blieben laut den Schilderungen der Mutter dabei: Kein Durchlass mehr. Jemand anders solle sich mit den Kindern anstellen, soll der Rat gelautet haben.
Mini-Regensburg: Mütter wollen Vorfall so nicht stehen lassen
Die beiden Mütter wollen das so nicht stehen lassen. Sie riefen bei mehreren Stellen der Stadt an, um sich zu beschweren. Imlohn berichtet von einem „sehr unschönen Gespräch“ mit einem Vertreter des Amtes für kommunale Jugendarbeit. Am Schwerbehindertenausweis könne man nicht ablesen, ob jemand in der Lage sei, sich anzustellen oder nicht, sollen die Mütter Imlohn zufolge zu hören bekommen haben.
„Es ist sehr bedauerlich, dass es hier zum Start der Spielstadt zu einem Missverständnis gekommen ist, das (...) korrigiert werden musste“, schreibt die Stadt in einer Stellungnahme an die MZ. „Für diese Unannehmlichkeit entschuldigt sich die Stadt!“ Doch die Regeln für die Kinderstadt seien „für alle gleich“: Ausschließlich Kinder mit Behinderung würden bei Mini-Regensburg unterstützt und betreut.
Das rät die Stadt betroffenen Eltern
Für elf Kinder sei bis Freitag eine Unterstützung beziehungsweise eine Begleitperson angefordert worden, teilt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra mit. Das Amt für kommunale Jugendarbeit arbeite dabei mit Phönix e. V. und der Offenen Behindertenarbeit der Caritas zusammen.
Eltern, die aufgrund einer Behinderung Unterstützung benötigen, rät von Roenne-Styra, vor Beginn von Mini-Regensburg auf die zuständigen Stellen zugehen, um Unterstützungsangebote abzurufen. Für Imlohn dürfte das ein schwacher Trost sein. Am Freitag stellte sie sich übrigens wieder an – mit einem Klappstuhl.