Regieren mal anders: Die Kinder-Stadt läuft in Regensburg auf Hochtouren

Zum Start von Mini-Regensburg gab es heuer extrem viele Einbürgerungen – das sorgte für lange Schlangen. Mehr als 1500 Kinder sind dennoch begeistert und wählen am Donnerstag ihren Bürgermeister. Eine MZ wird auch jeden Tag produziert.
Von Florian Beibl und Elias Reichart
Innerhalb der Grenzen von Mini-Regensburg läuft der Betrieb der Stadt auf Hochtouren. Die acht- bis zwölfjährigen Bürger der Stadt arbeiten eifrig für ihre Ratiserl – die stadteigene Währung. Vom Polizisten bis zum Chemiker sind für die Kinder alle Möglichkeiten offen. Auch fürs Studieren an der Mini-Uni verdienen sie sich etwas dazu.
Am Nachmittag läuft die Redaktion der MZ – Mini Zeitung – ebenfalls auf Hochtouren. Der zehnjährige Noah sagt: „Ich habe jetzt den ganzen Tag Zeitung gemacht und will noch Bürgermeister der Stadt werden.“ Nur wer bereits Vollbürger ist, kann sich zur Wahl am Donnerstag aufstellen lassen. Für diesen Titel müssen die Kinder mindestens vier Arbeitseinheiten à 45 Minuten und zwei Vorlesungen an der Universität absolvieren.

Mini-Regensburg ist ein Ferienprogramm, in dem Kinder aus der Umgebung drei Wochen lang in einem simulierten Regensburg spielen können. Dabei sollen sie erste Eindrücke sammeln, wie es im späteren Leben abläuft – sogar Steuern müssen gezahlt werden. Verdientes Geld kann nach den Arbeitseinheiten zur Freizeitgestaltung ausgegeben werden. Hier stehen Essen, Kino oder sogar ein Spielkasino zur Auswahl. Der Schauplatz der Spielstadt ist das Schulzentrum an der Isarstraße. Am Montag war das gesamte Gelände trotz Regens voll mit engagierten Kindern.
Ansturm zur Eröffnung
Der erste Tag des Projekts beginnt mit einem riesigen Ansturm auf die Mini-Stadt. Durch den ganzen Albert-Schweitzer-Park bildet sich eine Schlange mit Hunderten Kindern und ihren Eltern, die bei regnerischem Wetter auf die Anmeldung im Einwohneramt warten. „Um neun Uhr waren wir in der Schlange und um halb zwölf war ich drin“, berichtet Alexander (10), der zum ersten Mal an Mini-Regensburg teilnimmt.
Auch beim Arbeitsamt, wo den frischen Bürgerinnen und Bürgern ihre Arbeitsstellen vermittelt werden, und der Bank – hier werden Startgeld und Lohn ausgezahlt – bilden sich lange Schlangen mit Wartezeiten. Mehr als 1500 Kinder seien gekommen, erzählt Jakob Pfreimer, einer der Leiter des Projekts. Damit habe er auch nicht gerechnet, die Mini-Stadt habe aber noch Platz für mehr. Ab dem zweiten Tag soll es auch schneller gehen, da erheblich weniger Bürokratie anfalle.
Ich finde es sehr cool, dass Kinder hier schon wählen dürfen. Und auch, dass sich im Krankenhaus um echte Verletzungen gekümmert wird.
Sophie (10), Pressestelle von Mini-Regensburg
Zur Eröffnung der Spielstadt ist sogar Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer nach Mini-Regensburg gekommen. Begleitet von einer Mini-Polizeieskorte findet sie sich im prall gefüllten Mampfenden Maulwurf – dem zum Restaurant umgebauten Mensasaal – für eine Begrüßungsrede ein.
Dann folgt der Höhepunkt der Veranstaltung: „Symbolisch werden die zwei gekreuzten Stadtschlüssel überreicht“ an zwei ehemalige Stadträte von Mini-Regensburg. Im Anschluss bietet die Bühne noch Platz für eine kurze Aufführung der Theaterwerkstatt über Demokratie und eine Tanzeinlage der Tanzwerkstatt. Auf die Übergabe der Schlüssel folgte eine Tour mit der Oberbürgermeisterin und Stadtrat Alexander Irmisch durch Mini-Regensburg.
Zum Feierabend ins Kino
Fleißig arbeiten die Kinder in den verschiedensten Branchen: Unter anderem gibt es eine Erste-Hilfe-Stunde für die Feuerwehr, Experimente im Chemielabor und Brückenbauen im Architekturbüro mit Hilfe von OTH-Studenten. Auch Freizeitaktivitäten sind gut besucht und die Kunden werden von Kindern mit Essen versorgt. Wenn man nach Feierabend oder nach der Mini-Uni-Vorlesung Lust auf einen Film hat, kann man sich für vier bis sechs Ratiserl einen Platz im Kinosaal sichern.

Trotz der Startschwierigkeiten zeichnet sich Mini-Regensburg schon jetzt als Erfolg ab. Alexander meint, das Warten habe sich gelohnt und er wird auf jeden Fall wiederkommen. Dem stimmen auch Noah und Sophie zu. Bei besserem Wetter erwartet Jakob Pfreimer auch etwas weniger Teilnehmer.