Im Zentrum von Regensburg wird es zu heiß: Diese Stadt macht es besser

Die Sommer werden immer heißer, auch in Regensburg. Die Innenstadt heizt sich auf, nächtliche Abkühlung bleibt gerade in heißen Sommern oft aus. Eine Ursache: die dichte mittelalterliche Bebauung, wenig Grün, aber viele versiegelte Flächen. Die Stadt arbeitet am Gegensteuern – Vorbilder gibt es.
Die Sommer werden immer heißer, auch in Regensburg. Zumindest zitiert das stadteigene Online-Magazin „Nah dran“ eine Klimaresilienz-Managerin mit diesen Worten: „Der Klimawandel hat auch hier bei uns in Regensburg spürbare Auswirkungen in Form von steigenden Temperaturen.“ Die Innenstadt heizt sich auf, nächtliche Abkühlung bleibt gerade in heißen Sommern oft aus. Eine Ursache: die dichte mittelalterliche Bebauung, wenig Grün, aber viele versiegelte Flächen. Die Stadt arbeitet am Gegensteuern – Vorbilder gibt es. Beispiel Augsburg: Die Stadt hat früh begonnen gegenzusteuern. Das bestätigen auch Experten, die sich mit dem Klimawandel und den Auswirkungen auf unsere Innenstädte beschäftigen.
„Regensburg ist eine vergleichsweise stark versiegelte Stadt“, sagt Markus Keck, Professor für urbane Klimaresilienz der Universität Augsburg. Enge Gassen, wenig Grünflächen und dichte Bebauung sorgen dafür, dass die Stadt im Sommer wie ein Hitzemagnet wirkt. Aufgrund der mittelalterlichen Architektur sei die Stadt nicht in der Lage, diese Wärme zu regulieren. Tagsüber erhitze die Altstadt schnell und nachts kühlt sie kaum ab – es bilde sich dadurch gerade in heißen Sommern eine Wärmeinsel.
Regensburg schneidet im Hitze-Check der DUH schlecht ab
Laut dem aktuellen „Hitze-Check“ der Deutschen Umwelthilfe zählt Regensburg zu den heißesten Städten Deutschlands. Deutschlandweit liegt die Stadt im Hitzemanagement Ranking auf dem drittletzten Platz. Immerhin: Regensburg arbeitet daran. 2019 hat der Stadtrat beschlossen, intensiv am kommunalen Hitzemanagement zu arbeiten. Zwei Jahre später wurden von der Stadt zehn Schlüsselmaßnahmen entwickelt. Im „Hitze-Check“ drei Jahre später schließt die Stadt aber immer noch enttäuschend ab. Die Pressesprecherin der Stadt sagt dazu: „Aktuell laufen im Bereich der Stabsstelle Klimaschutz und Klimaresilienz vorbereitende Arbeiten zur Erstellung des Hitzeaktionsplans für die Regensburger Bevölkerung.“
Der Experte aus Augsburg erklärt, was Städte wie Regensburg tun müssen: „Was es für die Zukunft braucht, sind mehr vernetzte Grünflächen, also generell die Entsiegelung sowie den Ausbau und die Vernetzung von Parks, mehr Straßenbegleitgrün und Dachbegrünung“, sagt Keck. Ebenso wichtig sei die Regulierung von Niederschlägen. Das Konzept einer Schwammstadt könnte hier zum Vorbild werden: Städte speichern Regenwasser und nutzen es bei Trockenperioden zur Bewässerung von Grünflächen. „Aufgrund der Größe der Aufgabe können Staat beziehungsweise die Kommunen nicht alleine für Klimaanpassung verantwortlich sein“, betont der Experte. Die Bürger müssen sich ebenfalls engagieren, etwa durch Begrünung ihrer Häuser oder Beteiligung an lokalen Initiativen. Das Zusammenspiel sei entscheidend. „Urbane Klimaanpassung ist nicht schnell und einfach zu haben, sondern bedarf einer Vielzahl an Maßnahmen“, sagt er. Wichtig sei auch, dass diese Strategien nicht nur ihren Zweck erfüllen, sondern multifunktional sind und so auch für die Bürger einen Mehrwert darstellen. Aber wie kann eine Stadt, trotz historischer Altstadt, klimaresilienter werden?

„Ein gutes Beispiel für Klimaanpassung findet sich in Augsburg unter dem Stichwort Smartes Stadtgrün“, sagt Keck. Im Rahmen des Projekts „Smartes Stadtgrün für ein klimaresilientes Augsburg (SMSA)“ wurden vier zentrale Maßnahmen umgesetzt: Baumpflanzungen in der Innenstadt, die Umgestaltung von Hitze-Hotspots zu kühlen Oasen, die Optimierung des Gießmanagements sowie die Anlage der neuen Grünfläche „Zentral Mitte“. „Auch hier spielt die Leitidee der Schwammstadt eine Rolle“, sagt Keck, denn das Regenwasser wird vom Boden aufgenommen und gespeichert, anstatt über die Kanalisation abzufließen. Darüber hinaus benennt der Endbericht der Stadtklimaanalyse weitere Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, sowohl die Temperatur im öffentlichen Raum als auch in Gebäuden zu senken. Erreicht werden soll das unter anderem durch Begrünung von Fassaden, Anlegen von Wasserläufen und gezielte Entsiegelung. Keck verweist außerdem auf die Bürgerinitiative Baum Allianz, „die sich zum Ziel gesetzt hat, alle jene Standorte in einer Karte einzutragen, an denen in Augsburg einmal Bäume gestanden haben. Die Hoffnung ist, dass man an diesen Standorten dann auch schnell und unbürokratisch neue Bäume pflanzen kann“. Das Thema Klimaresilienz und grüne Stadt sei in Augsburg auch bei den Bürgern angekommen und das sei entscheidend, denn die Kommunen können diese Aufgabe nicht alleine bewältigen, so Keck.
„Green Deal“ und Förderprogramm „Regensburg resilient“
Regensburg hat bereits dieses Jahr weitere Maßnahmen getroffen: „Das städtische Förderprogramm ‘Regensburg resilient‘, das im Januar 2025 gestartet ist, bezuschusst private Begrünungs- beziehungsweise Entsiegelungsmaßnahmen“ schreibt die Pressesprecherin.
Das Förderprogramm, das von der Stabsstelle Klimaschutz und Klimaresilienz der Stadt ins Leben gerufen wurde, läuft unter dem Namen „Green Deal“. Es unterstützt Bürger finanziell, die in umweltfreundliche Technologien investieren, etwa in energieeffiziente Haushaltsgeräte, die energetische Sanierung mit nachwachsenden Rohstoffen, klimafreundliche Mobilitätslösungen oder Photovoltaikanlagen.
Dass auch private Initiativen Wirkung zeigen, das kann man derzeit am ansonsten ziemlich steinernen Haidplatz beobachten. Dort hat das Café Goldenes Kreuz kürzlich Platanen aufgestellt, die, wenn sie wachsen, den Besuchern Schatten spenden sollen.
Dieser Text von Santiago Thalemann entstand im Rahmen der Lehrredaktion der Mediengruppe Bayern an der Universität Passau.