Nach Entscheidung für Regensburger Altstadt: Auch Stadtamhof will Verkehrsberuhigung

Von Rainer Wendl · 2. August 2025 um 15:00

Der politische Durchbruch für eine nachhaltige Verkehrsberuhigung der Regensburger Altstadt ist geschafft, zum Gesamtkonzept gehört auch Stadtamhof. Geschäftsleute von dort drängen auf eine möglichst schnelle Umsetzung.

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Mit dem knappen Ja zum Parkhaus-Bau am Unteren Wöhrd hat der Stadtrat in dieser Woche auch dem Verkehrsberuhigungskonzept für die Altstadt endgültig Grünes Licht gegeben. Was in den allgegenwärtigen Diskussionen um Obermünsterstraße, Kornmarkt, Emmeramsplatz und Co. oft untergeht: Auch Stadtamhof ist Teil des Gesamtvorhabens, auf Seite 44 des 123 Seiten dicken Maßnahmenkatalogs hat das Stadtplanungsamt seine Vision für den Bereich nördlich der Steinernen Brücke platziert. Zu sehen ist eine Hauptstraße mit einer zugunsten von viel Grün deutlich verengten Fahrbahn. Parkplätze sind keine im Bild.

Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“ nennt sich das Ziel. Kfz- und Lieferverkehr sollen weiter möglich sein, durch die Gestaltungselemente aber verlangsamt werden. Dank Bepflanzung und (konsumfreier) Sitzgelegenheiten soll die Aufenthaltsqualität steigen.

So sieht die Vision im städtischen Maßnahmenkatalog aus. - Foto: Stadtplanungsamt Stadt Regensburg 2025

Tom Winter findet das super. Er betreibt in der Hauptstraße mit der Kuchenbar und dem Genusswarenladen in der ehemaligen Apotheke zwei Geschäfte. Zum Ortstermin hat er einige Gleichgesinnte zusammengetrommelt; Nadin Osmic von der Vinothek Vinosus, Niclas und Luca Fröbel von der Eisdiele am Brückenbasar, Anna Wöss vom Restaurant Meier, Hauseigentümer Manuel Stahl, Andrea Schubert von der Bäckerei Frischeisen, Sarah-Sonja Amtmann vom Café Friedl Zwo sowie Eduard Ostertag und Waltraud Scheller vom IT-Dienstleister Wayt AG. Sie alle eint der Wunsch nach einer schnellen Verkehrsberuhigung, Winters Appell an die Stadt lautet: „Vergesst Stadtamhof nicht!“

„Den Schwung nutzen und auf den Zug mit aufspringen“

Er sagt dies, obwohl der Stadtteil im Maßnahmenkatalog ja vorkommt. Allerdings sei Stadtamhof in der Vergangenheit oft „hinten runtergefallen“, wenn es an die Umsetzung gehen sollte, meint Winter. „Dieses Mal wollen wir den aktuellen Schwung nutzen, die wirklich positiven Impulse der Stadtverwaltung aufgreifen und von Anfang an auf den Zug der Verkehrsberuhigung mit aufspringen.“ Stadtamhof eigne sich hier sogar als Modellprojekt für die Altstadt, ist der Gastronom überzeugt.

Wir haben das alle überlebt, heute ist Stadtamhof attraktiver denn je, ohne nennenswerte Leerstände.

Tom Winter, Gastronom in Stadtamhof

Das letzte Mal war der Stadtteil vor gut 15 Jahren Gegenstand einer großen Verkehrsdebatte. Weil die Protzenweiherbrücke nach einem Brand neu gebaut werden musste, litt Stadtamhof über einen langen Zeitraum unter erschwerter Erreichbarkeit. Die örtliche Geschäftswelt rechnete daher mit dem Schlimmsten. Winter war damals schon dabei und sagt: „Wir haben das alle überlebt, heute ist Stadtamhof attraktiver denn je, ohne nennenswerte Leerstände.“ Es habe hier schon immer einen Wandel gegeben. Einst hätten der Bau des Kanals und die gleichzeitige Eröffnung des Donau-Einkaufszentrums dem blühenden Einzelhandelsstandort zugesetzt, dann sei die Hauptstraße zur Rotlicht-Meile verkommen.

Nun befinde man sich wieder in einer Hochphase. „Wir sind ein In-Viertel geworden. Und In-sein heißt Fahren mit dem Radl. Dafür und nicht mehr für Autos brauchen wir Stellplätze. Außerdem müssen wir Grünflächen schaffen, um der enormen Erhitzung etwas entgegenzusetzen“, lautet sein Plädoyer, dem alle Anwesenden zustimmen.

Dieselben Gegensätze wie in der Altstadt

Eine Gegen-Meinung findet man in der Bio-Insel am Eck zur Andreasstraße. „Absolut nicht!“, antwortet Betreiberin Verena Gebhard auf die Frage, ob sie sich eine Verkehrsberuhigung wünscht. Die Geschäftsleute mit diesem Ansinnen seien überwiegend Gastronomen – „und die haben doch schon nach Corona immens profitiert, indem sie massig neue Freisitze dazubekommen haben“.

In diesem Sinne ist Stadtamhof tatsächlich ein Modell für die Altstadt, denn exakt dieselben Haltungen prallen auch auf der anderen Seite der Steinernen Brücke aufeinander. Alle Beteiligten werden weiterhin einen langen Atem beim Thema Verkehrsberuhigung brauchen.

Es gibt auch kritische Stimmen

• Sorge: „Verkehrsberuhigung ist für die Geschäftsleute tödlich, das sieht man ja an der Innenstadt“, sagt Dieter Maier von der Metzgerei in der Hauptstraße. Er plädiert dafür, dass die kostenfreien Kurzzeitparkplätze dort unbedingt erhalten bleiben.

• Kunden: Verena Gebhard von der Bio-Insel ist exakt derselben Meinung. „Natürlich kommen die meisten unserer Kunden zu Fuß oder mit dem Fahrrad – aber es gibt eben auch welche, die mit dem Auto zu uns fahren. Die würden dann wegfallen“, sagt sie. Wie Maier sieht sie die Hauptstraße wegen der bestehenden Geschwindigkeitsbegrenzung bereits als beruhigt genug an.

• Hitzeschutz: Die geplante Begrünung ist hingegen ein Aspekt des Konzepts, den auch Maier begrüßt: „Das finde ich gut, denn im Sommer wird es bei uns ja so heiß wie am Grand Canyon.“