Kein Durchgangsverkehr mehr in der Regensburger Altstadt

Das Verkehrskonzept für die Regensburger Altstadt geht in die letzte Runde. Kurz vor dem Stadtratsbeschluss hat Referent Florian Plajer die wichtigsten Punkte umrissen. Viele öffentliche Parkplätze im Welterbe verschwinden, die Fußgängerzone wächst, zum Beispiel am Domplatz. Radfahrer sollen ihr Tempo drosseln und die engeren Gassen meiden. Noch mehr Busse erhalten Vorfahrt.
Das Interesse an der Verkehrsplanung für die Altstadt ist groß. Beim Themenabend der Brücke-Stadtratsfraktion am Montagabend füllte sich der „Raum für Engagement“ in der D.-Martin-Luther-Straße schnell. Helfer mussten weitere Stühle holen. Als erste große Veränderung seit 25 Jahren lobte ein Zuhörer die geplante Verkehrsberuhigung. „Das Konzept hat mich sehr beeindruckt. Aber bitte gehen Sie es jetzt an!“, forderte er den Planungs- und Baureferenten Florian Plajer auf, der das Konzept umriss. Schließlich ist im März 2026 die Kommunalwahl.
Rund 17 500 Menschen leben im historischen Zentrum. Viele davon sind auf das Auto angewiesen. Die Besucher der Brücke-Veranstaltung plädieren für eine autofreie Altstadt. „Wenn ich im Welterbe wohne, brauche ich kein Auto. Es sollen viel zu viele Anwohner-Stellplätze entstehen“, sagt ein Bürger. Bewohner könnten ihre Autos am Altstadtrand oder im Parkhaus abstellen. „So kriegen wir das nicht gebacken.“
Radler sollen Tempo drosseln
Es bleiben eine Menge Parkplätze, aber sie sollen anders genutzt werden. Heute sind es 6976 Stell- und Parkplätze, künftig werden es 6853 sein. Die öffentlichen Parkflächen (Automat, Parkscheibe, kostenlos) werden deutlich von 2611 auf 1425 reduziert. Den Bewohnern stehen künftig wesentlich mehr Flächen zur Verfügung (2286 statt 1667). Die Sonderstellplätze legen von 196 auf 315 zu (Behindertenparkplatz, Taxi, Car Sharing, Bus, E-Laden, Lieferzonen). Am Unteren Wöhrd mit Mobilitätsdrehscheibe können 1000 Fahrzeuge parken (heute 675). In den Parkhäusern bleiben 1827 Flächen. „Ein guter Kompromiss schmerzt alle. Es werden noch immer Stellplätze vorhanden sein für Leute, die in der Altstadt ein Auto haben müssen“, sagte Florian Plajer.
Radfahrer sollen einige enge Gassen meiden und langsamer fahren. Die Stadt will attraktive Umfahrungsstrecken am Altstadtrand ausschildern. Der Referent ist überzeugt, dass sich nach der strengen Neuregelung des Lieferverkehrs Radfahrer und Fußgänger nicht mehr so oft in die Quere kommen.
Die Fußgängerzone wird wachsen. Zum Beispiel soll sich der Domplatz wie in anderen Welterbestädten in eine Flaniermeile wandeln. Der Alte Kornmarkt wird im Norden vor der Mädchenrealschule Niedermünster entsiegelt und begrünt. Auch auf diesem Platz dürfen in Zukunft nur noch Anwohner parken. Planungsreferent Plajer betrachtet den samstäglichen Wochenmarkt mit Sperrung der öffentlichen Parkplätze als gelungenes „Verkehrsexperiment“. An Beispielen skizzierte er, wie die Verkehrsberuhigung aussehen wird. Gratis-Parkplätze werden verschwinden. Wo das Auto etwa in Stadtamhof gegenwärtig kostenlos steht, muss der Halter bald zahlen. Das Jacobi-Gelände wird 160 Bewohner- und 80 Arbeitnehmer-Parkplätze bieten.
„Bald werden die ersten Ampelkreuzungen vorrangig von Bussen befahren“ , kündigte Plajer an. Mehr Busspuren kommen. Ein wichtiges Ziel ist, den Parkplatz-Suchverkehr einzudämmen. Deshalb sollen etwa am Emmeramsplatz die öffentlichen Parkplätze in Bewohner-Stellflächen umgewandelt werden. Ein Anwohner klagte, dass während der Schlossfestspiele Tausende die öffentlichen Parkplätze ansteuerten. „Das staut sich bis zum Petersweg.“
Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs begrüßte es, dass der Durchgangsverkehr ausgesperrt wird. Er sprach von einem durchdachten Plan mit zehn klaren Zielen.
Appell an Stadtratskollegen
„Wenn man das alles will, muss man an anderer Stelle was für die Autos machen.“ Wer die Mobilitätsdrehscheibe ablehne, mache auch die daran gekoppelte Verkehrsberuhigung zunichte. Am 15. Juli entscheidet der Stadtrat. Wolbergs stellte fest, nach der Kommunalwahl 2026 sei alles „umdrehbar“, solange es noch nicht gebaut ist. Hier hakte Plajer ein: Bis März könne nicht alles realisiert werden. „Aber wir haben ein paar Dinge ausgewählt, die wir umsetzen können.“ OB-Kandidat Thomas Thurow (Brücke) betrachtet das Vorhaben als Riesenchance. Er appellierte an die „Vernünftigen im Stadtrat“, für Mobilitätsdrehscheibe und Verkehrskonzept zu votieren.
Die zehn Ziele
Grundsätzliche Vorhaben: Folgende Punkte sind geplant: Der Durchgangsverkehr wird beschränkt. Autos sollen um die Altstadt herumfahren. Radfahrer sollen bestimmte enge Gassen meiden. Es wird klare Straßenkategorien und -zuweisungen geben: Wo darf ich rein und wo nicht? Viele öffentliche Parkplätze werden in Bewohnerstellplätze umgewandelt. Vorgeschriebene Fahrtrichtungen werden angepasst. Öffentliche straßen- und platzbegleitende Parkplätze entfallen zum Teil. Lieferzeiten (6 bis 11, 17.30 bis 19.30 Uhr, also 30 Minuten mehr) werden angepasst und neue Lieferbereiche eingeführt. Wohnverkehrsstraßen und verkehrsberuhigte Bereiche werden ausgewiesen, Fußgängerzonen erweitert. Plätze werden mit Sitzmöbeln, Grün, Teilentsiegelung umgestaltet. Plätze und Bushaltestellen werden barrierefrei. Die Fuß- und Radverkehrsführung soll sicherer werden.
Parkplätze: 123 fallen weg, 1186 werden in Bewohner-Stellplätze umgewandelt.