Wann beginnt die Verkehrsberuhigung in der Regensburger Altstadt?

Von Juliana Ried · 1. August 2025 um 05:00

Nach der Entscheidung des Regensburger Stadtrats für das Parkhaus atmen viele auf. Aber jetzt wird um die Umsetzung der Verkehrsberuhigung gerungen. Was die Stadt in diesem Jahr in der Altstadt vorhat.

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Einiges an Grün, einige Freisitze und Fahrradständer, aber keine Parkplätze am Straßenrand: Die Obermünsterstraße soll einen Vorgeschmack darauf geben, wie die Verkehrsberuhigung der Altstadt einmal aussehen soll. Hier fahren zwar dennoch noch viele Autos durch. Seit der Stadtratsentscheidung für das Parkhaus am Unteren Wöhrd am Mittwochabend allerdings ist prinzipiell der Weg frei für den Plan der Stadt, dass es deutlich weniger Autoverkehr im Zentrum geben soll. Nun beginnt das Ringen um den richtigen Weg dorthin.

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Das Parkhaus soll Herzstück einer Mobilitätsdrehscheibe sein, wo Autofahrer aus- und umsteigen sollen. Nach der Entscheidung dafür zeigen sich viele erleichtert, von Naturschützern über Wirtschaftsvertreter bis zur Oberbürgermeisterin, wenn auch zum Teil aus unterschiedlichen Gründen. SPD-OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagt: „Ich bin froh, dass wir mit der Mobilitätsdrehscheibe ein zentrales Projekt der Verkehrsberuhigung Altstadt mehrheitlich im Stadtrat beschlossen haben.“ Der verkehrliche Maßnahmenplan bringe mehr Lebensqualität für alle. „Jetzt können wir ihn insgesamt, Schritt für Schritt, umsetzen.“ Die Stadt plant mit einem Zeithorizont bis 2035.

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Ladezonen, Paketstellplätze und Anwohnerparkplätze noch 2025

Sprecherin Katrin Holzgartner sagt: Noch in diesem Jahr sollen Ladezonen für Liefertätigkeiten und Paketstationen eingerichtet sowie neue Anwohnerstellplätze ausgewiesen werden, ab 2026 soll das Parken auf dem Dultplatz kostenpflichtig werden. Über bauliche Veränderungen und neue Fußgängerzonen und Wohnverkehrsstraßen müsse jeweils der Planungsausschuss des Stadtrats entscheiden.

IHK-Geschäftsführer plädiert für modulares Parkhaus

Die Industrie- und Handelskammer fordert: Bis zur Fertigstellung der Mobilitätsdrehscheibe 2027 dürfe es keine Streichung von öffentlichen Parkplätzen geben, so Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg. Verbote und Streichungen ohne ausreichende Parkraum-Alternativen schwächten den Standort Altstadt. „Daher plädieren wir für den Bau eines modularen Parkhauses, das bei Bedarf auch erweitert werden sollte – ursprünglich waren dort einmal 1400 Parkplätze geplant.“

Auch die Kaufleute-Vereinigung Faszination Altstadt hätte sich ein größeres Parkhaus gewünscht, die Mobilitätsdrehscheibe soll nun insgesamt 1000 Parkplätze bieten. Dennoch sagt Geschäftsführerin Maria Müller: „Gut, dass es gebaut wird. Wenn es nicht gekommen wäre, wäre es eine Katastrophe.“ Natürlich hätten manche der mehr als 150 Mitglieder Angst vor der Verkehrsberuhigung. Die Mehrheit stehe aber hinter dem Gesamtkonzept.

Die Meinung der CSU, dass es automatisch zu mehr Leerstand und weniger Umsatz führe, teile sie nicht. „Wenn es entspannter ist, bleibt man stehen und entdeckt die ganze Vielfalt.“ Entscheidend sei, wie der Maßnahmenplan umgesetzt werde, wie die Zufahrt geregelt und das Parkleitsystem verbessert. Die Stadt solle vor 2027 keine Kurzzeitparkplätze streichen, fordert sie und ergänzt: „Ich glaube, dass es in diesem Maßnahmenpaket viele Dinge gibt, die man heute schon umsetzen kann.“

Erweiterung des Parkhauses derzeit nicht möglich

Dass die Stadt bis 2027 auf den Wegfall von öffentlichen Parkplätzen verzichtet, ist nicht vorgesehen. Allein für die vielen zusätzlichen Stellflächen für Bewohner braucht sie Platz. Eine Erweiterung des Parkhauses ist technisch möglich, rechtlich allerdings derzeit nicht. Damit gelang es der Stadt, Kritiker mit ins Boot zu holen oder zumindest ihren massiven Protest zu stoppen. Der Bund Naturschutz und die Altstadtfreunde gehörten zu den Organisationen, die 2024 gegen ein ihrer Ansicht nach „völlig überdimensioniertes Parkhaus“ demonstrierten.

Jetzt sagt Vorsitzender Achim Hubel, er sei überglücklich über das Ja zur Mobilitätsdrehscheibe. „Ich bin froh, dass es geklappt hat. Sonst wäre es ewig nicht mehr möglich gewesen, die Verkehrsberuhigung aufs Tapet zu bringen.“ Es müssten Parkplätze weg, damit genug Platz sei, um die Altstadt klimagerecht zu gestalten, mit viel Grün und Wasser. „Man muss sehen, dass man an den Orten anfängt, wo keine Autos mehr stören.“ Das gelte etwa für den Domplatz.

Bund Naturschutz: „Große Verbesserung“ gegenüber Ursprungsplan

Der Bund Naturschutz hätte sich für den Unteren Wöhrd „viel, viel mehr Grün“ gewünscht statt eines Parkhauses, so Kreischef Raimund Schoberer. Dennoch sagt er: „Es ist auf jeden Fall gegenüber der ursprünglichen Planung wirklich eine große Verbesserung.“ Für die Verkehrsberuhigung gelte: „Man muss halt einfach anfangen.“