Gutachten zum Bus-Unglück von Regensburg liegt vor – Gerücht bestätigt sich wohl nicht

Von Jonas Raab · 31. Juli 2025 um 15:00

288 Tage sind seit dem Bus-Unglück von Regensburg vergangen. Nun liegt das Gutachten zu dem Unfall vor, bei dem am Fuße der Nibelungenbrücke 50 Menschen teils lebensbedrohlich verletzt worden sind. Die Analyse gibt neue Details preis. Ein Gerücht, das früh die Runde gemacht hat, scheint sich laut Staatsanwaltschaft nicht zu bestätigen.

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Es war der 7. Oktober 2024 um kurz nach 17 Uhr, als an der Haltestelle beim Donau-Einkaufszentrum (DEZ) ein voll besetzter Linienbus ins Heck eines stehenden Busses gekracht ist. Ein Einsatz, der seinesgleichen sucht, begann. Mehr als 300 Retter, Feuerwehrler und Polizisten waren gefordert. Ihre Fahrzeuge tauchten die Nibelungenbrücke in Blaulicht.

Die wichtigste Nachricht überlieferte eine Polizeisprecherin am Morgen nach dem Unfall: „Alle Verletzten sind über den Berg.“ Nun galt es, das Unglück aufzuarbeiten. Damit wurde die Verkehrspolizei betraut, dazu ein Unfallgutachten in Auftrag gegeben. Gegen den Fahrer des hinteren Busses leiteten die Beamten ein Ermittlungsverfahren ein – unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung in mehreren Fällen.

Bus-Unfall sorgt für viel Arbeit – Langes Warten auf Gutachten

Die schiere Menge an Zeugen bereitete der Polizei viel Arbeit. Die Vernehmung zog sich über Wochen, wenn nicht Monate hinweg. Und das Gutachten, das ließ bis Mitte Juli auf sich warten. Nun liegt es der Staatsanwaltschaft vor, wie deren Sprecher Thomas Rauscher auf Anfrage bestätigt.

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Rauscher zufolge ist der Sachverständige zum Schluss gekommen, dass der hintere Bus wohl ungebremst und mit 55 bis 57 Kilometern pro Stunde nahezu frontal in das Heck des vorderen Busses, der laut Zeugen gestanden ist, geprallt sein muss. Beide Vehikel haben sich demnach auf derselben Spur befunden. Aus „technischer Sicht“ sei der Unfall für den Fahrer des hinteren Busses vermeidbar gewesen – durch vorausschauendes Fahren und rechtzeitiges Abbremsen. „Für den Fahrer des vorderen Busses war der Unfall unvermeidbar“, sagt Rauscher. Hinweise auf ein technisches Versagen, beispielsweise der Bremsen, hätten sich nicht ergeben.

Nahezu frontal ist der rote Bus dem anderen an der Bushaltestelle am Donau-Einkaufszentrum (DEZ) in Regensburg ins Heck gefahren. - Foto: Sebastian Pieknik/NEWS5/dpa (Archiv)

Nach dem Unfall hatten schnell Gerüchte die Runde gemacht, wonach der Fahrer des hinteren Busses – er wurde bei dem Unfall selbst schwer verletzt – kurz vor dem Aufprall ohnmächtig geworden sein soll. So äußerte sich auch eine Frau aus dem näheren Umfeld des Mannes gegenüber der MZ. Bestätigen wollten das Polizei und Staatsanwaltschaft trotz „Tendenzen“ nie.

Busfahrer kann sich an Unfall am DEZ nicht erinnern

Und heute? „Derzeit liegen keine positiven Hinweise auf einen medizinischen Notfall vor“, sagt Rauscher mit Verweis auf den ärztlichen Bericht über die Behandlung des Mannes. Ein medizinisches Gutachten sei daher, „mangels Anknüpfungstatsachen“, nicht eingeholt worden. „Blutalkohol und Toxikologie waren negativ. Vorerkrankungen sind nicht bekannt. Lenkzeiten wurden beachtet“, erklärt der Oberstaatsanwalt. Der Beschuldigte habe angegeben, sich an den Unfall nicht erinnern zu können.

Wie geht es weiter? Derzeit habe der Verteidiger des Beschuldigten Akteneinsicht und die Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen, sagt Rauscher. Sollten keine weiteren Ermittlungen beantragt werden, sei im Frühherbst mit deren Abschluss zu rechnen. Der Tatvorwurf laute auf fahrlässige Körperverletzung. Es gilt die Unschuldsvermutung.