Busunfall in Regensburg: Ein Retter schildert bange Momente – „Hat es so noch nicht gegeben“

Erlösende Nachricht nach dem schweren Busunfall in Regensburg: Alle Schwerverletzten befinden sich außer Lebensgefahr. Der Retter, der als erstes am Donau-Einkaufszentrum eintraf, schildert, wie der Großeinsatz abgelaufen ist – und wie viel Zivilcourage er dabei erlebt hat. Die Busunternehmen zeigen sich indes bestürzt.
Winzige Glassplitter hier, eine Handvoll Markierungen dort: Am Dienstagnachmittag deutete an der Bushaltestelle am Regensburger Donau-Einkaufszentrum (DEZ) quasi nichts mehr auf das Drama hin, das sich am Vortag hier abgespielt hatte. Im Minutentakt rauschten die Busse an. Die Luftstöße, die sie dabei in Richtung Donau drückten, machten greifbar, welche Kräfte gewirkt haben müssen, als am Montag gegen 17.15 Uhr ein Regionalbus in das Heck eines Linienbusses gekracht war. Mehr als 50 Menschen wurden verletzt, 13 von ihnen schwer, fünf schwebten in Lebensgefahr.
Die wichtigste Nachricht des Tages überlieferte Polizeisprecherin Anna Beyer am Morgen: „Alle Verletzten sind über den Berg.“ Nun beginnt die Aufarbeitung eines Unfalls, wie es ihn in Regensburg noch nicht gegeben hat.
Schwerer Busunfall in Regensburg: „Äußerst tragisches Ereignis“
Bei der Deutschen Bahn, aus deren Flotte der auffahrende Regionalbus stammt, zeigt man sich bestützt. „Unsere Gedanken sind bei den Verletzten. Wir wünschen ihnen eine baldige Genesung“, lässt Pressesprecherin Kathrin Kratzer ausrichten. Weiter könne sie sich „vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen“ nicht äußern.
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Martin Gottschalk, Pressesprecher beim Stadtwerk, bezeichnet den Unfall als „äußerst tragisches Ereignis“, das man leider nie zu 100 Prozent auszuschließen könne – und das es in dieser Form bislang auch noch nie gegeben habe. Es handle sich um ein „singuläres Ereignis“; der ÖPNV in Regensburg sei „sehr sicher“. Alle gesetzlichen Bestimmungen – Pausen, Steuer- und Ruhezeiten – würden „maximal konsequent“ eingehalten. „An erster Stelle wünschen wir allen Verletzten eine rasche Genesung. Alles andere ist zweitrangig“, sagt Gottschalk. Sein Dank gilt allen Einsatzkräften, die bis in die Abendstunden vor Ort waren.
Regensburg: Retter schildert, wie der Einsatz nach dem Busunfall ablief
Nikolaus Hirschmann war am Montag als erster Retter an der Unfallstelle. Zufällig. „Ich war gerade auf dem Heimweg“, schildert der Rettungsdienst-Bezirksleiter bei den Maltesern. „Auf einmal standen da zwei Busse, die rauchen. Ich habe mein Blaulicht angemacht. Eine knappe Minute später war ich da.“
Es muss ein schlimmes Bild gewesen sein, das sich Hirschmann an der Haltestelle geboten hat. Ein Busfahrer war eingeklemmt, auf der Straße lagen Schwerverletzte allen Alters. Auch von Trümmerteilen müssen Menschen getroffen worden sein. Hirschmann – noch allein auf weiter Flur – versuchte sich ein Bild von der unübersichtlichen Lage zu machen. „Natürlich versucht jeder, Hilfe zu bekommen. Es dauert zwar nur ein paar Minuten, bis die ersten Rettungskräfte eintreffen. Aber die fühlen sich sehr lang an“, sagt Hirschmann, der wenig später die Einsatzleitung aufseiten der Sanitäter innehatte.
300 Retter nach Busunfall in Regensburg im Einsatz – Lob für Ersthelfer
Rettungsdienst, Feuerwehr, THW, Polizei: Insgesamt waren am Montagabend mehr als 300 Retter im Einsatz – dazu zahlreiche Ersthelfer. „Mindestens 20“, schätzt Christoph Tresch, Sprecher der Regensburger Berufsfeuerwehr, ihre Zahl. „Die haben blitzschnell gehandelt: Fenster eingeschlagen, Türen geöffnet, Verletzte betreut. Großes Lob.“ Auch Hirschmann von den Maltesern schwärmt in höchsten Tönen: „Die Hilfsbereitschaft war immens. Ich hätte nicht gedacht, dass es noch so viel Zivilcourage gibt.“ Er berichtet von Autofahrern, die angehalten haben, um Leute aus den Bussen zu tragen – „ohne Angst, sich mit Blut vollzuschmieren“.
Sowohl Hirschmann als auch Tresch loben die gute Zusammenarbeit beim Einsatz. Laut Landratsamt, wo der koordinierende Rettungszweckverband angesiedelt ist, waren vier Hubschrauber und 42 Rettungsfahrzeuge im Einsatz, um teils mehrfach hintereinander Verletzte in Regensburger Krankenhäuser zu bringen. Auch nach Straubing, Schwandorf oder Burglengenfeld wurden Patienten transportiert. Trotz der Großlage sei der Regelrettungsdienst sichergestellt gewesen, sagt Landratsamtssprecher Hans Fichtl.
Aufseiten der Retter herrscht Einigkeit, dass der Busunfall von historischer Tragweite ist. So viele Verletzte auf einmal habe er noch nicht erlebt, sagt Tresch. Auch Hirschmann, der seit 30 Jahren im Rettungsdienst aktiv ist, kann sich an keinen vergleichbaren Einsatz erinnern. „Das hat es so noch nicht gegeben.“
Linienbusse kollidieren in Regensburg: Unfallursache noch unklar
Am Dienstag war die Unfallstelle kaum mehr als solche zu erkennen. Selbst der Eisenzaun in der Fahrbahnmitte, den die Feuerwehr zur Bergung der Verletzten aufflexen musste, war wieder ganz. Ein Mitarbeiter der Stadt inspizierte am Nachmittag kurz das Gitter. An der Bushaltestelle herrschte da gerade reges Treiben: Die Leute kamen, gingen, warteten oder fuhren in Bussen davon. Bei den meisten schien der Unfall kein großes Thema zu sein. Nur selten mischten sich entsprechende Wortfetzen unter den Autolärm, der an der Nibelungenbrücke herrscht. Mehrere Menschen sagten auf Nachfrage, nichts mitbekommen zu haben. Auch ein älteres Paar, das unter den Leuten stand, hatte erst aus der Zeitung von dem Unfall erfahren. „Schlimm“, sagte die Frau. Ein mulmiges Gefühl, gleich in einen Bus zu steigen, hatte sie aber nicht. Vielmehr interessierte sie, wer schuld war. „Der Busfahrer?“
Darauf hatte Polizeisprecherin Beyer am Dienstag noch keine Antwort. Ein Sachverständiger wurde zur Klärung der Umstände hinzugezogen.
