Busunfall in Regensburg: Verletzter Passagier schildert die letzten Momente der Unglücksfahrt

„Warum?“ Bora Ataman hat Tränen in den Augen. Immer und und immer wieder fragt er nach dem Grund. Der 50-Jährige war Passagier des Regionalbusses, der Anfang der Woche in Regensburg in einen stehenden Linienbus gekracht ist. Er schildert, wie er den Unfall erlebt hat.
„Die Schreie. Der Aufprall. Das Blut. Das geht mir nicht mehr aus dem Kopf“, klagt Ataman sichtlich angefasst. „Warum nur?“, will er einmal mehr wissen. Eine offizielle Antwort wird wohl noch Wochen auf sich warten lassen. Gewiss ist: Gegen den Fahrer, zu dem Ataman am Montag um kurz nach 17 Uhr am Gewerbepark in den Bus gestiegen ist, ermittelt die Polizei – unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung in mehreren Fällen.
Passagier über das Regensburger Busunglück: „Die Leute lagen im Blut“
Alles sei wie immer gewesen, schildert Ataman. Der 5er gut voll. Haltestelle am Milchwerk: „Ganz normal“ – genau wie der Busfahrer. Weiter in Richtung Nibelungenbrücke. „Beim Poco hat er auf einmal Vollgas gegeben. Immer geradeaus.“ Der 50-Jährige, der in der Mitte des Busses stand, berichtet von „Panik, Angst und Schreien“. Dann der Aufprall: „Wie ein Blitzschlag.“ Ataman stürzte auf den Boden. „Alles ging so schnell. Ich hatte Angst um mein Leben.“
Die Bilder verfolgen den 50-Jährigen. „Die Türen waren verriegelt. Die Leute lagen im Blut.“ Ein Passagier schlug Atamans Schilderungen zufolge eine Scheibe ein. „Wir sprangen raus, lagen zwischen Glassplittern am Boden. Nach acht bis zehn Minuten kamen die Rettungswagen.“
Mehr als 300 Einsatzkräfte eilten am Montagabend zur Nibelungenbrücke. Unter ihnen Notfallseelsorger Michael Federl. Zusammen mit drei weiteren Kollegen unterstützte er die Retter und kümmerte sich um die Betreuung von Opfern, Angehörigen und Zeugen. „Das Wichtigste ist, dass man Menschen in Not zeigt: Ich bin da. Ich lasse dich nicht alleine. Ich kümmere mich um dich“, erklärt Federl. Die Situation am Unfallort beschreibt der Religionslehrer als „belastend“, die Bilder als „dramatisch“. Panik habe er jedoch nicht erlebt – auch weil die Einsatzkräfte „faszinierende“ Arbeit geleistet hätten. „Alle haben zusammengeholfen, am selben Strang gezogen. Dass das so gut funktioniert, beruhigt mich auch persönlich“, sagt Federl. „Großes Lob.“
Busunfall in Regensburg: Polizei korrigiert Verletztenzahl nach unten
Wie viele Menschen bei dem Unfall zu Schaden gekommen sind, ist nicht abschließend geklärt. Die Polizei sprach zunächst von mehr als 50 Verletzten (13 davon schwer, fünf zeitweise in Lebensgefahr), Sanitäter gar von 61 Versehrten. Am Freitag korrigierte die Polizei ihre Zahlen nach unten. Die Beamten zählen „43 polizeilich verletzte Personen“, fünf hätten schwere Verletzungen erlitten. „Nur wenn man länger stationär in einem Krankenhaus behandelt wird, gilt man für die Polizei als schwer verletzt“, erklärt Sprecher Michael Zaschka die Diskrepanz. Mit der „medizinischen Schwere“ einer Verletzung habe die Einordnung nichts zu tun.
Ataman dürften diese Zahlen relativ egal sein. Er kam mit Prellungen in die Uniklinik. Humpelt seitdem, hat mit psychischen Problemen zu kämpfen. „Was, wenn der Unfall erst auf der Brücke passiert wäre?“, malt er sich aus. Ataman – in Regensburg nicht unbekannt und aufgrund diverser Polit-Eskapaden nicht unumstritten – geht es um Aufklärung.
Gutachten zu Regensburger Busunfall steht noch aus
Die Polizei ist derzeit dabei, die „genauen Umstände zum Unfallzeitpunkt“ zu ermitteln. Die Busse wurden sichergestellt. MZ-Informationen, wonach der Fahrer des Busses kurz vor dem Zusammenprall ohnmächtig geworden ist, konnte Zaschka bislang weder bestätigen noch dementieren. Er will trotz „Tendenzen“ dem Gutachter nicht vorgreifen. Zudem müssen alle Fahrgäste befragt werden; Ataman kann also bei der Beantwortung seiner Frage helfen.