Bomben-Alarm in Regensburg-Burgweinting: Deshalb war die Entschärfung eine Herausforderung

Aufregende Stunden in Burgweinting: Donnerstagmittag wurde in dem Ortsteil eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Etwa 500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Um kurz nach 18 Uhr dann endlich die Entwarnung: Die Bombe ist entschärft – die Burgweintinger können wieder nach Hause.
Etwa fünf Stunden zuvor am Fundort der Bombe im Heuweg: Das Sprengkommando Tauber ist bereits vor Ort. Zwei Feuerwehrleute inspizieren den Sprengkörper, über den ein rotes Zelt gespannt wurde. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, es bleibt Zeit für Scherze – und Kaffee. Früher sei man ja beinahe jede Woche nach Regensburg ausgerückt, sagt Sprengmeister Michael Weiß. Der Mann hat viel erlebt, es ist noch immer gut gegangen. Aus dem Hort, der direkt neben dem Fundort der Bombe liegt, werden Kinder abgeholt.
Der Blog zum Nachlesen: Bombe in Regensburg-Burgweinting erfolgreich entschärft
Derweil hat die Polizei erste Sperren an der Burgweintinger Hauptstraße errichtet. Beamte leiten den Verkehr um. Busse dürfen weiter durch. Eine Mutter fährt mit ihrem Auto zu einem der Polizisten. Sie müsse ihre Tochter von der Grundschule holen. In ihrer Stimme liegt Verzweiflung. Der Polizist lässt sie passieren.
Bombe in Burgweinting: 500 Menschen evakuiert
An der Grundschule sammeln sich indes die Einsatzkräfte. In Gruppen stehen sie zusammen und besprechen die Lage. Eilig wird ein Betreuungspunkt in der Turnhalle aufgebaut. Gegen 14.30 Uhr steht ein erster Zeitplan fest. Polizeisprecherin Corinna Wild informiert die Reporter vor Ort. Kaum hat sie zwei Sätze gesprochen, klingelt schon wieder ihr Telefon. „Das ist immer so am Anfang“, sagt Wild.
Im Laufe des frühen Nachmittags war klar: Der Sperrradius beträgt 350 Meter rund um den Fundort der Bombe, die exakt 113 Kilo wiegt und im Zweiten Weltkrieg abgeworfen wurde. Gegen 15 Uhr soll die Evakuierung beginnen, etwa 500 Burgweintinger sind betroffen. Auch die Bahnstrecke von Regensburg nach München muss gesperrt werden, allerdings nur während der Entschärfung.
Die betroffenen Bürger können in der Turnhalle der Grundschule Zuflucht finden. Die Rettungskräfte haben den Eingang noch nicht ausgeschildert, da stehen schon die ersten Bomben-Betroffenen vor ihnen. Eine Mutter mit ihrer Tochter im Teenager-Alter, in Begleitung zweier Hunde. Nach und nach kommen weitere Bürger. Die Rettungskräfte notieren ihre Namen und beantworten Fragen. Wie lange es dauert? Unklar. Wo das Klo ist? In der Turnhalle links, dann die Treppe runter. Und mit am Wichtigsten: Wann gibt es Brotzeit? Bald. „Bassd“, entfährt es einem Burgweintinger.
Indes gehen Polizisten im Sperrradius von Tür zu Tür und informieren die Bürger über die Evakuierung. Gegen 17 Uhr ist klar: Der Sperrradius sollte menschenleer sein. Doch Sicherheit geht vor. Ein Helikopter kreist noch einmal über dem Gebiet, er sucht nach Burgweintingern, die noch nicht evakuiert sind. Nach etwa einer halben Stunde gibt der Pilot Entwarnung: Es kann losgehen.
Sprengmeister über Bomben-Entschärfung in Regensburg: „08/15 ist gar nichts“
Gegen 17.40 Uhr schreiten die Sprengmeister zur Tat. Nur die Spezialisten und die Bombe – volle Konzentration. Um 18.10 Uhr die Erlösung: Die Entschärfung ist gelungen. In der Grundschule macht sich Erleichterung breit. Eine Frau schießt ein Erinnerungs-Selfie. Die Evakuierten müssen allerdings noch ein wenig warten, bis sie endgültig nach Hause können.
Etwa eine halbe Stunde nach der Entschärfung: Die beiden Sprengmeister Florian Süß und Michael Weiß stärken sich mit einer wohlverdienten Wiener-Semmel. Die Bombe ist inzwischen in ihren Transporter verladen, die Stimmung ist entsprechend heiter. Die Entschärfung sei gut gelaufen, sagen die beiden. Wobei: Die Lage der Bombe hat es etwas kompliziert gemacht. „Wasser hat reingedrückt“, sagt Weiß. Deshalb kam Schotter zum Einsatz. Außerdem stand die Bombe senkrecht. „Wir mussten sie erst mal fixieren.“ Ein Standard-Einsatz sei es nicht gewesen, die gebe es in ihrem Beruf ohnehin nicht. „08/15 ist gar nichts.“ Jede Entschärfung sei mit Gefahren verbunden. „Es hat seine Gründe, warum wir einen Sicherheitsradius festlegen.“


