Handy-Daten, Obduktion und Plakate: So jagt die Polizei den Todesfahrer von Riekofen

Autos donnern an der Trauerstelle zwischen Sünching und Riekofen vorbei. Eine schwarze Gedenktafel am Boden erinnert an jenen 24-jährigen Fußgänger, der in den frühen Morgenstunden des 4. September auf der Strecke von einem Auto erfasst wurde. Der Fahrer flüchtete und ist bis heute vom Erdboden verschluckt. In dem Fall sind nach wie vor viele Fragen offen. Die MZ hat mit den Ermittlern gesprochen.
Jagd nach dem Todesfahrer von Riekofen: Was ist der Stand der Ermittlungen zum Unfall?
Die Polizei hat eine eigene Ermittlungsgruppe für den Fall gegründet. Die Beamten wollen auch weiterhin nichts unversucht lassen, um den Fall zu klären. Das Problem dabei: Am Unfallort wurden kaum Spuren gefunden, sagt Thomas Wagner, Chef der Polizeiinspektion Wörth und Leiter der Ermittlungsgruppe. Dennoch haben sich einige Hinweise ergeben. In der Vergangenheit wurden beispielsweise sämtliche Fahrzeuge in den Orten Riekofen und Dengling untersucht. Daneben gebe es allerdings noch eine Reihe anderer Ansätze, sagt Josef Neft, Wagners Stellvertreter und Teil der Ermittlungsgruppe.
Konkret geht es beispielsweise um Mobilfunkdaten. Die Ermittler untersuchen, welche Handys zur Unfallzeit in der Nähe des Tatorts eingeloggt waren. Das stellt die Beamten vor gewisse Herausforderungen, sagt Christian Eichenseher von der Regensburger Verkehrspolizei. „Es ist ein zeitaufwendiger Prozess.“ Dazu kommt die Obduktion des jungen Mannes. Diese ist bereits erfolgt. Die Ermittler erhoffen sich so weitere Hinweise zur Geschwindigkeit und zur Fahrtrichtung des Autos. Auch das sei allerdings nur ein Aspekt der Ermittlungen, sagt Eichenseher: „Am Ende geht es darum, verschiedene Dinge zusammenzuführen.“
Gab es bislang schon Verdachtsmomente nach dem Unfall bei Riekofen?
Zwei Mal schien die Lösung des mysteriösen Falls zum Greifen nahe. Aus der Bevölkerung gingen Hinweise auf zwei Personen ein, die ihr Auto seit dem Unfalltag nicht mehr genutzt haben und sich überdies komisch verhielten, sagt Ermittlungsgruppenleiter Wagner. Beide Fährten führten letzten Endes ins Nichts.
Gibt es noch Chancen, den Fall zu klären?
Nach wie vor gehen jeden Tag Hinweise bei den Beamten ein. „Wir gehen allen nach“, betont Ermittlungsgruppenleiter Wagner. Der 24-Jährige wurde bereits obduziert, die Auswertung der Untersuchung läuft. Von den Ergebnissen erhoffen sich die Ermittler neue Ansätze.
Die Beamten betonen, dass der Fall in der Bevölkerung noch immer sehr präsent ist. „Wir spüren immer wieder das Entsetzen.“ Um weiterhin neue Hinweise zu bekommen, setzen die Beamten nun auch auf Plakate. Seit Dienstag werden sie in der Oberpfalz und Niederbayern aufgehängt. Die Ermittler versprechen: „Wir geben nicht auf.“
Was weiß man über den flüchtigen Unfallfahrer von Riekofen?
Im Grunde nichts. Die Ermittler haben aber einige Ansätze: zum Beispiel, dass das Auto an der Vorderseite stark beschädigt sein muss. Auch das Verhalten des Fahrers spiele in den Ermittlungen eine Rolle. Verkehrspolizist Eichenseher: „Wir fragen uns natürlich: Wie geht so jemand mit so einer Situation in seinem Umfeld um? Wie kann man so etwas kaschieren?“
Auch der Sünchinger Markt habe eine gewisse Bedeutung. Der endete just an jenem Abend, an dem der 24-Jährige überfahren wurde. Ob der Todesfahrer dort feierte, gar zu viel trank? Die Ermittler wollen sich dazu nicht genauer äußern. Auch die Frage, ob der Flüchtige aus der Region stammt, oder ein Auswärtiger ist, bleibt offen, sagt Ermittlungsgruppenleiter Wagner.
Wie geht es den Angehörigen?
Das Leid der Menschen, die um den 24-Jährigen trauern, lässt sich nicht in Worte fassen. Josef Neft von der Ermittlungsgruppe ist sich aber sicher: „Ich glaube, es hilft den Angehörigen, dass sie sehen, dass Polizei und Medien weiter an dem Fall dranbleiben.“ Die Angehörigen werden weiterhin betreut.
Am Unfallort ist inzwischen eine Trauerstelle eingerichtet. Blumen, Kerzen und ein Kürbis stehen dort. Daneben liegen eine Schnupftabakdose und eine Tafel mit einem Bild des Verstorbenen und einem letzten Gruß. Angehörige haben ihre Gedanken in einem kleinen Brief auf Bayerisch hinterlassen. „A jetzad, vier Wochan späda draht si de Weid einfach weida. Nur fia uns is‘ steh blim. Mia homma di lieb und san narrisch stolz af di.“