So steht es um den Neubau von Wohnungen in der Stadt Neumarkt

Bauen, bauen und nochmals bauen. Das ist nach Ansicht der Bundesregierung die Lösung für die angespannten Wohnungsmärkte in Deutschland. Neumarkt gehört offiziell dazu. Hier gilt die Mietpreisbremse. Zugleich melden überregionale Schlagzeilen, dass der Wohnungsbau stocke. Auch in Neumarkt?
Trotz der eingetrübten wirtschaftlichen Lage zuletzt in Deutschland sind die Bauarbeiter in Neumarkt nach wie vor gut beschäftigt. 86 Bauanträge für Wohnbauten und andere Bauvorhaben hat die Stadt seit Jahresbeginn genehmigt. Laut Rathaus macht das eine Investitionssumme von 45,5 Millionen Euro.
Die Zahl passt zum Eindruck einer Rundfahrt durch die Stadt. An vielen Ecken sieht man kürzlich fertiggestellt Neubauten, aktuelle Baustellen und solche, die sich anbahnen. Hinzu kommt die ein oder andere unscheinbare Fläche, für die es aber schon genehmigte Bauanträge gibt.










Besonders häufig ist damit der Name der Kellermann Wohnbau GmbH verbunden. So zum Beispiel in der Weinberger Straße 53/55, wo eine Wohnanlage mit 24 Wohnungen samt Tiefgarage entstehen wird. Die Liste lässt sich erweitern: 13 Wohnungen samt Tiefgarage in der Wildbadstraße 13/13a, ein Einfamilienhaus und ein Haus mit sechs Wohnungen in der Holzheimer Hauptstraße 36 sowie drei Reihenhäuser in der Bischof-Dr.-Rackl-Straße in Pölling.
Studie: Wie viele neue Wohnungen braucht Neumarkt?
• Prognose: 2018 hat das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung der Hochschule Nürtingen-Geislingen im Auftrag der Stadt Neumarkt den Bedarf an Wohnraum errechnet.
• Bedarf: Sie kamen mit ihren auf Statistiken zu Bevölkerungsentwicklung, Trends bei Haushaltsgrößen und dem Wohnraumbestand beruhenden Berechnungen zu dem Ergebnis, dass es im Zeitraum 2016 bis 2030 einen Neubaubedarf von 1475 Wohnungen geben werde.
• Schwierigkeit: Die Entwicklung Neumarkts ist aber schneller als es die Prognose vorhergesagt hat. Unter anderem fußte die Prognose auf der Annahme, die Stadt würde bis 2030 auf 41 800 Einwohner mit Hauptsitz wachsen. Schon jetzt hat die Stadt diese Marke leicht überschritten. Zugleich hat sich der Bestand an Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden von Ende 2015 bis 2023 bereits um fast 2000 erhöht.
Noch mindestens zwei Jahre bis zu einem möglichen Baubeginn werde es für die 20 bis 24 Wohnungen in der Stephanstraße dauern, sagt Georg Kellermann. Hier arbeitet die Stadt aktuell an einem Bebauungsplan. Bereits im Bau sind die 14 Wohnungen in der Chemnitzer Straße 3-5, die 2026 fertig werden sollen. Gerade eben bezogen wurden die fünf Wohnungen in der Eberhard-Faber-Straße 58.
Bauträger in Neumarkt berichten von guter Nachfrage nach neuen Wohnungen
Von einer Krise im Wohnungsbau ist bei Kellermann wenig zu spüren. Zinsen, Baukosten, Effizienzstandards: Viele Faktoren für das Bauen hätten sich auf einem hohen Niveau eingepegelt, sagt der Unternehmer. An sich sei die Situation schwieriger geworden und doch sei die Nachfrage in Neumarkt nie so richtig eingebrochen. In diesem Jahr ziehe sie sogar wieder an.
„Die Investoren haben sich zwischenzeitlich an das neue Zinsniveau gewöhnt“, sagt Michael Mehrlein von der Creativ Bau Bayern GmbH. Diese wird in der Keplerstraße vier Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage bauen. 15 der 21 Wohnungen seien bereits verkauft.
Was gebaut wird, findet meist schnell Abnehmer. Ob die 30 Wohnungen im Lindenkarree (Freystädter Straße), das „Regensburger 99“ mit seinen 21 Wohnungen oder die neun Wohnungen in der Schweningerstraße 59 von Siebentritt & Donauer: Alles ist weg.
Im Milchhof und „Schwarzach 7“ sind noch Wohnungen zu haben
Zu haben sind hingegen fünf Wohnungen im „Schwarzach 7“ von Max Bögl. Auch beim größten Wohnbauprojekt der vergangenen Jahre, dem Stadtquartier Milchhof, sind von 70 Wohnungen noch sieben verfügbar. Ebenso ein Stadthaus.
Erklären lasse sich das damit, dass man mit dem zuletzt fertig gestellten Bauabschnitt später in den Vertrieb gegangen sei, sagt Makler Franz-Josef Kirsch. Er ist zuversichtlich, dass die Wohnungen bald weggehen. „Neumarkt ist gefragt. Die zwischenzeitliche Zurückhaltung ist weg“, sagt Kirsch über die Nachfrage in der Stadt mit ihrer starken Wirtschaft.
Unter anderem die Arbeitsplätze fördern den Zuzug von Menschen nach Neumarkt und schaffen Bedarf an Wohnraum. Es wird weiter gebaut werden müssen. Flächen dafür sind teuer, wie Mehrlein erklärt. Aber es tue sich immer wieder etwas auf, ergänzt Kellermann.
Noch dazu gibt es bereits größere, baureife Grundstücke. Beispielsweise eine große Fläche Kellermanns in der Eichendorffstraße. Proteste von Anwohnern hatten Pläne für eine Wohnanlage vorerst gestoppt. „Aber es wird sicher etwas in einigen Jahren kommen“, sagt Kellermann. Wann das der Fall beim Grundstück in der Regensburger Straße 11 sein wird, ist unklar. Die Firma Klebl hat einen genehmigten Bauantrag, sieht aber aktuell davon ab, das Projekt umzusetzen.
Bezahlbarer Wohnraum in Neumarkt: Hoffen auf die Bayernheim
Die Liste größerer Wohnbauten, die genehmigt sind, lässt sich noch erweitern: Beispielsweise um die 16 Wohnungen von Feihl Wohnbau in der Ludwig-Wilfing-Straße. Noch steht ein alter Gewerbebau auf dem Areal. Bereits im Bau ist das Mehrfamilienhaus der Firma im Meisenweg. Acht Wohnungen baut eine Privatperson in der Wildbadstraße 18a.
Und was ist mit neuem sogenannten „bezahlbaren Wohnraum“ für finanziell weniger gut gestellte Menschen? Das hier Handlungsbedarf besteht, darüber sind sich viele in der Stadtpolitik einig. Die Stadt hat den teuren Umbau von mehreren Altstadthäusern vorerst geschoben. Die Hoffnungen liegen auf den 120 geförderten Wohnungen, die die staatliche Bayernheim im Deininger Weg bauen will. Zuletzt gab es aber das Problem mit leeren Fördergeldtöpfen. Die Bayernheim geht jedoch davon aus, dass Förderung fließen und im Jahr 2027 alles fertig sein wird.