Konzept von Kellermann Wohnbau: 130 neue Wohnungen im Altenhof

Von Josef Wittmann · 9. Juni 2023 um 19:00

Die Mieten steigen und steigen, seit Jahren suchen Menschen in Neumarkt verzweifelt eine Wohnung. Jetzt will ein heimischer Bauträger 130 neue Wohnungen bauen – allerdings scheint das Projekt zu scheitern.

Etwa 70 Bürger, die zwischen Gerhard-Hauptmann-Straße und Riedlweiher wohnen, haben sich am Mittwochabend auf dem Fußballplatz im Altenhofweg versammelt. Die Einladung dazu war als Flugblatt in ihren Briefkästen gelandet: Es gehe darum, „eine Bebauung mit Wohnblöcken zu verhindern, die in ihrer Dimension das doppelte Ausmaß der im Bau befindlichen Wohnbebauung in der Milchhofstraße einnimmt“. Während auf dem früheren Areal der Firma Burgis einnimmt 70 Wohneinheiten geplant seien, seien am Altenhofweg 130 geplant.

Erste Pläne der Kellermann Wohnbau schon 2014

Auf der Fläche, um die es geht, befindet sich ein Bolzplatz, im östlichen Bereich wird Erdaushub gelagert. Schon 2014 hatten sich Anwohner vehement gegen Pläne gewehrt, dort Wohnhäuser zu errichten. Heinz Sperber, damals noch CSU-Stadtrat, erinnert sich genau. Der Stadtrat habe die Pläne der Kellermann Wohnbau seinerzeit wegen der Dimension abgelehnt.

Es hätten höchstens „2Plus“-Baukörper errichtet werden dürfen, also zweistöckige Gebäude, die einen zurückgesetzten dritten Stock für Maisonettewohnungen mit Dachterrasse tragen. Darauf sei der Bauträger damals aber nicht eingegangen.

Nun habe Kellermann ein neues Konzept für 130 Wohneinheiten mit vier Stockwerken. „Das sind Dimensionen, die gewaltig sind. Wir betroffenen Anwohner wollen das nicht“, sagt Sperber. Niemand wehre sich gegen neue Wohnhäuser. Es sei klar, dass auch im Altenhof die Bebauung für dringend benötigten Wohnraum verdichtet werden müsse. Aber die Anwohner müssten auch damit leben können. Und ein Bürger ergänzt: „Wir brauchen hochwertigen Wohnraum. Kein Ghetto“.

Deshalb lade man jetzt der Reihe nach Politiker der Stadtratsfraktionen ein, um schon vorher Einfluss auf die Meinungsbildung zu nehmen, bevor der Antrag im Stadtrat auf der Tagesordnung stehe. Den Anfang macht für die CSU-Fraktion Bürgermeister Markus Ochsenkühn. Er bringt aus Sicht der besorgten Anwohner gute Nachrichten mit.

Er habe mit Georg Kellermann telefoniert. Der Unternehmer hätte sein Konzept gerne im Stadtrat präsentiert, ohne dass dieser gleich hätte entscheiden müssen, berichtet Ochsenkühn. „Nach meinen Gesprächen heute weiß ich, das Konzept wird so nicht weiter verfolgt. Es hat sich erledigt. Es wird momentan auch keine andere Planung weiter verfolgt.“ Kellermann wolle aktuell auch keine weiteren Pläne einreichen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt sich Georg Kellermann sehr enttäuscht angesichts des Widerstands und der Ängste der Anwohner. Gerne hätte er den Anliegern und Stadträten in einer öffentlichen Sitzung oder einer Bürgerversammlung gezeigt, was er gemeinsam mit einem Planungsbüro tatsächlich vorhaben.

Die „2Plus“-Skizze des Stadtrats aus dem Jahr 2015, die ihm den Weg zur Baugenehmigung leicht gemacht hätte, komme für ihn tatsächlich nicht in Frage. Sie entspreche nicht mehr den Anforderungen an eine ansprechende moderne Bebauung, erklärt der Generalunternehmer.

Pläne für Altenhof sehen hohe und niedrige Wohngebäude vor

Mit einem erfahrenen Planungsbüro habe er vorgehabt, den Bürgern im Altenhof entgegenzukommen. Es sollten individuellere – auch in der Höhe abgestimmte Baukörper – passend zur jeweiligen Umgebungsbebauung entstehen, mit denen die Nachbarn hätten zufrieden sein können, erklärt Kellermann. Tatsächlich seien dabei zum Teil auch vierstöckige Baukörper vorgesehen gewesen – jedoch an Stellen, an denen sie seiner Ansicht nach nicht störten.

An anderen Stellen sehe das Konzept aber auch reihenhausartige Gebäude vor, die mit ihrem Giebel sogar unter der Höhe benachbarter Häuser und des alten Baumbestands geblieben wären. Und großzügigere Grünflächen hätte es auch gegeben, sagt der Bauträger und CSU-Stadtrat.

All das wolle er aber nicht gegen die Anwohner durchsetzen, „auch wenn man es vielleicht nicht allen recht machen kann“. Bis auf weiteres wolle er diese Pläne nicht weiter verfolgen, kündigt Kellermann an. Ein Grund dafür sei auch, dass sich die Bauwirtschaft momentan eintrübe.

So wird das große Grundstück wohl zunächst bleiben, was es seit Jahrzehnten ist. Nämlich Bolzplatz und Lagerplatz. In den Anfängen des Stadtteils war einmal ein großes Gemeindezentrum geplant gewesen für die zahlreichen hier erwarteten Neu-Neumarkter. Das ist inzwischen aus der Zeit gefallen. Auch eine Kirche sollte damals hier entstehen. Eine Anwohnerin erinnert sich, dass „in den Neunzigern sogar ein Bus mit mehr als zwanzig Pfarrern vorfuhr, die den Platz für die neue Kirche inspizierten“.

Den Planungsstopp quittieren die Anwohner mit begeistertem Applaus. Sie geben Bürgermeister Ochsenkühn indessen eigene Vorschläge mit auf den Weg: „Könnte man diesen Schandfleck nicht ein bischen verschönern?“, lautet eine Bitte. „Da schmeißt jeder seinen Grünabfall hin“, sagt ein anderer. „Schrebergärten vielleicht“, schlägt einer vor. „Ich nehme das alles mal mit, aber ich verspreche gar nichts“, sagt Ochsenkühn.

Zitat:

„Das Konzept wird nicht weiter verfolgt.“

Markus Ochsenkühn

Bürgermeister

Bis auf Weiteres werden hier im Altenhof wohl keine neuen Wohnungen entstehen. Foto: Josef Wittmann