Zwei Baustellen, ein Abschied, Sommerpause: Der Leere Beutel in Regensburg steht vor Umbruch

Zigtausende Besucher kommen pro Jahr in den Leeren Beutel in Regensburg, um hier Kultur zu genießen. In den nächsten Wochen aber wird das Haus seinem Namen unfreiwillig entsprechen. Nachdem Wirt Winfried Freisleben angekündigt hat, sich Ende des Monats aus dem Restaurant zurückzuziehen, gehen das Kino in die Umbau- und der Jazzclub in die Sommerpause. Die größte Baustelle aber steht im kommenden Jahr an.
Chrissy Grundl, Chefin in der Filmgalerie und beim Arbeitskreis (AK) Film, erklärt in einer Pressemitteilung, dass nicht nur die Sommerpause bevorstehe, sondern auch die lang ersehnte Sanierung des Kinosaals. Bestuhlung, Boden, Wände und Leinwand – die über 40 Jahre alte Originalausstattung soll erneuert werden. Als Grundl im vergangenen Herbst die finanzielle Unterstützung der Stadt dafür beantragte, nannte sie einen Betrag von 72 500 Euro plus Kostensteigerungen, die sich seit der Einholung der Angebote im ersten Quartal 2023 ergeben haben könnten. 40 Prozent des Angebots sollte laut einer Stadtratsvorlage aus dem Winter die Filmförderungsanstalt des Bundes übernehmen, 36 250 Euro die Stadt, zehn Prozent und die Kostensteigerungen der AK Film.

Und so kommt es, dass im Leeren Beutel in dieser Woche noch einmal das Leben tobt: So schuf Grundl mehrere Gelegenheiten, bei denen die Fans der Filmgalerie dem Renovierungsvorhaben finanziell unter die Arme greifen können. Etwa zeigen die Betreiber gegen Spenden statt Eintritt ihre Lieblingsfilme. Welche das sind, sagen sie aber nicht: Am Dienstag läuft um 19 Uhr eine Komödie. Am Donnerstag um 20 Uhr ist japanisches Horrorkino angekündigt und am Freitag um 20 Uhr ein Klassiker des Giallo-Genres. An diesem Tag steigt auch eine der legendären Partys des AK Film im Kinofoyer mit DJ Säm – diesmal als Soli-Party. Einen Tag später ist um 20 Uhr im Saal eine weitere Party geplant. Auf der Einladung, die auf dem Nachrichtendienst WhatsApp kursiert, ist vom „Last Dance im Saal Leerer Beutel“ und vom letzten Fest mit Team Freisleben die Rede. Von 7. bis 11. Juli soll es zudem einen Kinosessel-Bazar geben, bei dem der AK Film die bereits abgebauten Sitze aus der Filmgalerie an Liebhaber verkauft.
Lesen Sie dazu auch: „Habe die Notbremse gezogen“: Wirt nennt Grund für das Aus seines Kult-Restaurants im Leeren Beutel
Ab nächster Woche wird es dann still sein im Kulturtempel. In Betrieb sein werden ab Juli lediglich die Räume des Museumsdepots sowie die Ausstellungen von Barbara Muhr und Rupert D. Preißl. Wie es mit dem Restaurant weitergeht, ist immer noch unklar. Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, verweist auf die Brauerei Paulaner als Pächter. Mit der stehe die Stadt im Gespräch. Auskünfte über den Inhalt dieser Gespräche erteilt sie aber nicht. Das Presseteam der Brauerei Paulaner verweist auf ein Statement aus der vergangenen Woche. Demnach sei das Pachtverhältnis beendet. Es habe keine Einigung erzielt werden können. Was die Brauerei nun mit den Räumen vorhat, ob Paulaner in den Räumen bleibt oder wie die eventuell laufende Suche nach einem neuen Pächter läuft, verrät das Presseteam nicht.

Bernhard Lindner, Vorstand des Jazzclub, hofft, dass bis 15. September eine Lösung gefunden ist. Denn dann beginnt das Konzertprogramm des Vereins. Er habe die Zusicherung bekommen, die Konzerte weiterhin im Saal veranstalten zu können. Lindner macht deutlich, wie sehr Freisleben im Erdgeschoss des Leeren Beutels fehlen wird. Immerhin betrieb der Mann nicht lediglich das Restaurant, er hatte einst auch den Jazzclub aus der Taufe gehoben, an dessen Spitze er 38 Jahre lang stand. „Ihm haben wir den Jazzclub zu verdanken“, macht Lindner deutlich.
Wer auch immer in Zukunft in diesen Räumen zu tun haben wird: Sollte es schon im kommenden Jahr der Fall sein, wird diese Person eine Baustelle vor der Nase haben. Denn die Stadt muss den Dachschaden an dem denkmalgeschützten Bauwerk aus dem 16. und 17. Jahrhundert reparieren. Seit fast einem Jahr ist die Fassade hinter einem Gerüst verschwunden, weil im vergangenen Sommer Ziegel vom Dach fielen. Laut von Roenne-Styra laufen auch jetzt noch statische und weitere Schadensuntersuchungen. Sobald die Haushaltsmittel bereitstehen, könnten Angebote eingeholt, ein Planungsbüro beauftragt und die Arbeiten ausgeschrieben werden. „Die Kosten stehen noch nicht endgültig fest“, sagt sie. Die bisherige Schätzung belaufe sich auf rund vier Millionen Euro. Geplant sei, die Arbeiten in 2026 ausführen zu lassen. Dabei sollen der Dachaufbau und die Gauben saniert oder erneuert werden – im laufenden Betrieb, wie die Pressesprecherin erklärt. Deswegen sei tagsüber mit Lärmbelästigungen zu rechnen. „Auch wird die Zufahrt aufgrund von Rückbauarbeiten, Materiallieferungen, Kranstellung und Baustelleneinrichtung eingeschränkt sein“, kündigt sie an. In erster Linie soll dafür der Hof auf der Nordseite genutzt werden, aber auch ein Zugang von Süden entstehen. Weiterhin rechnet von Roenne-Styra mit Behinderungen in den Ausstellungs- und Depoträumen.