Regensburgs kleine Kulturvereine am Limit: Ohne Förderung droht vielen das Aus

Festivals, Premieren, Vernissagen: Gerade schillert Regensburgs Künstlerszene besonders facettenreich. Allerdings sind dies auch Tage, die verdeutlichen, wie sehr kleinere Kunstvereine auf Fördergelder angewiesen sind – und, dass sich diese Situation verschärft.
Während manche Kulturfans im Herbst nicht wissen, was sie sich zuerst ansehen sollen, beschäftigen sich viele Kulturschaffende mit der Frage, ob sie dem Publikum auch in Zukunft noch so ein Programm anbieten können. Es sind die Personalkosten, die den kleineren Betrieben zu schaffen machen: Gagen für Künstler aller Genres, Mindestlohn für Galerieaufsichten oder gestiegene Gehälter für professionelle Techniker stellen sie vor Herausforderungen.
Beispielsweise sagt Horst Frohn, musikalischer Leiter der Chorphilharmonie: „Die steigenden Lebenshaltungskosten sorgen dafür, dass die Ansprüche bei Musikern steigen.“ Die Chorphilharmonie engagiert für große Konzerte Symphonieorchester oder Solisten. „Zuletzt hatten wir Forderungen von professionellen Künstlern, dass die Gage angepasst werden soll“, berichtet Frohn. Von bis zu 25 Prozent mehr sei die Rede gewesen. „Das ist bei einem Orchester mit 35 bis 40 Musikern ganz schön viel“, sagt er. Ohne diese Engagements wäre die Chorphilharmonie in seinen Augen aber nicht das, was sie ist.
500 Euro pro Tag
Ähnlich äußert sich Markus Bartl, künstlerischer Leiter im Turmtheater. „Professionelle Techniker verlangen derzeit bis zu 500 Euro am Tag. Das können wir uns für das Turmtheater nicht leisten“, sagt er. Und so arbeite er mit Aushilfen. Die Künstler auf der Bühne seien nun ebenso teuerer. Bartl sei bemüht, Mindestlohn zu bezahlen. „Allerdings hat uns die Realität überholt. Der Mindestlohn ist gestiegen und soll nun noch einmal steigen. Aber wir können nicht mehr weiter hochgehen“, verdeutlicht er.
Auch Renate Haimerl Brosch, Vorsitzende beim Neuen Kunstverein, kommt auf dieses Problem zu sprechen. Wenn keiner der Ehrenamtlichen bei diesem Verein die Galerieaufsicht während einer Ausstellung führen kann – diese Personen vermitteln etwa Käufe – müsse jemand dafür engagiert werden und dafür gelte der Mindestlohn.
Alle drei Kulturschaffenden wollen, dass die Kreativen von ihrem Job leben können. Stattdessen berichtet Bartl aber davon, dass viele der Künstler am Turmtheater einen zweiten Job haben, um über die Runden zu kommen. „Einmal hatten wir jetzt auch schon den Fall, dass jemand deswegen nicht mehr im künstlerischen Bereich arbeiten wollte. Das ist prekär“, verdeutlicht er. Auch Haimerl Brosch sagt: „Wir können den Künstlern keinen Kauf garantieren und sind als Verein zu klein, um eine Sammlung aufzubauen. Da sollen sie wenigstens eine Ausstellungsgage bekommen.“
Kulturamtsleiterin Maria Lang zeichnete während der vergangenen Sitzung des Kulturausschusses ein ähnliches Bild. Mit Blick auf die städtische Kulturförderung sagte sie: „Die Antragssituation zeigt einen erhöhten Mittelbedarf.“ Das betreffe die freiwillligen Leistungen und die Förderung für kleinere Projekte.
Ein Plus von 20 Prozent
Kostensteigerungen gibt es laut Lang etwa durch Inflation, Tarifverträge oder Sicherheitsdienstleistungen. Bei den eigenen Veranstaltungen beobachte sie, dass die Stadt derzeit ein Plus von 20 Prozent im Schnitt bezahlt. Um den Kostensteigerungen entgegenzuwirken, hat Bartl die Ticketpreise erhöht und Haimerl Brosch die Mitgliedsbeiträge. Außerdem warten sie derzeit gespannt auf die Antworten zu zwei Fragen: Bekommen sie etwas von den freiwilligen Leistungen ab, mit denen die Stadt unter dem Vorbehalt der verfügbaren Haushaltsmittel Zuschüsse an die freie Kulturarbeit gewährt? Und falls ja: Ist das auch so viel, wie sie beantragt haben?
Zuletzt brachte der Kulturausschuss dieses Paket von zusammengerechnet 1,7 Millionen Euro einstimmig auf den Weg. Die Entscheidungen im Finanzausschuss und im Stadtrat stehen zwar noch aus. Bartl aber ist sich schon jetzt sicher: „Ohne dieses Geld könnten wir das Turmtheater nicht betreiben.“ „Sonst müssten wir zu machen“, erklärt auch Haimerl Brosch. Und so sind sie sich mit Frohn einig: Das Geld der Stadt hilft viel, aber wenn es mehr wäre, würde keiner von ihnen „Nein“ sagen. „Dresden hat jetzt aber gekürzt, Straubing hat eine Haushaltssperre“, blickt Haimerl Brosch mit Sorge in andere Städte. Lang vom Kulturamt aber verlangte während der Sitzung: „Wir brauchen die Perspektive einer moderaten Entwicklung auch bei den freiwilligen Leistungen.“